29. Mai 2012

Schmetterlinge im Mai

Nicht ganz im eigenen Garten, aber in Sichtweite davon ein Stück den Berg hinauf, liegt das Landschaftsschutzgebiet Altpernstein. Es umfasst neben ausgedehnten Mischwäldern zahlreiche Wiesen, die alle erst im Juli gemäht werden und so neben vielerlei Pflanzen (Orchideen, Feuerlilien, Sterndolden,...) jenen Tieren Lebensraum bieten, die in unserer Kulturlandschaft sehr oft durch den Rost fallen: Den Schmetterlingen. Man denkt gemeinhin, wo viele Blüten wären, gäbe es auch viele Schmetterlinge und unsere Gärten würden Nahrung und Lebensraum für diese Tiere bieten.


Leider ist das nur selten so. Denn was wir sehen, sind die fertigen Falter, und was uns völlig verborgen bleibt, sind deren Raupen und das heimliche Leben, das sie führen. Denn fast alle Raupen sind auf nur wenige Futterpflanzen spezialisiert - manche Falter sogar nur auf eine einzige Pflanze! - und können nicht überleben, wenn es diese Pflanzen nicht mehr gibt.

Der Laubwiesen-Dickkopffalter (auch Gelbwürfeliger Dickkopffalter, Carterocephalus palaemon), am linken oberen Bild auf einer Teufelskralle sitzend, benötigt Wiesen mit ausreichend Deckung und bestimmten Grasarten, an denen seine Raupe frisst. Werden alle Hänge einer abwechslungsreichen Landschaft aufgeforstet und wird Weide- und Graslandwirtschaft nur mehr auf ebenen Wiesen betrieben, auf denen gedüngt werden kann, so verschwinden seine Futterpflanzen und mit ihnen der Falter.


Ein Falter, dem das in vielen Teilen seines ursprünglichen Lebensraums schon passiert ist, ist der Schwarze Apollo (Parnassius mnemosyne). Er benötigt feuchte Waldränder, an denen Lerchensporn wächst, der die Futterpflanze der Raupen ist und blütenreiche Magerwiesen, die den Falter während seiner Flugzeit zwischen Mai und Juli ernährt. Da der Lerchensporn zur aktuellen Jahreszeit schon eingezogen ist, legt das Falterweibchen die Eier am Waldrand ab, ohne genau zu wissen, ob dort die Futterpflanze überhaupt wächst. Die Raupen überwintern in der Eihülle und fressen erst im kommenden Frühling.


Das Apollo-Weibchen am linken Foto trägt am Hinterleib eine Sphragis, die aus Chitin besteht und vom Männchen stammt, mit dem es sich gepaart hat. Damit soll verhindert werden, dass ein andere Männchen zum Zug kommt.

Der Falter rechts gehört zu den Nachtfalter, fliegt aber am Tag: Der Weiße Linienspanner (Siona lineata). Er benötigt Trockenwiesen, auf denen seine Raupen Nahrung finden (Gräser und andere Pflanzen). Auf den ersten Blick könnte man ihn für einen Weißling halten, aber er fliegt nie weit, sondern versteckt sich gleich wieder im Gras oder unter Blüten. Seine Flügeloberseiten sind strahlend weiß, während die Unterseiten dunkle Linien tragen (auf meinem Foto scheint die Hinterseite leider durch).


Es waren viele Schwarze Apollos unterwegs. Sie sauge gerne an der Ackerwitwenblume, die über die anderen Pflanzen der Wiesen hinausragt und dadurch kann man die Falter leicht finden.

Etwas kniffliger ist das mit dem Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus). Dieser kleine Schmetterling, eigentlich ein Nachtfalter, aber tagaktiv, schwebt wie ein Kolibri an die Blüten heran und verschwindet blitzschnell wieder. Seine Färbung soll Fressfeinde an eine eine Hummel erinnern und damit abschrecken. Die Raupen fressen verschiedene Pflanzen, darunter Skabiosen, Teufelsabbiss, Ackerwitwenblumen und andere.


Mit diesen beiden Blütenbildern - einmal Chaerophyllum hirsutum und und einmal eine Margeritenwiesen - beende ich diesen ersten Schmetterlingspost, da noch nicht so viele Falter unterwegs sind. In einem Monat wird das schon ganz anders aussehen!

Kommentare:

  1. Wir haben in der Nähe mehrere große Naturschutzgebiete, die ein wahres Paradies für viele Schmetterlinge sein müssen. Im Garten selbst sind mir noch nicht so viele verschiedene Falter untergekommen, aber vielleicht ändert sich das noch.

    lg kathrin

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  2. danke für dein Infos, auch ich werde meinen Magerwiese, die immer bunter wird weniger mähen,
    Frauke

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  3. Das sind mal wieder fantastische Bilder! Wenn ich mit der Kamera auch nur in die Nähe komme, flattert gleich alles davon.

    Ich denke die meisten Leute wissen überhaupt nicht, dass so viele Arten gefährdet sind und dass man schon ein bisschen Naturschutz im Garten betreiben kann. Ich orientier mich beim Pflanzenkauf neuerdings an der "Hitliste" der Schmetterlingspflanzen. Bloß Brennnessel und Ampfer überlese ich da gerne...

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  4. Katrin, wunder-wunderschön deine Bilder. Du hast so einen tollen Blick für die kleinen Dinge, da kann ich noch richtig viel lernen.
    Seit diesem Frühjahr habe ich auch ein Stück Wiese nicht mehr gemäht und bin erstaunt, welch eine Vielfalt an Pflanzen und Insekten sich dort tummeln...
    Liebe Grüße von Heike

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  5. Ich bewundere immer wieder dein Wissen über die verschiedensten Pflanzen und auch die Schmetterlinge. Kannst du all die Pflanzen direkt benennen? Oder schlägst du sie nach? Ich versuche gelegentlich herauszufinden, welche Pflanzen ich am Feldrand oder in meinem Garten finde. Bisher leider meist wenig erfolgreich.

    Und die Fotos sind auch wieder toll geworden!

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  6. Wundervoll! Aber leider etwas weit von uns entfernt! Sonst würde ich da schnell mal hin ... Bei uns gibt es ja nicht mehr so viele Schmetterlingsarten. An den Faltertagen habe ich überhaupt keine erblickt, vielleicht auch, weil es viel zu heiss war?

    Danke auch nochmal für Deinen netten Kommentar. Ich glaube nun beinahe doch, daß es eine Maus war. Ich hab' "sie" in meinem neuen Post abgebildet. Die Ohren kamen mir ein wenig groß vor, aber sooo genau kenne ich mich mit Mäusen auch wieder nicht aus.

    Liebe Grüße
    Sara

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  7. Ganz feine Bilder, mir geht es meistens wie Sabrina oben, mir fliegen sie immer davon. Leider leiden sehr viele Vögel auch unter dem verschwinden der Magerwiesen, oder das zu häufige mähen. Ihre Gelege werden von den Maschinen zerstört und die erwachsenen Vögel verjagt oder zum Teil verstümmelt.

    Helle

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  8. Hallo Katrin,

    wow, du hast einen Schwarzen Apollo in der Nachbarschaft? Das glaub ich kaum. Ich war letzte Woche noch in den Schweizer Alpen (800km entfernt) und habe dort den Roten Apollo fotografiert. Der Schwarze fliegt auch dort, aber ich habe ihn leider nicht gesehen.
    Ich wußte gar nicht, dass du dich auch mit Schmetterlingen auskennst und freu mich sehr darüber :-)
    Wenn du mal schauen magst: http://www.natur-in-bildern.de/neue-bilder
    Meine neuen Bilder aus den Schweizer Alpen.

    Übrigens freut es mich zu lesen, dass dein offener Garten so gut besucht war. Schade, dass ich so weit weg wohne.

    LG Mio

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