14. Mai 2012

Cardamine - Zahnwurz

Wer Schattenstauden mag, wird früher oder später über die Gattung der Schaumkräuter stolpern. Diese liebenswerten Pflanzen wurden bis vor einigen Jahren zum Teil unter dem Namen Dentaria als Zahnwurze geführt, werden aber heute alle Cardamine genannt. Das ist aber nicht die einzige Verwirrung; es werden die verschiedensten Typen unter gleichen Namen geführt, was wohl mit der starken Ähnlichkeit zusammenhängt und auch damit, dass manche Arten variabel sind und weiße und rosa Pflanzen vorkommen können.

All diese Verwirrung sollte einen aber auf keinen Fall davon abhalten, sich diese netten Stauden ins Schattenbeet zu holen! Es handelt sich durchwegs um Bereicherungen der Frühlingsblüherecke, die humosen Boden schätzen und meist schon bald wieder einziehen, weshalb man sie problemlos auch in verhältnismässig vollen Gärten unterbringen kann.


Ich beginne mit der bei uns heimischen Cardamine enneaphylla, der Neunblättrigen Zahnwurz. Sie wächst in Laubwäldern an absonnigen Stellen und bevorzugt kalkhaltige Böden. Sagt ihr der Standort zu, bildet sie größere Tuffs, deren sonderbarer Austrieb (Bild weiter unten) schon im März aus der Erde bricht. Es folgen bronzefarbige Blätter, deren Spitzen dekorativ nach oben stehen und cremegelbe Blütenglocken, ehe die Pflanze schon im Mai wieder eingezogen ist.

Zu den wenigen Arten, die mitunter lästig werden können, gehört Cardamine glanduligera, die sich durch Ausläufer verbreitet und große Bestände bilden kann. Sie stammt aus den Karpaten und wenn man sie nicht neben schwache Frühlingsblüher pflanzt, sondern zwischen Helleboren oder zu Lathyrus vernus oder weißem Corydalis cava, kann nicht viel passieren. Wie die anderen Zahnwurze zieht auch diese Art bald ein.


Das erste Bild zeigt Cardamine heptaphylla, die Siebenblättrige oder Fiederblättrige Zahnwurz. Ihr vorkommen erstreckt sich von Süddeutschland bis in die Pyrenäen, wobei dabei offensichtlich weiße und rosa Varianten vorkommen, die beide in Kultur genommen wurden. Erkennungsmerkmale sollen das glänzende Laub und ein kräftiger, hoher Wuchs sein. Bei mir hat die Staude in nur drei Jahren einen ansehnlichen Horst gebildet, sie ist etwa 40cm hoch und ein richtiges Prachtstück.

Neu bei mir ist Cardamine kitaibelii. Sie wächst wild im gesamten Alpenraum bis inklusive dem Apennin, wobei mir persönlich keine Vorkommen bekannt sind. Sie wird auch Vielblättrige Zahnwurz genannt und treibt hohe Stiele, an denen große helle Blüten hängen. Sie ist zarter als die ähnliche C. enneaphylla und ihre Blätter sind gegenständig.

Ganz rechts sieht man Cardamine waldsteinii. Ich habe sie von einem Pflanzensammler aus Deutschland erhalten und seither kaum angeboten gefunden, dabei sind die weißen Blütchen mit den violetten Staubgefäßen ausgesprochen hübsch. Sie stammt aus dem Illyrischen Raum (Ost-Österreich, Slowenien, Ungarn) und ist kleiner als die anderen Arten.


Anhand dieser beiden Pflanzen merkt man, dass die Bestimmung von Cardaminen kein leichtes Unterfangen ist: Links sollte eine weiße Form von Cardamine heptaphylla zu sehen sein, rechts dagegen die sehr ähnliche Art Cardamine pentaphyllos; eine Art, die von den Alpen bis zu den Pyrenäen hin vorkommt (und damit eigentlich genau dort, wo auch C. heptaphylla wächst). Die erste - weiße - Pflanze hat kaum glänzendes Laub und aufrechte Blütenstände, während die rosa Staude mehr glänzt und deutlich geneigte Blütenstände zeigt.


Eindeutig ist da zumindest Cardamine bulbifera, die Zwiebeltragenden Zahnwurz, eine heimische Art, die in den Blattachseln kleine Bulbillen bildet, die sie - ähnlich wie bei Lilium - zur Vermehrung nutzt (neben Ausläufern und Samen, ziemlich angepasst also). Sie wächst an warmen Waldrändern und wird mit bis zu 60cm ziemlich hoch. Ihr Gartenwert ist bescheidener, da sie als Ausnahme zu den anderen Arten erst im Juni blüht und in den bis dahin gewachsenen Pflanzenmassen eines (oder zumindest meines) Gartens leicht untergeht.



Links noch einmal Cardamine enneaphylla und rechts die Blüte von Cardamine heptaphylla, die zu den größten der Gattung zählt und im Garten zur Blütezeit einen Beetbereich dominieren kann.
 

Noch einmal der nickende Blütenstand der von mir als Cardamine pentaphyllos identifizierten Pflanze. Die Blüten sind es wert, genauer betrachtet zu werden: Die Ränder sind ganz zart gewellt.

Eine zweite Pflanze von (angeblich!) Cardamine waldsteinii hat leider die Unart, die meiste Zeit des Tages die Blüten halb geschlossen zu halten, worunter ihre Fernwirkung im Garten stark leidet. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine Variante oder gar eine andere Art ist. Das Laub wirkt auf mich sehr ähnlich.



Diese vier Bilder zeigen den spektakulären Austrieb der Cardaminen im März. Oben links: Cardamine enneaphylla, rechts Cardamine pentaphyllos, unten links Cardamine heptaphylla und rechts Cardamine glanduligera.


Dieser Vergleich zwischen Cardamine heptaphylla (links) und Cardamine pentaphyllos (rechts) zeigt den laut Literatur deutlichsten Unterschied: Die Blattanordnung. Während die einzelnen Blätter eines Blatts bei C. pentaphyllos (Fünfblättrige Zahnwurz) von einer gemeinsamen Mitte ausgehen, sieht man bei C. heptaphylla eine verlängerte Blattachse. Auf diese Weise wurde auch meine weiße Pflanze als C. heptaphylla identifiziert. Sucht man allerdings im Internet, findet man zu beiden Arten auch andere Fotos.

Wer Fehler gefunden hat, Anregungen geben möchte oder weitere Bestimmungsmerkmale kennt, sei eingeladen, mit mir in Kontakt zu treten!

Abgesehen von den vorgestellten Arten gibt es noch etliche, deren Kultur sich lohnen würde. Nicht zuletzt das Wiesenschaumkraut, von dem es eine hübsche gefüllte Form gibt. Auf manche Schaumkräuter verzichten wir aber auch gerne, denn einige sehr bekannte und hier besser verschwiegene Beikräuter gehören ebenfalls zur Verwandtschaft dieser liebenswerten Schattenstauden!

Kommentare:

  1. Sehr interessant, Katrin, danke. Ich kenne zwar den Namen, aber sehenden Auges bin ich noch keiner Cardamine begegnet, vermutlich weil sie so klein sind, da übersieht man sie. Ich bin ja auch kein Profi. Danke für deinen Bericht!

    Sigrun

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  2. Oh ich hab diese Schönheiten noch nie vorher bemerkt, gesehen. Wenn die Sträucher dann mit den Jahren grösser werden und es dunkler darunter wird, wäre das eine wunderschöne Alternative.
    Danke für Deine Fotos und den Bericht.
    Grüsse Pascale

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  3. Hallo Katrin, danke für Deine tollen Pflanzenporträts! Du machst richtig Lust auf diese Familie. Bisher habe ich nur den häufigsten Vertreter davon im Garten...

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