15. Januar 2017

10 Pflanzen, die mir im Garten wichtig sind

Gleich mal vorweg: Unsere Gärten sind zwar alle verschieden groß, aber zum Glück doch meist so dimensioniert, dass mehr als zehn Pflanzen in ihnen Platz finden. Wer es clever anlegt, bringt sogar jede Menge mehr von ihnen unten - entweder verschiedene oder eben die gleichen, aber in größerer Anzahl. Wieviele Pflanzen in unserem Garten wachsen, habe ich schon lange aufgegeben, in Zahlen ausdrücken zu wollen. Verschiedene Pflanzen: weit über tausend. Einzelne Exemplare? Viele, viele tausend mehr. Daher ist eine Liste mit den zehn wichtigsten Pflanzen nur eine kleine Gedankenübung, nicht mehr. Denn für mich macht den Garten gerade die Vielfalt aus, die üppige Menge und das schöne Gefühl, dass immer noch etwas Platz hat; immerhin taucht ständig etwas Neues auf (und anderes verschwindet ja auch).

Die Liste mit den zehn Pflanzen ist also keine Beschränkung, sondern der Basisbaukasten, der für mich meinen Garten ausmacht. Diese 10 Pflanzen sind es auch, die ich sofort ansiedeln würde, wenn ich anderswo einen Garten anzulegen begänne (ich habe das auch wirklich so gemacht, aber leider sind Nr. 6 und 8 sofort von einer vereinten Schar aus Rehen, Mäusen, Schnecken und Feldhasen dezimiert worden. Es klappt halt nicht immer alles, selbst wenn es eine gute Idee ist).


1. Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)
Ohne Schneeglöckchen wäre der Frühling nur halb so schön. Weil sie schon rund um Weihnachten Lebenszeichen von sich geben, ist jeder Besuch im Garten und ein Befühlen ihrer Knospen ein Versicherung, dass bald das Gartenjahr startet. Und wenn sie dann erst blühen! Der größte Vorteil dieser kleinen, vermehrungsfreudigen Pflänzchen ist für mich ihr Vegetationsrhythmus: Durch ihr frühes Erscheinen können sie in allen, wirklich allen Beeten noch Platz finden und dort ausgedehnt üppige Bestände einnehmen, ohne dass man auf andere Pflanzen verzichten müsste. Dadurch ergeben sich schon im Februar volle Beete, etwas, worauf ich mich immer besonders freue.


2. Leberblümchen (Hepatica nobilis)
Mit dieser kleinen, farbenfrohen Staude tut man am Gehölzrand einen Glücksgriff: Hellblaue, weiße oder rosa Blüten erscheinen ab Ende Februar, gefolgt von ledrigen, wintergrünen Blättern, die meist den ganzen Sommer über sichtbar bleiben. Dazu robust, bei zusagendem Standort sich selbst aussäend: Kurz, die hübscheste Pflanze für alle, die besondere Wildstauden lieben.


3. Christrosen (Helleborus-Hybriden)
Zu Christrosen muss man nicht viel sagen: Keine Pflanze trägt Blüten wie eine andere, dazu reichliche Aussaat und wunderschöne, strukturbildende wintergrüne Blätter nach der Blüte: Kaum eine Staude ist das ganze Jahr über schön, die Christrose schafft das problemlos!


4. Goldwolfsmilch (Euphorbia polychroma)
Richtig kombiniert ist die grüngelbe Farbe Ende April, Anfang Mai in den Beeten ein willkommener Farbtupfer. Aus den lockeren Blüten können Viridiflora-Tulpen auftauchen oder man stellt ihnen dunkles Laub, wie hier von rotblättrigem Wiesenkerbel, zur Seite. Nach der Blüte bildet die Wolfsmilch einen Blattbusch, der bis in den Winter hinein grün bleibt.


5. Mondviole (Lunaria rediviva)
Meine persönliche Lieblingspflanze ist Lunaria rediviva, die "immerlebende Mondviole", also eine ausdauernde, mehrere Jahrzehnte alt werdende Version des Silberpfennings - die so unbeschreiblich gut duftet, dass ich bisher kaum Sämlinge gejätet habe, was auch nicht die beste Idee ist - sie werden nämlich riesig! Sie wächst selbst im trockensten Schatten und bleibt auch nach der Blüte Anfang Mai ein ansehnlicher Blattbusch, zusätzlich zieren im Herbst Samen.


6. Lichtnelke (Silene dioica)
Wie die Pflanze davor eine heimische Staude, die in Wiesen öfter zu finden ist. Holt man sie per Samen ins Staudenbeet, bildet sie ausladene Büsche mit einer Vielzahl an rosa Blüten, die schon Ende April bis zu einen Meter hoch werden. Diese Menge an Blüten so früh im Jahr macht sie zu einer sehr wertvollen Staude, die sich leicht jäten und auch wieder ansiedeln lässt. Definitiv beetwürdig!


7. Salomonssiegel (Polygonatum x hybridum 'Weihenstephan')
Wer im Schatten gärtnert, wird seine Vorzüge bereits kennen: Dieser Salomonssiegel wächst straff und stabil aufrecht, trägt symmetrisch angeordnete Blätter und kleine Blüten, die an Maiglöckchen erinnern. Bis zur phänomentalen Herbstfärbung bleiben die Stängel im Hintergrund stehen, senken sich leicht über andere Stauden und geben einem Schattenbeete Tiefe und Struktur nach oben.


8. Staudenknöterich (Persicaria amplexicaulis)
Eine der am häufigsten in unserem Garten verwendeten Stauden ist der Knöterich. Er ist für Insekten interessant, blüht von Juli bis zum Frost, hat eine angenehme, aber doch imposante Größe und kann aufgrund seiner halbrunden Wuchsform perfekt zwischen Vorder- und Hintergrund eines Beetes vermitteln oder sogar selbst die schwierige Rolle an der Beetkante übernehmen. Dazu blüht er in einem herrlichen Rot, da sich leicht kombinieren lässt! Ich könnte überall einen hinpflanzen!


9. Wasserdost (Eupatorium purpureum)
Ähnlich geht es mir mit dem Wasserdost. Aufgrund seiner Größe ist es aber nur bedingt empfehlenswert, ihn überall zu verwenden, wo man ihn gern hätte, denn zwei Meter Höhe schafft er locker und auf jedem Standort. Dafür nährt er Bienen, schaut den ganzen Winter über schön aus und dominiert von Juli bis zum Rückschnitt eine Rabatte. Zusammen mit Gräsern, Phlox und Knöterich genug, um ein Beet zu füllen!


10. Astern (wenn ein genauere Einschränkung, dann Aster novae-angliae)
Tja, was wäre der Herbst ohne Astern! Ihre vielen Sorten begeistern die Insekten und mich, es gibt kleine und mittelgroße Arten, meine Begeisterung gehört aber den riesigen, eigenartig duftenden Raublattastern, die überbordend blühen und Beete in kitschiges Bunt tauchen!

So, und nun am Ende schaffe ich es nicht ohne einer inoffiziellen Reihung Nennung einiger weiterer Favoriten: Kein Garten ohne Gräser, Farne, Storchschnäbel (!), Cyclamen, Mohn, Iris und Katzenminzen, Salbei, Hesperis und Bronzefenchel. Und Lathyrus vernus, Corydalis cava und Tulpen! Es ist ein Glück, dass ich mich nie auf nur 10 Pflanzen festlegen muss!

Nachdem ich mir nun den Kopf zerbrochen und die Liste mehrfach geändert habe, interessiert mich natürlich nun eure Auswahl: Was sind eure Lieblingspflanzen für den Garten, ohne welchen würdet ihr nie einen Garten anlegen?

1. Januar 2017

Rückblick und Vorschau - ein neues Gartenjahr beginnt

Ein paar frostige Eindrücke aus den vergangen Wochen,
in denen es fast jeden Morgen Frost gegeben hat:
Geranium sanguineum, Leucanthemella serotina, Dryopteris
filix-mas, mir unbekannter Doldenblütler, Digitalis
ferruginea, Perovskia atriplicifolia, Dryopteros filix-mas,
Salvia officinalis und die Blätter von Globularia
nudicaule im Kiesgarten.

(zusammengebaut mit dem Collageprogramm von Instagram)
Im Vergleich zu den Vorjahren eher kalt ging das letzte Gartenjahr zuende. Wer wollte, konnte problemlos bis weit in den Winter hinein draußen aktiv sein, denn wie schon öfter fiel hier im Dezember kein Schnee. Die kalten Nachttemperaturen haben die Vegetation aber stark gebremst, sodass man nur bei genauem Hinschauen und Kenntnis der Stellen schon Wachstum bemerken kann. Und auch wenn die Schneeglöckchen wie immer schon warten  - sie sind so tief in Boden und Mulch verborgen, dass ihnen die kommende Kälte nichts anhaben wird, selbst wenn es nicht so viel schneien sollte (aber noch sieht es so aus, als ob man sich da keine Sorgen machen müsste).

Wie ist euer Gartenjahr verlaufen? Hier bot ein sehr früher und langer Frühling beste Gartenbedingungen, die Frühlingsblüher waren schon im Februar allesamt in Blüte und im März war es grün und üppig wie normalerweise erst im April. Danach wurde es wieder kühl und eine unangenehm kalte Periode in den letzten Apriltagen versetzte die früh ausgetriebenen Schattenstauden und mich in unnötigen Stress.

Danach war es lange feucht und kühl, was in der Erinnerung ein eher trübes, kaltes Frühjahr entstehen ließ und auch der Sommer ist in der kollektiven Meinung nicht gerade sonnig ausgefallen, dabei war er ungewöhnlich warm, wenngleich ohne imposanter Hitzewellen wie im Sommer 2015, aber wer Tomaten und Chilis gezogen hat, wird heuer Rekordernten verzeichnet haben: Die warmen Nachttemperaturen und nur wenige kühle Tage Mitte Juli und einmal Mitte August machten das möglich.

Voriges Jahr war es schon Anfang Februar soweit - ob
es heuer auch in fünf Wochen schon so aussieht? Man kann
es sich kaum vorstellen! 

(zusammengebaut mit dem Collageprogramm von Instagram)

Der Herbst präsentierte sich sonnig und warm, mit langen Schönwetterphasen von September bis Oktober - und ab Mitte November dann mit ersten Nachtfrösten und sehr kalten, aber eben schneelosen Wochen bis zum Jahreswechsel. Für die Pflanzen war das Wetter bis auf den kalten Ausrutscher im Frühling ein gutes, besonders der Sommer bot beste Wachs- und Wuchertemperaturen, was leider auch der Vermehrung der Schnecken zuträglich war.

Unsere Arbeiten im Garten gestalteten sich heuer weniger offensichtlich wie im vergangenen Sommer, als Glashaus und Schotterbeet den Garten wochenlang in eine Baustellen verwandelt hatten. Dafür war heuer Zeit für Pflegemaßnahmen: In einigen Beeten habe ich Bereiche völlig neu gestaltet oder neu gepflanzt, sehr intensiv gejätet (diese Winde und dieser Giersch!) und dann natürlich das Kiesbeet bewundert, was auch durch die vielen Fotos davon hier am Blog deutlich wurde.

Schon im März war es 2016 im Garten flächendeckend grün.
Dentaria glanduligera, Helleborus, Epimedium, Euphorbia
dulcis 'Chamäleon', Helleborusblütensammlung, Anemone
blanda, Pachyphragma macrophylla, Schattenbeete und
Isopyron thalictroides.

Für das kommende Jahr gibt es natürlich auch schon wieder Pläne. Noch im Spätherbst haben wir ein schon altes und sehr verwachsendes Beet gerodet und freigejätet, um Platz für eine große Wildbienen-Nisthilfe zu haben. Diese entsteht gerade und wird natürlich um eine naturfreundliche, auch fürs uns Menschen schöne Bepflanzung ergänzt werden. Darüber hinaus wir der Kompostplatz etwas strukturierter angelegt und das eine oder andere Beet sollte noch von Giersch befreit werden. Sobald es in den nächsten Wochen möglich sein wird, steht der Rückschnitt jener Beete an, die dicht mit Frühblühern bewachsen sind - damit sie später nicht zertreten werden.

Und dann erscheinen im Frühling noch zwei neue Gartenbücher von mir - ich werde sie hier vorstellen, sobald es soweit ist und freue mich selber schon sehr darauf!


Ich wünsche euch ein gutes neues Jahr, viele neue Ideen, Platz und Zeit, sie umzusetzen und vor allem auch genug Momente, um zu genießen, was ohnehin schon schön gelungen ist. Davon gibt es in jedem Garten nämlich eine ganze Menge, aber ich grabe auch lieber um, als mit etwas vollends zufrieden zu sein :-)

16. Dezember 2016

Dezember ohne Schnee

Auch wenn wir im Winter immer an Schnee denken, so ist doch die Zeitspanne ohne Schnee die längere Zeit im Winterhalbjahr. Es lohnt also - und auch nahe der Alpen und nicht nur in Meeresnähe - sich mit dem Gedanken des schneelosen Winters anzufreunden und zu schauen, was der Garten nun so an Schönem bietet. Sehr schön sind ganz zweifellos die vielen Geophyten, die schon überall zu entdecken sind, aber die können wir im Frühling noch lange genug bestaunen. Mir geht es heute um Strukturen, die auch jetzt noch an üppige Beete erinnern und für sich und alleine schön sind, ohne Verweis auf den Frühling.

Dazu gehören mal ganz sicher die Astern. Ihre Blütenkelche glänzen bei einigen Arten wunderbar silbern, was im morgendlichen Licht, bevor die Sonne kommt, ganz besonders wirkt (hier eine namenlose Aster-dumosus-Sorte).

Für die Gestaltung interessant ist auch die silberne Struktur der Blauraute. Sie ist so hell, dass sie im Kontrast mit den schwarzen Blütenknöpfen von Rudbeckia und gelbem Winterstängeln von Molinia eine eigene, winterliche Gestaltungsecke wert wäre. Das ist aber nicht meine Idee, ich habe Bilder von so einer Pflanzung gefunden, und zwar auf der Seite des Blogs von The New Perennialist, wo die Fotos aus einer gemeinsamen Facebookgruppe präsentiert werden. Das erwähnte Foto befindet sich ein Stück weiter unten, aber auch der Rest des Artikels ist absolut sehens- und bestaunenswert!

Nicht-wintergrüne Farne sind ja eher nicht so die empfohlenen Winterstauden, sie neigen zum Gammeln, Vergilben und In-Einzelteilen-matschig-Herumliegen - aber eigentlich sind sie schon auch ganz schön, vor allem, wenn sie der Raureif erwischt hat.

Hier sind die Beete schon etwas gelichtet, weil ich einiges gerodet und neu gepflanzt habe, weil zuviele Winden in den Beeten waren. Ein paar Gräser und Sedum halten die Beete noch in Form.

Wunderbar aufrecht steht im Kiesbeet noch immer Achnatherum calamagrostis. Normalerweise flundert es in den Beeten herum, sobald es höher als 80cm ist, hier aber steht es straff aufrecht, wiegt sich im Wind, trägt Eiskristalle, taut wieder auf und macht mir Freude, wann immer ich es sehe.

Und hier bin ich schon sehr gespannt: Von einem lieben Gartenfreund habe ich einige Pflanzen von Digitalis ferruginea erhalten, die wunderbar bernsteinfarben blühen - von den dekorativen, äußerst sehenswerten Winterrosetten habe ich noch nie etwas gesehen oder gelesen, dabei sitzen sie bei Frost wie leuchtende Seesterne in den Beeten und ich könnte sie immerzu anstarren. Hoffentlich blühen die Biester auch alle, damit ich genug eigene Sämlinge für den nächsten Winter habe!

4. Dezember 2016

Raureif

Gärten sind im Winter und Herbst sehenswert, aber ein Nachteil ist nicht von der Hand zu weisen: Sie ändern sich eher langsam, sodass die Eindrücke über Wochen die gleichen bleiben, zumindest, sobald die Herbstfärbung vorbei ist. Eine großartige Abwechslung bietet da Reif, der in unterschiedlichster Stärke für neue Eindrücke sorgt, vorher Übersehenes ins Blickfeld holt und alten Ensembles neuen Kontrast verleiht. Heute war es wieder soweit: Neben letzten Resten der Herbstfärbung, wie den dunkelgoldenen Stängeln von Miscanthus, erschienen einige Reste im Kontakt mit den weißen, dieses Mal außergewöhnlich großen Kristallen ganz schwarz, während letzte Blätter gelb hervorleuchteten. Danke an meinen Papa, der einige der Bilder schon am Vormittag aufgenommen hat!

Am Teich dominieren die Gräser (Miscanthus und Molinia). Der Raureif betont ihre Samenstände sehr vorteilhaft!

In den Beeten gegenüber verstärken sich die Strukturen: Besonders Gräser und aufrechte Stauden stehen in reizvollem Kontrast.

Am Morgen war auch der Rasen noch voll Reif. Die welken Blätter des Phlox bieten unerwartete Farbe.

Die von mir ungeliebte und von selbst aufgetauchte Stockrose versöhnt mich mit ihrer Wintererscheinung; allerdings werden überall Sämlinge auftauchen, das sind die hübschen Knöpfchen auf Schnur aber wert.

Die Durchgänge im Gemüse- und Nutzgartenbereich sind um diese Jahreszeit bei Reif wie eine leuchtende, glitzernde Laube.

Auch ohne Sonne wirkt der Raureif gut, hier hängen Girlanden von Boehmeria-Samenständen über den immer noch sehr farbigen Schattenbeeten. Erstaunlich, dort dauert das Gartenjahr am längsten und lebt auch als erstes wieder los!

Dem steht das Schotterbeet um nichts nach. Es wird diesen Monat in der Gartenpraxis in einem Artikel von mir vorgestellt und leider gab es keinen so frühen Raureif, dass noch Bilder davon ins Heft gelangen konnten. Hier sieht man die hübschen Gegensätze zwischen Deschampsia und dem rundohrigem Laub des Bartfadens.

Die wunderbar linear aufrechten Stängel von Scabiosa ochroleuca erleben im Winter einen zweiten Sommer, unerwartet schön auch die Vergesellschaftung mit Calamintha nepeta (rechts dahinter). Leider haben die Scabiosen kaum Basaltriebe gebildet, weshalb ihr Fortbestehen eher unwahrscheinlich ist - das passiert manchmal und könnte durch Rückschnitt verhindert werden, aber dann beraubt man sich dieses schönen Anblicks... vielleicht pflanze ich welche nach.

Hier Calamintha im Detail - den ganzen Sommer über schon so schön und jetzt erst!

Ganz ähnlich und daher unbedingt empfehlenswert: Teucrium lucidrys.

Alles in allem ist das Kiesbeet auch mitten im Winter eine Freude!

Ganz besonders hervorzuheben ist schon wieder Achnatherum calamagrostis. Bei magerem Stand ist dieses Gras vom frühen Austrieb im April/Mai bis jetzt ein großartiger, geordneter Anblick.

Die unterschiedlichen Wuchsformen haben es mir angetan. Wenn es öfter Raureif gäbe, könnte man sich nur dafür Konstellationen ausdenken, die besonders gut miteinander harmonieren.

Ein toller Tipp ist da Aster 'Purple Dome'. Diese hübsche Pflanze behält ihre gefällige Form sehr lange und kann inmitten einzelner Stängel für Ruhe und Struktur sorgen.

Genauso verhält es sich mit Kalimeris incisa 'Madiva' - im Sommer schön, im Herbst lange standfest und im Winter überfrorene Köpfchen. Manche Stauden sind das ganze Jahr über sehenswert und daher besonders wertvoll, wenn man nur wenig Platz hat und sich entscheiden muss!

18. November 2016

All der Dreck... und nur zur Freude?

Gärtnern ist ein angesehenes Hobby, in Jahreszeiten, wo es grünt und blüht. Kaum kriechen die ersten Blüten aus dem Boden, entdecken viele Leute ihre Liebe fürs Botanische und solidarisieren sich, indem sie mich fragen, ob es bei mir auch schon etwas zu sehen gäbe. Das finde ich nett und erzähle, wie lange es hier schon bunt ist und was alles erscheint und wie viele Kubikmeter Schnittgut ich schon gehäckselt habe, was ich noch vorhabe und wo ich bald das nächste Beet renovieren, von Winden befreien oder sogar komplett neu anlegen werde - aber schon hier wird es den meisten zu viel, die Realität in Form von Erde in den Haaren, Schweiß und Anstrengung überlagert ihre Freude an den Blüten und sie sind froh, selber "nur ein paar Schneeglöckchen" zu haben.

Boehmeria tricuspis im Schatten

Schlimmer noch ist es jetzt im Herbst. Smalltalk mit der Gartenfrau startet im Herbst stets mit der Einwinterungsfrage: "Und, schon alles winterfest?" Mein Stirnrunzeln und das Reden von "Verblühtem" und "schön" in einem Satz und "welk" und "Raureif" und "Stehenlassen" und "Schnitt im Frühling" verwirrt die meisten; manchmal überfordere ich meine Gegenüber offenbar auch, wenn ich von Laub zu schwärmen beginne und von Kompost. Bestimmt lächeln sie nur mir zuliebe und geben ihrem inneren Ich High-Five, weil sie sich so einen Murks nicht antun müssen - manchmal schimmert sowas durch, bei aller Freundlichkeit und positiver Ökobeteuerung.


Eupatorium maculatum 'Bartered Bride' und Rudbeckia nitida 'Herbstsonne'

Nun ist es natürlich schon spannend, warum ich das alles wirklich so gerne mache. Denn das tue ich, und nicht nur saisonal - wenn ich jetzt die im Gegenlicht leuchtenden Samenstände sehe, dann rede ich sie mir nicht schön, weil das einfacher ist, als sie roden zu wollen und nicht zu können, weil alles so matschig ist, dass man beim Versuch im Boden steckenbleiben würde - nein, ich finde sie wirklich schön, im besten Sinne, ich bekomme sogar regelmäßig dieses Herzklopfen-Gefühl, wenn mir etwas so gut gefällt, dass ich ganz, ganz stark hoffe, dass auch die Fotos danach aussehen werden. Im Frühling etwa, wenn die ersten Blüten erscheinen, knipse ich immer wie irre und freue mich so sehr, dass ich das Gefühl habe, unbedingt allen zeigen zu müssen, was mir so gefällt.

Boehmeria platanifolia

Leider zeigen die Bilder dann oft gnadenlos die Realität: Vier zerknautschte, weiße Blüten in einem riesigen, leeren Beet. Niemanden reißt sowas vom Hocker, das muss ich dann sogar selbst zugeben - und auch Leute, die ich dann in den Garten schleife, weils mit den Fotos ja nicht klappt, sind dann meist etwas irritiert. Nur wirkliche Gartenfreaks, und zum Glück kenne ich einige davon, sind auch im Winter für den Garten zu begeistern. Für alle, die Blumen grad so mögen und gerne draußen sind, mag es absurd erscheinen, wie jemand im Dezember stundenlang Zeit in den Beeten verbringen kann - aber das geht, sehr leicht sogar. Man sieht ja immerhin, was wo wächst und kann sich denken, wie es dort im Sommer aussieht. Gartenleute haben nur Probleme mit völlig leeren Gärten - gib ihnen ein zermatschtes Beet, schon blüht und summt es vor ihrem inneren Auge.

Miscanthus '´Federweißer', Molina 'Transparent' und Aster novae-angliae 'Herbstsonne'

Genau deshalb mag ich meine welken Beete so sehr - es ist halt manchmal eine etwas einsame Freude. Und natürlich ist der Winter nicht meine liebste Zeit im Jahr, wohl aber der Frühling, der direkt danach kommt - und der wäre nur halb so schön, wenn man nicht doch einige Zeit auf ihn warten müsste. Ich wintere den Garten also nicht ein, sondern warte in ihm werkend und herumgrabend darauf, dass wieder etwas blüht. Deshalb schneide ich die Beete auch erst im Februar oder März runter und im Idealfall gibt es gleich danach Blüten, und die eingelegten Zwiebelpflanzen treiben aus und die Schneeglöckchen sind zum Teilen und es muss gehäckselt werden und so weiter. Darauf freue ich mich schon. Vermutlich also mag ich den Garten, weil es immer, immer weitergeht, weil immer etwas Neues erscheint und man sich niemals verlassen kann, dass es wieder so aussieht wie vor einem Jahr; meist schaut es anders aus, aber schöner und wenn nicht, dann gräbt man um.

Denn im Garten kann man ändern, was stört und man kann ausreißen, was wegsoll - oder hoffen, dass es im Frühling dann gar nicht mehr stört. Und vor allem kann man planen, Idee verwerfen, Überlegungen anstellen, diese dann umsetzen und dann kann man wieder planen. Eigentlich also, ist es dann am schönsten, wenn man gerade gestaltet - und dazu ist im Winterhalbjahr genug Zeit. Daher: Kein Einwintern, sondern sich selbst einpacken und los gehts! Keine Blüten lenken ab, kein Trieb kann zertreten werden und sobald man gräbt, ist jede Jahreszeit vergessen. Denn das eigentliche Problem des Winters ist nicht seine Blütenlosigkeit, sondern die Tatsache, dass der Garten uns, nach Unmengen an Laub innerhalb weniger Wochen, nun keine mehr Arbeit aufdrängt; kein Wunder, dass niemand diese Jahreszeit mag. Aber niemand hält uns auf, kreativ zu sein. Solange der Boden nicht gefroren ist, kann überall gegraben werden, wo man selber grade möchte. Der Frühling kommt früh genug ;-).

Eupatorium Vernonia, Molinia, Leucanthemella

Falls jemandem im Winter doch fad werden sollte: Man findet mich jetzt auf Instagram - und ich freue mich, euch auch dort zu begegnen!

24. Oktober 2016

Herbstfärbung und späte Blüten

Nur weil es Herbst ist, muss es im Garten noch lange nicht langweilig sein. Einige Stauden sind gerade jetzt erst in Blüte gegangen, andere begeistern mit ungewöhnlicher Herbstfärbung oder interessanten Überresten. Wie im Frühling muss man nun etwas genauer hinschauen: Dann entdeckt man täglich etwas Neues.

Rabdosia effusa, auch unter Isodon effusus im Handel, ist eine unkomplizierte Staude für den Halbschatten, die nach spätem Austrieb den ganzen Sommer auf die spätherbstliche Blüte hinarbeitet. Man sollte sie daher so pflanzen, dass man auch wirklich in den Genuss dieser hübschen, flirrend-winzigen, blauen Blütchen kommt.

Im Bienen-Stauden-Beet sind noch immer viele Blüten zu finden. Mich begeistert vor allem die hellrosa Chrysantheme 'Hebe', die es geschafft hat, mich für Chrysanthemen im Allgemeinen zu interessieren - was es da vielleicht schöne Sorten gibt! Und bei weitem nicht alle sind bommelig-voll, es gibt einige, die wie aus der Jahreszeit gefallene Margeriten leuchten und in vielen Beeten gute Figur machen würden. Was auch noch schön anzusehen ist, sind die Staudenknöterich-Sorten, hier der rote 'J.S. Caliente' und der weiße 'Fat White' - und mein weißer Borretsch!

Im alten Kiesbeet am Haus verwischen jetzt verdorrte Gräser, gilbende Euphorbien, weiße Wucherastern und Samenstände von Cephalaria gigantea zu einem schönen Herbstensemble. Ich mag diese erdigen Farben, die glitzernden Reste der Gräserblüten und das dunkle Braun von Spodiopogon sibiricus, einem robusten Gras - aber ich muss schnell sein, weil Mama meist um diese Zeit im Jahr alles wegschneidet, was "nicht mehr schön ist" ;-).

Die Wildrosen tragen viele kleine Hagebutten, die den Winter über leuchten.

Im Schatten erscheinen nun nach und nach die Frühlingscyclamen - jedes Jahr sind neue Sämlinge dabei, die wieder ganz anders aussehen als die Mutterpflanzen.

Im Beet unterm Apfelbaum kehrt nun langsam Ruhe ein. Die Boehmeria- und Polygonatum-Gruppen haben dieses Jahr als erste eingefärbt.

Gegenüber schaut es noch geordnet aus. Die silbernen Samenstände der Mondviole leuchten im Abendlicht, davor sorgt ein schon altes Exemplar des grünen Japanwaldgrases für Ruhe im Bild. Rechts blüht eine Rudbeckia triloba seit Wochen unermüdlich. Sie hat sich dort ausgesät und ich hätte nicht gedacht, dass sie sich im Schatten so gut entwickelt.

Am Teich blüht nun Chinaschilf, Hosta 'Sum and Substance' ist schon in den Herbst gegangen und am Staudenknöterich leuchtet die zweite Generation Blüten, die jedes Jahr von der Mitte her erscheint, sobald es im Herbst kühler wird.

Wer spät im Jahr noch farbige Beete haben möchte, muss Rudbeckia triloba mit Astern und späten Goldruten, wie etwa 'Fireworks' kombinieren - so bleibt es bunt bis zum Frost.