Wir in der Sendung Natur im Garten (---> klick)

22. Juni 2015

Schattenstauden Ende Juni

Die Hauptsaison der Schattenpflanzen ist nun vorüber, denn das Blätterdach der Bäume ist geschlossen; deren Blätter sind zum Schutz vor der Einstrahlung nachgedunkelt und nur mehr wenige Sonnenstrahlen dringen bis zum Waldboden vor.

Für Gartengestaltung im Schatten werden nun die Blätter wesentlich, die Laubstruktur, die Laubform und die -farbe und die Wuchsform allgemein wichtiger, denn für die Pflanzen bedeutet das Dunkel, dass sich auch viel weniger Bestäuber zu ihnen verirren und daher setzen nur mehr wenige auf Blüten. Einige Stauden bilden allerdings Ausnahmen.

Anemone 'Wild Swan' ist eine Hybride aus mehreren Anemone-Arten und blüht von Juni bis in den Herbst hinein. Es ist eine sehr neue Pflanze, die vor etwa 15 Jahren entdeckt und 2011 auf der Chelsea Flower-Show ausgezeichnet wurde. Bei mir hat sie es nicht so vornehm und sie gedeiht auch, ich finde sogar, sie sieht recht wildpflanzig aus. Die Rückseiten der Blüten sind jweils abwechselnd ansprechend blau überlaufen und die gesamte Pflanze macht einen ansprechenden Eindruck, da sie einen gleichmäßigen Busch bildet und weder Ausläufer treibt noch Samen entwickelt- weshalb sie auch so lange blühen kann.

Eine weitere Ausnahme ist die Deinanthe, die zu den Hortensiengewächsen gehört und aus Asien stammt. Es gibt zwei Arten, eine aus Japan, eine aus China und einige Sorten, die Anfang Juli von Hellblaue über Weiß bis Rosa blühen. Sie bilden einen gleichmäßigen Busch und lieben feuchte, regenreiche Jahre - nur dann schaffen sie es auch zur Blüte, denn nur wenige Tage Trockenheit führen dazu, dass die Knospen vertrocknen und abfallen - das tut der Pflanze nichts, ist aber immer schade. Heuer war bis jetzt alles perfekt und die Pflanze ist hoch wie nie und voller Knospen.
Eine dunklere Variante der Deinanthe stammt aus dem Botanischen Garten in Graz. Sie treibt rötlich-orange aus, behält diese Farbe an den Stängeln und Knospen und blüht auch insgesamt dunkler. Ich habe meine Pflanze umgesetzt und sie ist wunderschön wie nie zuvor.

Die meisten Maiglöckchengewächse blühen Anfang Mai, nur einige der großen Disporum-Arten brauchen dafür länger, einfach, weil sie während der Blüte weiterwachsen - links im Hintergrund Disporum cantoniense 'Aureomarginatum' / rechts Campanula latifolia var. macrantha 'Alba', eine dankebare und standfese Glockenblumensorten, die auch im Halbschatten gut gedeiht.

Die Boehmeria, in diesem Fall im Hauptmotiv die B. tricuspis, links daneben B. platanifolia ist eine wie ich finde schöne Staude für den Halbschatten - das Argument, sie hätte etwas Brennnesseliges an sich, kann ich aber leider auch nicht von der Hand weisen - wahrscheinlich ist sie mir einfach grundsätzlich sympathisch, weil sie keine Nesselhaare hat. Ihre tief eingeschnittenen Blätter mit dem eigenartigen Zipfelchen am Ende sind jedenfalls ungewöhnlich und ihre Blüten, die erst im August erscheinen werden, sind es ebenfalls.Dazu ist sie robust und schneckenfest - wenn auch nicht sonderlich spektakulär.

Diphylleia sinensis ist wiederum eleganter. Die schönen großen Blätter - mit zwei Einschnitten ist jeweils oben und unten die namensgebende Zweiteilung angedeutet - treiben im Frühling rötlich aus und blühen dann mit hübschen weißen Schirmblüten, aus denen sich danach die jetzt zu sehenden blauen Beeren entwickeln. Diphylleia ist eine kleine Gattung mit lediglich drei Arten, die jeweils in Nordamerika, China und Japan Laubwälder besiedeln und alle mit den Elfenblumen verwandt sind. Sie mögen humosen Boden und kühle Bedingungen - wobei es der viel bekannteren D. cymosa bei mir nicht zugesagt hat.

Klassische Schattenstauden wie Hosta mag ich natürlich auch - aber ihnen fehlt die subtile Wildheit und die Stimmung, eben weil sie so sehr nach Garten aussehen, dass man sie sich nie in Wäldern vorstellen würde. Die anderen Schattenstauden hingegen, unscheinbar und meist einfach grünblättrig, zeigen die Anpassung an ihren Lebensraum ganz unmittelbar, mit großen, grünen Blättern und kleinen, unscheinbaren Blüten. Sie erzeugen die Stimmung von Wald - Funkien sind dafür uneingeschränkt schön. Beide gemeinsam klappen in Beeten optisch nur bedingt - bei mir sind sie daher bis auf wenige Ausnahmen getrennt verwendet.

16. Juni 2015

Rückblick - Tage der offenen Gartentür 2015

Nun sind sie vorbei und auch wenn viel Aufwand (nein, keine Arbeit) dahintersteckt und einiges organisiert werden will und das Wetter im Vorfeld meist nicht so ist, wie man es gut brauchen könnte, so überwiegt doch das Positive so eindeutig, dass ich schon ganz vorsichtig im Kalender auf den kommenden Frühling geblättert und auf die möglichen Daten geschielt habe. Vorerst aber gilt es einmal durchzuatmen, die vielen Komplimente sitzen zu lassen und sich zu freuen: Über eine gelungene Veranstaltung, eine Vielzahl an Gartenbegeisterten und das Wetter, das uns ein so angenehmes Gartenwochende beschert hat.

Wir möchten uns aber auch bei den vielen freundlichen Besucherinnen und Besuchern bedanken, für die freundlichen Worte, die informativen Gespräche und die vielen Ideen, die auch wir mitgeteilt bekommen haben!

Die Beete waren schon sehr hoch und wiesenhaft, aber zum Glück nicht umgekippt - daher machte sogar der Mohn einen guten Eindruck und passte gut zur hohen Glockenblume (Campanula lactiflora).

Sehr spannend finde ich jedes Jahr, welche Stauden erfragt und am häufigsten betrachtet und fotografiert werden. Manche lenken zuverlässig viel Interesse auf sich, so wie jedes Jahr unser lieber 'Spotty Dotty' oder die Hostas in den Töpfen - es erscheint noch immer vielen höchst erstaunlich, dass wir mit den Hostas im Winter wirklich nichts tun, sie einfach stehen lassen und sie trotzdem gut gedeihen.

Vom Leinkraut wussten wir schon von letztem Jahr, dass es vielen auffällt- aber heuer war auch mein überdimensional großes Mutterkraut, ewig im Garten vorhanden und für mich eine ganz  gewöhnliche Staude, oft Grund für eine Frage.


Klatschmohn, Geranium x oxonianum, Thalictrum minus ssp. minus, Calamagrostis ex. Korea

Andere Stauden, die ich als besonders eingestuft hätte, wurden weniger beachtet. So die Gillenia - sie hat wunderbar geblüht  -, die Deinanthe, die vielen Wiesenrauten und einige Blattschmuckstauden, die sich eigentlich gut präsentiert haben. Was dafür offenbar wieder mehr im Kommen ist, sind Geranium: Besonders die pinkfarbigen Sorten von Geranium psilostemon wurden von vielen bewundert.

Sehr beeindruckt waren auch alle von den Rosen, obwohl es hier eh kaum welche gibt. Ich bekam - und musste schmunzeln - einige sehr wohlwollende Kommentare zu meiner hin und wieder anklingenden Rosenkritik, aber leider wurde meine Autorität in dieser Hinsicht just in diesen Tagen von einer gigantischen rosa Rose untergraben, die mitten in einem meiner Beete steht und leider - wenig glaubwürdig für mich - gesund, wüchsig und reichblütig alle meine Vorwürfe, was an Rosen so ärgerlich sei, Lügen straft. Dass sie ausgerechnet zur offenen Gartentüre so unerhört hübsch blüht, darf nicht ungestraft bleiben: Ich habe ihren Namen noch immer nicht recherchiert und sie kann deshalb nicht mit Namen angesprochen werden (man sieht sie am Bild unten rechts... ).


Blick auf eines der Sommerstaudenbeete

Was uns besonders beeindruckt hat, waren die in vielen Fällen sehr weiten Anfahrtswege der Besucherinnen und Besucher: Wir unterhielten uns unter Staunen mit Gartenfreunden aus Niederösterreich, Kärnten und sogar Osttirol, sowie mit Begeisterten aus Deutschland, die es auf der Durchfahrt nach zwei Jahren Verpassen heuer so eingerichtet hatten, genau zu unserer offenen Gartentür hier auf halbem Weg Quartier zu beziehen.


Orlaya, Papaver, Stachys macrantha, Melica ciliata und Campanula lactiflora

Viele bekundeten Interesse an Staudenbeeten, fragten zu Anlage und Pflege und hatten Listen mit, auf denen sie Pflanzennamen notierten. Ich freue mich immer, wenn jemand im Garten neue Pflanzen kennenlernt und neue Pflanzmöglichkeiten entdeckt.

Etliche kannten auch schon den Blog und nahmen in ihren Fragen ganz gezielt Bezug auf Beiträge oder Fotos - das hat mir ganz besondere Freude bereitet, weil ich es so schön finde, wenn jemand vom anonymen Leser, vom Klick auf dem Blog, zu einer richtigen Person wird, die selber einen Garten hat und sich bei mir vorstellt. So habe ich beim Schreiben Gesichter vor mir und es motiviert mich, hier Inhalte zu verbreiten.



Der Inhalt des heutigen Beitrags dreht sich daher sehr einhellig ums Freuden - und ich möchte damit auch allen Mut machen - oder vielmehr Zweifel nehmen  - die überlegen, ihren Garten zu öffnen. Wer hin und wieder schon darüber nachgedacht hat und sich dann doch nicht entschließen konnte: Es macht Freude, es bringt neue Bekanntschaften, es macht müde... und es macht glücklich :-).

Auf einen schönen Gartensommer und viele Ideen... hier wird es heuer einige interessante Projekte geben!


Anthemis tinctoria 'Sauce Hollandaise', Linum perenne, Orlaya grandiflora

11. Juni 2015

(Offener) Garten im Juni

Kommendes Wochenende ist es wieder soweit: Unser Garten wird für zwei Tage geöffnet und meine Familie und ich sind zwei Tage auf den Beinen, um Leuten das Gärtnern mit Stauden näherzubringen. Die letzten Wochen habe ich mit dem Jäten von Winden, teilweise mit Herausnehmen zu üppiger Pflanzen und mit dem Bewundern der Beete verbracht. Und ein klein wenig Neues geplant haben wir auch... der Sommer wird im Garten einige Veränderungen bringen!

Als kleinen Überblick über die letzten zwei Wochen ein paar Bilder. Die Hitze hat den Staudenmohn leider schon weitgehend verblühen lassen und auch die Paeonien sind schon fast alle wieder durch.

Ich freue mich auf zwei sonnige Tage mit schönen Gesprächen und hoffe, einige von euch am Wochenende begrüßen zu dürfen :-).


Das Kiesbeet hat mit der selbstausgesäten Hesperis eine ungeplante Aufwertung erfahren.

Nun stehen die Storchschnäbel in Vollblüte, wie hier das dankbare und langlebige Geranium psilostemon.
Hier wurde vergangenes Jahr umgestaltet. Der rotblättrige Knöterich ist der Star der Ecke, aber auch die anderen Stauden rundherum stehen ihm um nichts nach. Das Beet liegt direkt gegenüber vom Haus und sollte daher rund ums Jahr schön sein - bis jetzt klappt es mit diesem Vorhaben.
Die Schattenbeete vertiefen jetzt ihr Grün; Blüten kommen nur mehr selten vor. Auch die weiße Pfingstrose ist nun schon verwelkt.
Das Dschungeleck wurde freigerodet und man kann die Farne nun aus der Nähe bestaunen. Der Anblick ist mir das jährliche Entfernen der Ausläufer wert.
Mamas Gemüsegarten - einer von vier oder fünf, ich weiß nicht, wie die Zählung im neuen Abschnitt beim Kompostplatz weiterläuft - präsentiert sich im Juni von seiner besten Seite - alles sprießt, vieles kann geerntet werden und einiges darf auch einfach nur blühen.
Ob die Gillenia bis zum Wochenende durchhält, weiß ich nicht - ich finde sie so wunderschön und würde hoffen, sie würde in mehr Gärten verwendet werden.
Im Schatten blüht nun das riesige Disporum cantoniense 'Aureovariegata'. Es ist eigentlich nicht sehr winterhart, aber das weiß mein Exemplar nicht. Wer Disporums nicht kennt: Sie sind so ähnlich wie Polygonatum, also Maiglöckchengewächse, und blühen eher unscheinbar mit kleinen, grünlich-gelben Glöckchen - links oben im Bild - und wachsen überhängend/aufrecht. Sehr aufsehenerregend sind sie nicht, aber aus der Nähe mag ich sie sehr.

31. Mai 2015

Staudenbeete Ende Mai

Unterstützt von Regenwetter, warmen Temperaturen und unbemerkt, weil man bei triefnasser Vegetation nicht so häufig im Garten unterwegs ist  - zumindest nicht ich - hat sich in den Beeten eine großartige Entwicklung vollzogen: Es wird langsam Sommer, der Boden ist unter mehreren Schichten Pflanzen versteckt und alles blüht und wächst und duftet und, auch das, zieht schon wieder ein. Die ersten Frühlingsblüher, begeistert begrüßt und mehrmals hier dokumentiert, sind schon wieder spurlos verschwunden und komplett fertig vorbereitet, um im Februar (das sind noch mindestens 8 Monate!) blitzschnell zu erscheinen.

Weil alles so geschwind geht, daher nur ein kleiner Überblick über die verschiedenen Bereiche des Gartens. In zwei Wochen sind die Tage der offenen Gartentür und eigentlich wäre der Garten jetzt schon ganz schön :-). Ich ziehe bis dahin also Winden und steche noch die Kanten - den Rest dürfen die Pflanzen erledigen... und das machen sie sicher gut.

Heuer ist Astilboides tabularis so spät ausgetrieben, dass ich schon dachte, es wäre verschwunden. Dabei hat es offenbar nur richtig tief Luft geholt und ist riesig geworden! Ich muss ein paar Stauden, die sich darunter befinden retten, denn sie bekommen nun kein Licht mehr.

In den Sommerstaudenbeeten herrschen noch Silene, Allium und Polemonium; bald werden aber andere Stauden übernehmen. Ich lasse dann immer nur ein paar Silene stehen und jäte die anderen, damit ich nicht zu viele Sämlinge jäten muss (oder aus lauter Begeisterung alle kleinen stehen lasse und dann nur mehr Silenen habe. Eher deswegen...).

Dass der rote Knöterich nicht winterhart sei, hört man immer wieder. Ich war schon ganz skeptisch, aber mein Persicaria microcephala 'Red Dragon' ist wieder so herrlich wie letztes Jahr - dabei steht er erst jetzt, Anfang Juni, ein Jahr hier! Mit den weißen Iris sibirica schaut es klasse aus und bald wird die Gillenia dazukommen.

Der Schattenbereich unter Nuss- und Apfelbaum wurde rechts von mir ein Stück erweitert. Der viele Regen der letzten Wochen hat sehr gut gepasst und alles so gut einwurzeln lassen, dass ich nicht damit rechne, jetzt sehr oft gießen zu müssen.

Der Blick über die Sommerbeete zeigt, dass sie im Moment wie Wiesen wirken. Ihre eigentliche Struktur und vor allem die Höhenstaffelung ist bis jetzt noch nicht sichtbar und wird erst erscheinen, sobald ich die Silenen jäte.

Eine herrliche Grün-in-Grün-Kombination ist dort entstanden, wo wir vor eineinhalb Jahren eine Hortensie 'Annabelle' gerodet haben: Trichterfarn, Geißbart und rotblättriger Felberich. Ersteren und letzteren muss ständig Einhalt geboten werden, aber die Optik ist das Zupfen wert!

Im Kiesbeet, wo die großen Buchse gerodet wurden (kein, kein Zünsler, auch kein Pilz, schlicht: zu großer Buchs) entwickeln sich die Iris nun viel besser und auch alles andere legt in der helleren Situation nun besser zu.

Und dann ist heute noch mein Lieblingsstaudenmohn aufgeblüht: 'Patty's Plum', eine Erscheinung von einem Mohn, seltsamfarbig und wunderbar gedeckt, ich könnte ihn immerzu betrachten :-). Ich hoffe, eure Gärten machen euch im Moment auch so viel Freude!

27. Mai 2015

Wenn der Garten nicht nur uns gefällt

Man zeigt ja in Blogs gemeinhin eher die guten Dinge, die gelungenen Projekte, die sich-doch-besser-als-gedachte entwickelnde Pflanze, das neue Beet, für das man ewig gegraben und siebzehnmal herumgepflanzt hat, eine Blütenkombination, die man stundenlang anschauen möchte und auch sonst vorwiegend das Schöne, Erfreuliche.

Mit dieser Tradition möchte ich heute unfreiwillig brechen und der Anlass ist ein *bitte-hier-alle-widerlichen-Schimpfwörter-die-ihr-kennt* Reh. Es hat den kleinen Zweitgarten, der in einer Streuobstwiese liegt, schon öfter besucht und vor allem Geranium abgefressen, aber dieses Mal hat es drei Viertel aller Pflanzen in einer Nacht weggeknuspert. Offenbar haben wir den gleichen Staudengeschmack, denn alles, was ich mehrfach verwende, wie Phlox und Geranium, mag das Vieh besonders.

Persicaria amplexicaulis 'Firetail' ist zum Glück sehr robust, denn nicht viele Pflanzen würden so eine Radikalabfressung überhaupt überstehen. Das ist letztes Mal schon einmal passiert, daher weiß ich, dass diese robuste Staude damit umgehen kann.

Da der Garten sehr klein ist, etwa 200m² und der gesamte Obstgarten rundherum "geborgte Landschaft" ist und die Stimmung ganz wesentlich beeinflusst, haben wir keinen Zaun errichtet, nur um den Gemüsegarten. Man könnte sowas natürlich verhindern. Aber bisher war keine so systematische Zerstörung zu beobachten und leider habe ich kaum Vorher-Bilder, weil ich auf die Blüte der Storchschnäbel warten wollte.

Im Vordergrund wären eigentlich üppige Phloxe, das schöne rote Laub der Astilbe und links wäre ein Wasserdost, der allerdings ständig niedergefegt wird (als ob der Bock nicht anderswo kein Gestrüpp hätte).

Damit das alles nicht völlig sinnlos passiert ist - außer einem Reh eine große Freude zu machen - hier die Liste aller gefressenen und verschonten Stauden. Wer an Waldrändern gärtnert könnte sich hier Anregungen holen. Was mir seltsam vorkommt, ist die Liebe zu einheimischen Wildstauden - das ist zwar einerseits verständlich, andererseits müssten dann alle heimischen Vorkommen vernichtet sein, was aber nicht der Fall ist. Vielleicht schmecken sie einfach besser, wenn sie in Gärten stehen oder das Reh bevorzugt trockene Beine, denn es hat sich auf den Wegen im Garten bewegt und sich entlang davon delektiert.


Sedum 'Matrona' wird sich vermutlich nicht mehr regnerieren - außer vielleicht mit kleinen Blüten aus den Achseln, ich bin gespannt!

Valeriana alliariifolia ist ein hübscher Baldrian für den halbschatten, mit großen, herzförmigen Blättern. Das scheint auch dem Reh gut zu gefallen. Die Blüten hat es noch nicht erwischt, weil sie erst austreiben, aber ich vermute, auch sie werden nicht lange überleben.

Ganz besonders gerne mag das Reh Geranium. Es wartet, bis die Knospen fast aufgeblüht sind und dann frisst es entweder nur die Blüten  oder, wie bei Geranum x oxonianum und G. psilostemon, die ganze Pflanze ab.



Gefressene Stauden:
  • Astilbe chinensis 'Purpurlanze' (komplett)
  • Aster novia-angliae (Triebspitzen)
  • Astrantia major (Blütenknospen)
  • Bistorta amplexicaulis (die aufgeblühten Blüten)
  • Deinanthe caerulea (teilweise)
  • Filipendula venusta 'Rosea' (bis auf die ältesten Blätter alles)
  • Geranium, alle bis auf G. macrorrhizum (vollständig, Blüten, Knospen, Laub), damit insgesamt 15 Pflanzen
  • Lysimachia ciliata 'Firecracker' (Triebspitzen)
  • Peltoboykinia watanabei (teilweise)
  • Persicaria amplexicaulis (alles bis auf die Stängel, sehr gewissenhaft, auch bei den Sämlingen)
  • Phlox (Triebspitzen und große Blätter)
  • Pulsatilla vulgaris (schon im Frühling die Knospen) 
  • Sedum 'Matrona' (Knospen)
  • Valeriana alliariifolia (komplett)


Schattenbereiche mit Farnen mag es ganz offenbar nicht (vorne rechts fehlen Geranium)



Verschonte Stauden:
  • Alchemilla mollis
  • Allium purpureum
  • Dicentra spectabilis
  • Eupatorium purpureum (aber daran hat sich das nette Tier den Bast gefegt, also auch Totalschaden)
  • Euphorbia polychroma, E. dulcis 'Chamäleon
  • Farne (Adiantum pedatum, Dryopteris goldiana, Osmunda regalis,  Matteuccia struthioperis)
  • Foeniculum vulgare 'Rubrum'
  • Geranium macrorrhizum
  • Galega x hartlandii 'Alba'
  • Gillenia trifoliata 
  • Gräser: Carex, Hakonechloa, Miscanthus, Panicum, Pennisetum
  • Hemerocallis (aber dann, wenn die Blüten kommen... wer weiß)
  • Hosta
  • Iris sibirica, Iris-Hybriden
  • Knautia macedonica
  • Lunaria rediviva
  • Nepeta kubanica
  • Rodgersia podophylla
  • Polygonatum 'Weihenstephan'
  • Pulmonaria offcinalis
  • Sanguisorba-Hybriden
  • Saruma henryi

Also werde ich mich auf diese Stauden konzentrieren müssen...

Abwehrmaßnahmen wie aufgehängte Dinge, die funkeln, oder Duftspray oder Schaum, der abschreckend riechen soll oder auch Tierhaare funktionieren nicht, das habe ich in den letzten Jahren schon probiert - die Rehe hier sind an Menschen gewöhnt und lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen.

Es würde nur ein Zaun helfen und das ist mir für die kleine Fläche zu viel Aufwand und würde mich optisch stören. Ich kann nur froh sein, dass ich im großen Hauptgarten keine Rehe habe, so kann ich die besonders gefährdeten Pflanzen aussiedeln.

25. Mai 2015

Frühling anderswo (2/2) - Trockenwiesen entlang der Donau und im Leithagebirge

Das Burgenland gilt zwar immer als recht flach, aber das stimmt natürlich nicht. Die letzten Ausläufer der Alpen, halbhohe Hügel, die aber trotzdem felsdurchsetzt sind, säumen den westlichen Rand des Neusiedler Sees und bilden dort das Leithagebirge, über das der Rest von Österreich gerne mal milde lächelt.

Zumindest für biologisch Interessierte ist das aber kein bisschen angebracht, denn selbst wenn man dort keine Klettertouren unternehmen kann - die Flora ist ausgesprochen spannend, da in diesem sehr speziellen Lebensraum die Alpen auf die pannonische Tiefebene treffen, heiße, trockene Sommer auf kühle, windige Winter und so Wiesen entstehen konnten, die es im Rest des Landes nicht zu finden gibt.

Carduus nutans, eine wunderschöne Distelart, die bestimmt auch im Garten gut verwendbar wäre

Dictamnus albus, der Diptam, kommt an einigen Stellen im Leithagebirge in großer Anzahl vor.
Diese Staude ist in meinem Garten immer sehr heikel, wächst recht langsam und wird dazu noch von den Schnecken dezimiert. Hier, mit Ausblick über die Weingärten, ist es so trocken, dass kaum Schnecken unterwegs sind - klarer Fall, dass das im Garten nicht so gut klappen kann.
Dabei wäre der Diptam eine so wunderschöne Staude!

Phyteuma orbiculara / Orobanche gracilis, eine parasitär lebende Pflanze, die ihre Nährstoffe aus einer Wirtspflanze bezieht - in diesem Fall aus Schmetterlingsblütlern - und daher völlig ohne Blätter erscheint / Dictamnus albus

Euphorbia seguieriana, die auch in Kiesbeeten gerne gepflanzt wird

Österreichischer Lein wächst im gesamten pannonischen Raum häufig und oft in dichten Vorkommen - er ist eine dankbare Staude für Kiesbeete und sät sich, wenn es trocken ist, auch zuverlässig aus.
In den Pflanzengesellschaften des trockenen Leithagebirges hätte ich kein Mädesüß erwartet, aber an etwas feuchteren, der Sonne nicht direkt zugeneigten Stellen wächst Filipendula vulgaris und fällt mit seinen weißen Sternchen weithin auf.

Ornithogalum pannonicum, eine niedrige Milchsternart, die auf Trockenrasen in großen Mengen und beinahe bodendeckend vorkommt

Aufgrund des nahen Sees finden sich auf den Trockenwiesen immer wieder sich sonnende Libellen - hier ein Spitzenfleck
Früher Schilfjäger (die heißt wirklich so :-))

Salvia pratensis in Weiß / in Blau / Descurainia sophia

Immer wieder bieten sich Ausblicke, wie hier nach St. Margarethen

Weiter nördlich, direkt an der Donau, und damit nicht mehr im Burgenland, sondern schon in Niederösterreich, liegen der Braunsberg, die Hundsheimer Berge und der Hainburger Schlossberg. Man sieht dort in die geschichtsträchtige Hainburger Au, nach Bratislava und auch in die pannonische Tiefebene, an deren Rand die Hügel vom milderen Klima profitieren. All das begünstigt interessante Pflanzengesellschaften.


Die kurze Wanderung auf die Ruine der Hainburg lohnt sich
Im Wald unterhalb wachsen neben dem bekannten Polygonatum odoratum auch Polygonatum latifolium
In den Felsen daneben kann man die Samenstände von Scorzonera austriaca entdecken, einer frühblühenden, löwenzahnartigen Staude
Meine Lieblings-Annuelle habe ich auch gefunden: Orlaya grandiflora!

Am Braunsberg, der ein recht flaches Plateau aufweist und damit gute Bedingungen für eine ausgedehnte Wiesenlandschaft, sieht es wieder ganz anders aus.

Galium glaucum wächst dort in großer Zahl in den Wiesen
Campanula sibirica ssp. sibirica zwischen Federgras


Stachys recta subsp. recta / Globularia bisnagarica / Carduus nutans mit Federgras
Ranunculus illyricus
Vincetoxicum hirundinaria


Tephroseris integrifolia subsp. integrifolia

Veronica austriaca (vermutlich) / Reseda lutea / Verbascum pheoniceum

Verbascum phoeniceum in großer Zahl - ich war sehr beeindruckt!

Aussichtsplattform über die Donau un die Hainburger Au zur österreichischen Seite hin.

Wer sich für Pflanzen und vor allem für Stauden, die auch in unseren Gärten verwendet werden, interessiert, wird in den vorgestellten Regionen einige Tage etwas zum Entdecken haben. Wir waren sehr beeindruckt vom pflanzlichen Reichtum und können den Besuch des nördlichen Burgenlands und dem angrenzenden südlichen Niederösterreich weiterempfehlen - nicht nur der Pflanzen wegen :-).

Es ergaben sich viele Anregungen für Trockenpflanzungen und die Pflanzliste für ein künftiges Kiesbeet wächst und wächst!