18. Januar 2015

Beispiele für wintergrüne Stauden (1) - oder: Wenig Neues Mitte Jänner

Wie versprochen mein Versuch, wintergrüne Stauden ansprechend zu präsentieren. Leider hat mir das Wetter in mehrerlei Hinsicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht nur, dass es einfach nicht richtig hell werden wollte, der Schnee hat auch ziemlich viel zerquetscht und etliches, das rund um Weihnachten noch hinreißen aussah, liegt jetzt der Länge nach da und sollte eigentlich besser abgeschnitten werden. Trotzdem: So sieht der Garten nunmal aus und wer genau hinschaut, findet schon jede Menge Hinweise auf das neue Gartenjahr!

Cyclamen coum, die Frühlingszyklamen, stehen schon in den Startlöchern. Die eine oder andere Blüte schaut schon raus, viele, viele weitere warten unter den Bkättern und dem Mulch auf warme Tage. Weil die Cyclamen ihr Laub nach der Sommerruhe neu getrieben haben, sieht es den ganzen Winter über schön aus, ungerührt von Schnee und Wind. Die vielen kleinen Blättchen gehören zu Sämlingen, die ich demnächst pikieren werde, damit auch sie die Chance haben, zu einer schönen großen Pflanze zu werden.
Seggen, wie hier die robuste Carex morrowii ssp. foliosissima 'Icedance' sind für schattige Partien äußerst empfehlenswert, weil sie den ihnen zugedachten Platz schnell einnehmen und das ganze Jahr über halten. Kaum eine Pflanze sieht das ganze Jahr so adrett aus!
Eher unbekannt, weil weder mit großen Blüten noch besonders auffälligen Blättern ausgestattet ist Tellima grandiflora. Die Pflanze ist jedoch robust, deckt den Boden mit kurzen, liegenden Trieben und färbt im Winter hübsch auf Purpur um. Wenn ich dran denke, pflanze ich ein Exemplar an einen prominenteren Platz und vergesellschafte es mit schönen Partnern. Die Blüten im Frühling sind ganz zart und fein und bringen ein hübsches Flirren in die Schattenbeete.
Elfenblumen (Epimedium) sind fast alle im Winter grün oder bekommen rotes, gelbes oder fast schwarzes Laub. In größeren Mengen eingesetzt ermöglichen sie eine erstaunliche Fernwirkung.

In der Sonne ist es im Moment die Nieswurz, Helleborus foetidus, die Grün ins Welke bringt. Sie beginnt demnächst mit ihrer Blüte und wird damit die erste Nahrung des Gartenjahrs für viele Insekten bieten. Daneben auch noch grün ist eine Wolfsmilch, nämlich Euphorbia amygdaloides 'Purpurea', die auch im Winterhalbjahr ihre namensgebende Färbung behält.
Wer genau schaut, kann die einen oder anderen Schneeglöckchen sehen, die jetzt schon ihr Glück versuchen. Bei mir sind es eine kleine Gruppe sehr gut selbstversäender Galanthus, die jetzt schon blühen. Die üblichen anderen, die kleine Tuffs bilden, sind noch deutlicher weiter zurück, manche schauen erst mit den Blattspitzen aus dem Boden. Warum die hier schneller sind, weiß ich nicht - aber ich habe mich gefreut, als ich sie heute entdeckt habe.



Der Blick über die Schattenbeete zeigt: Grün ist noch vieles und von leer kann keine Rede sein. Hier sind es vor allem Helleborus mit ihrem unverwüstlichen Laub, das stets bis zum Frühling ansehnlich aussieht, daneben ein Teppich aus Schaumblüte (Tiarella cordifolia) und im Hintergrund eine größere Gruppe Vinca major, dem großen Immergrün. Es hat nicht nur schön grüne, aufrechte Triebe und einen gesegneten Ausbreitungsdrang, sondern auch wunderschön samtig-violette Blüten, die im Spätfrühling erscheinen. Deshalb darf es bleiben - und gerne größere Flächen bedecken. Vor sanften Schattenzwergen sollte man es aber fernhalten :-)

Viel Freude in den letzten Winterwochen! Genießt die Zeit, denn wenn es so weitergeht, werden wir bald mit der üblichen Frühingsarbeit loslegen können (und ich hoffe so sehr, ich täusche mich und schneit noch ein...).

10. Januar 2015

Eindrücke vom (kurzen) Winter

Nicht mehr ganz aktuell, aber wer weiß, ob sie das diesen Winter jemals wieder werden, sind die Bilder vom Anfang des Jahres. Wir hatten fast 40cm Pulverschnee, der so fein und unklebrig gefallen ist, dass keine Stauden geknickt, sondern sich wie eine Decke zwischen sie gelegt hat. In Verbindung mit der Sonne hat das ganz zauberhafte Effekte ergeben, die von Papa in aller Frühe eingefangen werden konnten (vielen Dank dafür!). Sie sind ein weiterer Stein in meiner Sammlung der Argumente, die für einen Rückschnitt erst im Frühling sprechen.

Klarerweise habe auch ich im Herbst einen Rückschnittdurchgang duchgeführt und all das zurückgenommen, das schlapp und hässlich in den Beeten herumgelegen ist. Zurück blieben alle stabilen, straff aufrechten Stauden, die auch als Strukturgeber taugen und ohne Probleme bis zum Frühling durchhalten.


Dieses tolle Gras ist einfach so im Beet aufgetaucht. Ich konnte mir seine Herkunft nie ganz erklären, bis ein kundiger Besucher diesen Sommer auf mein Achselzucken zum Namen die klärende Frage stellte: Ob ich denn irgendwo Schilf hätte? Na klar habe ich, im Teich - und wenn Schilf keinen Teich hat, bleibt es klein und gedrungen, wächst ganz geziemt und bildet im Beet das ganze Jahr über einen Blickfang. Gut, dass es sich ausgesät hat - auf die Idee, Schilf in Beeten zu verwenden, wäre ich nämlich im Leben nicht gekommen.

Reste von Helenium, Agastachen, Phlox und Artemisia abrotanum - hohe Stauden sind ein halbes Jahr lang für den 3D-Effekt im Garten verantwortlich. Die paar Sämlinge, die dafür auch auftauchen, verkrafte ich - und topfe sie, verschenke oder verpflanze sie an Stellen im Garten, wo noch keine Agastachen wachsen.

Wer würde denn bei so einem Anblick noch ein leeres Beet haben wollen? Leucanthemellas verlieren ihre Blüten nicht, sondern diese verwelken zu kleinen Mini-Abbildern ihrer selbst, die wie kleine braune Winterblüten in der Sonne leuchten. Dazu die Knöpfe der Monarden und im Hintergrund die Blütenstände der Molinias, die wie kleine Perlenschnüre im Licht glitzern.

Molinia arundinacea 'Transparent' wird immer eine goldbraune Herbstfärbung nachgesagt - wohl wahr, sie bleibt sogar bis in den Frühling hinein bestehen, was in einer farbarmen Umgebung wie Tiefschnee natürlich besonders schön wirkt.

Agastachen, Reste von Phlox und die kleinen schwarzen Blütenknöpfe von Kalimeris incisa 'Madiva' - Sommerastern sind wahre Helden im Staudenbeet, ohne jegliche Pflege, Rückschnitt, Anbinden oder sonstiges zieren sie von der Blüte im Juni bis zum Rückschnitt im Spätwinter; welche Staude kann das schon 9 Monate von sich behaupten?


Nochmal das Schilf, weil es gar so schön ist :-)

Und als Abschluss Deschampsia flexuosa (vermutlich), dessen Blattschopf sich als Hügel unterm Schnee abzeichnet.

3. Januar 2015

Wintergrüne Stauden

Stauden, deren Blattwerk so robust ist, dass es den Winter über nicht erfriert, welkt und verschwindet, stellen eine kleine Besonderheit dar - denn eigentlich definieren sich Stauden dadurch, dass eben gerade diese oberirdischen Teile abfrieren und sie jeden Frühling von Neuem loswachsen müssen. So tun das auch die meisten: Sie treiben im Frühling aus und welken vor dem Winter - manche schon sehr früh, gleich nach der Blüte im Frühling, andere im Laufe des Sommers und einige erst sehr spät, am Beginn der neuen Vegetationsperiode. Diese betreiben mit ihrem Laub auch in der kalten Jahreszeit Photosynthese und viele von ihnen - aber nicht alle! - nützen diesen Vorteil für eine frühe Blüte.

Für die Verwendung im Garten sind diese Pflanzen natürlich sehr interessant, denn sie ermöglichen uns, auch in der vegetationsarmen Winterzeit - die in vielen Regionen Mitteleuropas von November bis März reicht und damit fast ein halbes Jahr einnimmt - zu gestalten und keine leeren Beete betrachten zu müssen.


Im Schatten wachsen Elfenblumen (Epimedium) zusammen mit Leberblümchen (Hepatica transsilvanica).

 Naturgemäß wachsen die meisten wintergrünen Stauden im Schatten. Das ist kein Zufall, sondern Folge von geschickter Anpassung: Denn nichts ist für eine wintergrüne Stauden problematischer als Sonne, die ihre Blätter zur Verdunstung von Feuchtigkeit zwingt. Dadurch müssen die Pflanzen auch im Winter Wasser aus dem Untergrund ziehen, was bei gefrorenem Boden unmöglich ist; die Pflanzen vertrocknen. Im Schatten, selbst wenn Laubbäume im Winter lichtdurchlässiger sind, ist diese Gefahr geringer, auch wegen des Falllaubs, das einen Teil der Blätter überdeckt.

Wintergrüne Stauden in der Sonne sind meist graulaubig und haben Blätter mit fester Struktur, die nicht so leicht welken, z.B. Polsternelken (Dianthus), manche Schwertlilien (Iris), Wolfsmilcharten (Euphorbien) oder etliche Steingartenstauden und alpine Gewächse. Ausnahmen sind Bergenien, die bei Wintersonne mit Frost  aber auch mal schlapp daliegen (und sich dann wieder erholen) und einige kurzlebige Stauden wie Lichtnelken (Silene dioica), die es einfach riskieren, manche Winter nicht zu überleben, da ihr Fortbestand durch Samen im Boden ohnehin gesichert ist.


Schlangenbart (Ophiopogon) mit Cyclamen und Segge (Carex), die Hosta daneben ist schon eingezogen.


Robuste wintergrüne Stauden für den Schatten sind folgende
  • etliche Gräser, besonders aus der Gattung Carex (z.B. 'Snowline', oder C. pendula), auch Luzula sylvatica
  • viele Farne (Polystichum setiferum, Asplenium scolopendrium, Dryopteris erythrosora,...)
  • Elfenblumen (Epimedium), teilweise verfärben sie auch Richtung Gelb oder Rot
  • Immergrün (Vinca minor, Vinca major)
  • Christrosen (Helleborus)
  • Schaumblüte (Tiarella, besonders, weil sie den Boden decken), sowie deren Verwandtschaft Heuchera und Heucherella, auch Mitella und Tellima
  • Milzkraut (Chrysosplenium macrophyllum, C. davidianum, C. alternifolium)
  • Buntnessel (Lamium und auch Lamiastrum, letzteres wuchert aber)
  • Leberblümchen (Hepatica nobilis ist etwas klein, aber H. transsilvanica hat auch Fernwirkung)
  • Cyclamen (C. coum, C. hederifolium, C. purpurascens)
  • Aronstab (Arum italicum), kann in Lehmboden riesig werden!
  • Haselwurz (Asarum europaeum), deckt den Boden
  • Disporum pernyi, D. cantoniense
  • Geranium macrorrhizum
  • Ophiopogon (Schlangenbart, schwarzes Laub) 

Manche Storchschnäbel, wie hier Geranium psilostemon 'Madelon' bilden bodennahe Blätter, die in milden Wintern oder unter Schnee grün bleiben können. Für flächige Effekte sind sie aber nicht geeignet, da sie bei Frost schnell zermatschen.

Wenn man mit wintergrünen Blättern plant, sollte man, wie auch sonst im Beet, mit Gegensätzen spielen und großes Laub zu kleinem gesellen, feine Blätter mit großen Partnern kombinieren und einige Stauden flächig verwenden, da so der Effekt verstärkt wird.

Wichtig ist auch, den wintergrünen Stauden Platz zuzugestehen, da die meisten auch im restlichen Jahr sichtbar sind und daher ergänzende Stauden nicht wie etwa bei Zwiebelpflanzen als zweite Schicht darübergepflanzt werden können. Nur Cyclamen können als Unterpflanzung verwendet werden, da sie im Spätfrühling einziehen und erst im Spätsommer wieder erscheinen.




Die grünen Pflanze auf dem Bild, das ich im Dezember schon einmal im Blog gezeigt habe, sind unten angeführt. Man muss allerdings bedenken, dass es in diesem Jahr erst um Weihnachten das erste Mal Frost gab und daher einige Stauden grün blieben, die sonst schon welk wären (besonders das Kaukausvergissmeinnicht, Brunnera).
  • Brunnera macrophylla
  • Symphytum grandiflorus
  • Helleborus (Hybriden)
  • Tiarella cordifolia
  • Pentaglottis sempervirens
  • Chrysosplenium alternifolium
  • Asplenium scolopendrium
  • Vinca minor
  • Vinca major
  • Carex 'Snowline'
  • Geranium macorrhizum
  • Polystichum setiferum 'Herrenhausen'
  • Disporum cantoniense 'Aureovariegata'
  • vereinzelte Phlox

Carex, Helleborus foetidus und Polystichum setiferum bieten für Cyclamen und Hepatica schon Anfang März einen herrlich grünen Hintergrund.

Wer sehr haltbare wintergrüne Stauden wie Farne, Helleborus und Carex kombiniert, kann für Frühlingsblüher wie Leberblümchen einen fast unwirklich grünen Rahmen bieten und muss weder im Herbst, noch im Winter oder im Vorfrühling auf nackte, leere Beete blicken!

Wann man sich dann vom alten grünen Laub trennt, ist jedem selbst überlassen. Bei Farnen kann man es auch dranlassen, manchmal sieht es jahrelang (!) schön aus. Bei Helleborus empfiehlt sich wegen Pilzerkrankungen ein Rückschnitt im Spätwinter - jedenfalls bevor die neuen Blüten erscheinen, da es sonst schwierig wird, die alten Blätter ohne Unfälle herauszuschneiden (ich schreibe aus leidvoller Köpf-Erfahrung). Genauso sollte man es bei Elfenblumen halten: Rückschnitt spätestens Anfang März, wobei gegen Spätfröste und bei vorwitzigen Austrieben eine dicke Schicht aus trockenem Laub die Schutzfunktion der eigenen Blätter ersetzen kann. Einfach abrasieren kann ins Auge gehen, besonders bei empfindlichen asiatischen Frühaustreibern!

Wintergrüne Gräser sollten möglichst nicht zurückschnitten werden. Sie vertragen das nur schlecht und sehen in manchen Fällen das ganze restliche Jahr zerrupft aus. Auch beim Immergrün und bei Heucheras und Verwandten ist kein Eingriff notwendig. Auch Leberblümchen benötigen den Schnitt nicht, aber manchmal kann der Blattschopf so groß sein, dass die Blüten darunter kaum zu sehen sind, dann darf man natürlich nachhelfen.

Wenn es das Wetter zulässt, werde ich in der nächsten Zeit Beispiele für praktische und robuste Kombinationen fotografieren :-).

31. Dezember 2014

Auf ein gutes neues Jahr!

Wie so viele in der deutschsprachigen Bloggergemeinde können uns auch wir am Alpennordrand über eine herrliche Schneedecke freuen, viel dicker, als wir sie in den letzten Jahren hatten.

Ob der Winter so weitergehen wird, das ist noch unklar. Ich hoffe jedenfalls auf weiteren Schnee und darauf, dass der Garten noch lange ruhen darf. Schön wäre ein angenehmer Frühling, langsam und mit keinem Nachtfrost :-).

Aber es reicht schon, wenn der Frühling so schön wird wie immer, wir einen durchwachsenen Sommer haben und immer gut Niederschlag, damit nichts vertrocknet. Für die Tomaten gibt es ohnehin schon ein Dach.

Meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich jedenfalls passende Witterung, viele schöne Stunden im Freien und erst einmal einen angenehmen Jahreswechsel, ganz nach persönlichem Geschmack. Was im Garten in diesem Jahr neu sein wird und was von den Vorsätzen von letztem Jänner geschehen ist, werde ich in einem eigenen Post im neuen Jahr behandelt.

Lasst die Beete ruhen und nutzt die gartenfreie Zeit! Lange dauert es nicht mehr und wir graben schon wieder in der Erde :-).

Alles Liebe,
Katrin


24. Dezember 2014

Frohe Weihnachten!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ganz herzlich frohe Weihnachten, schöne Feiertage und vor Silvester lesen wir uns sicher noch. Genießt die Feiertage, genießt auch das schöne, wenngleich unweihnachtliche Wetter und die dunklen, finsteren Tage, denn schon bald wird es wieder merklich heller werden und erste Schneeglöckchen werden in der Bloglandschaft auftauchen.

Das Bild unten ist von letztem Jahr, aber die kommenden Tage werden das ändern - Winter ist in Sicht und aus jetziger Sicht auch einiges an Frost, man darf also die Eislicht-Ausrüstung bereithalten, letzte Pflanzen ins Haus räumen (ja ehrlich, ich hab noch etliches draußen) und bei einigen Schwächlingen Winterschutz anbringen.


Ich möchte das Datum auch nutzen, mich bei euch allen für die vielen lieben Anmerkungen zu bedanken, die ihr stets so zahlreich verfasst, für die netten Worte per Mail und die lieben Treffen, die ich aufgrund dieses Blogs schon erlebt habe.

Ganz liebe Grüße, lasst es euch gutgehen,
Katrin

14. Dezember 2014

Der Garten im "Winter"

Ich stehe Schnittarbeiten vor dem Winter sehr kritisch gegenüber. Viele Pflanzen benötigen ihr Laubwerk als Kälteschutz und es wäre gegen die Natur, hier zu früh zurückzuschneiden. Ganz abgesehen von den vielen Kleinstlebewesen, die Pflanzen und abgestorbenes Gestrüpp brauchen, um über den Winter zu kommen.

So warme Tage wie gestern mit lauen 12°C verlocken aber auch mich zu Arbeiten. Als Kompromiss erledige ich Rückschnittarbeiten nur an Stellen des Gartens, wo Schneeglöckchen, Winterlinge und Crocus in so großer Zahl vorkommen, dass ich bei Rückschnitten im Frühling viel zerstören würde. In solchen Beeten schneide ich nun in kleinen Mengen zurück, jäte Unerwünschtes und mulche dann mit Schredder und Laub. Große Stauden wie Phlox lasse ich stehen, da die Beete sonst zu nackt werden. Bei Bedarf kann man im Frühling die Beete als mit wenigen Hangriffen abräumen und ist schneller fertig. Außerdem kriegt man mit dieser Methode auch jetzt etwas Erde zwischen die Finger und das ist ganz nett, so als Abwechslungs zum Keksebacken ;-) (nein, meine Kekse gibts ohne Erde).

Die Schattenbeete sind nun die grünsten Stellen im Garten. Das liegt daran, dass immergrüne Pflanzen von Natur aus eher im Schatten vorkommen, da dort die Einstrahlung geringer ist und somit auch die Gefahr, in langen trockenen Winterphasen oder während langer Frostperioden, in denen kein Wasser aus dem Boden gezogen werden kann, Trockenschäden zu erleiden. Am Bild sieht man Brunnera macrophylla, Symphytum grandiflorum, Disporum, Helleborus, Carex, Vinca major und einige wintergrüne Farne.

Die Samenstände der Herbstanemonen sind nun vollständig getrocknet und hängen leuchtend weiß wie Wolle an den Stängeln. Wenn sie nicht so unglaublich wuchern würden, könnte ich sie an vielen Stellen verwenden... so aber kämpfe ich an mehreren Stellen gegen äußerst robuste Vorkommen, die ich nicht und nicht loswerde.


Da die Flächen unter diesen Stauden alle voller Frühlingsblüher sind, werde ich in den kommenden Tagen (und Wochen, wenn es weiter so warm bleibt) dort jäten, die meisten Stauden schneiden und den Boden gründlich mit Mulch und Laub bedecken. So sind die Pflanzen vor Kälte geschützt, aber ich muss nicht im Frühling, wenn dann alles zu blühen beginnt, in die Beete steigen und womöglich Blüten zertreten.

Die Strukturen von Schilf und Phlox sehen im Idealfall für Wochen so aus. Raureif würde das Bild natürlich noch verschönern, aber es ist so auch ganz nett anzusehen.

Im unteren Gartenteil werde ich diesen Winter die Heckenrenovierung fortführen. Außerdem muss ich langsam, auch wenn ich sie sehr mag, den Mondviolen Einhalt gebieten. Lunaria rediviva duftet aber so herrlich, dass ich es nie schaffe, welche zu jäten. Vielleicht topfe ich ein paar dieser schönen Pflanzen.

Hakonechloa macra, das Japanwaldgras, ist in seiner grünen Form schon seit Oktober goldgelb gefärbt. Vermutlich würde diese Färbung bei Frost schneller verschwinden, aber heuer wäre eine große Fläche davon schon für Wochen ein erfreulicher Lichtblick.

8. Dezember 2014

Aus dem Garten auf den Markt

Wer die gesamten zwei Drittel des Jahres, die sich für Beschäftigung mit Grünem und Blühendem eignen, im Garten und damit im Freien verbringt, kommt auch im Winter nicht von diesem Thema los. So geht es mir - und so geht es meiner Mutter. Wie man nun diese Begeisterung ins Winterhalbjahr überträgt, das kann ganz vielfältig gelöst werden, bei Mama ist es die Leidenschaft fürs Einkochen, die unseren durchaus gesunden und für neue Kreationen stets empfänglichen Hunger bei Weitem übersteigt - weshalb neue Abnehmer gefunden werden mussten.

Nun schon das dritte Jahr in Folge haben wir nun einen Stand am hiesigen Adventmarkt, wo Marmeladen, Chutneys, sauer eingelegtes Gemüse, Liköre und andere lecker und auch schöne Dinge, wie Badepralinen, Zirbensackerl und Kirschkernkissen angeboten werden. Meine Mutter hat sich mit ihrem Sortiment auf ungewöhnliche Früchte spezialisiert, so gibt es etliches von der Quitte (Quittenbrot, Marmelade, Gelee und Likör), von Kornelkirschen (eingelegt als "Oliven", Marmelade für Wildgerichte oder auch Likör) und vieles von einheimischem Obst (Kriecherl, Zierquitte, Chutneys statt Mango mit Zwetschge). Wenn es geht, sind die Zutaten aus dem eigenen Garten (fast alle Früchte, Zucchinis, Kürbis und Zutaten für die Suppenwürze z.B.) oder von Freunden und Bekannten aus der Umgebung.

Einige Liköre und vor allem Chutneys gibt es auch zum Kosten, weil sich viele den Geschmack nicht vorstellen können oder einfach gerne probieren wollen, bevor sie etwas kaufen.



Was auch dazugehört, ist die Dekoration des Standes und ein gefälliges Anordnen der Produkte. Heuer war unsere Auswahl allerdings so groß, dass die Gestaltung nicht mehr ganz so kreativ sein konnte, denn vor allem muss man sich auskennen - als Interessierter sowieso, aber auch selbst, wenn man am Stand steht und schnell alles finden muss.


Sirupe gab es auch und Nackenhörnchen und Dinkelpolster und Kirschkernkissen.

Der Stand, bevor die Leute kamen. Weil wir letztes Jahr so oft auf die Chiliprodukte angesprochen wurden, die mein Freund und ich im Innenhof bei unserer Wohnung kultivieren und die meinen Anteil an Produkten am Weihnachtsmarkt ausmachen, habe ich ein Plakat entworfen, das die Anzucht der Chilis (Aussaat, Auspflanzen, Ernte) zeigt. Weil das gut aussah, haben wir ein weiteres Plakat mit Bildern aus Mamas Acker gemacht und ein paar unserer Produkte sowie die für die Präsentation am Tisch zu umfangreiche Palette der Liköre zu präsentieren.

Chutneys müssen immer auch zur Verkostung geöffnet sein, da viele sonst nicht glauben können, wie gut eine "süße Marmelade" schmeckt. Wir haben Brot und neutrale Tortillachips zum Kosten bereitgestellt und so konnten auch die verschiedenen Chilisaucen probiert werden.

Für uns gehört der Weihnachtsmarkt mittlerweile zum Jahr dazu und fällt praktischerweise in eine Zeit, in der im Garten eher wenig zu erledigen ist.

Ich wünsche euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit!

29. November 2014

An der Kippe zum Winter

Noch hat sich der Winter nicht entschieden. Wir wissen nicht, ob es ein mildes Exemplar wie in der vergangenen Saison werden wird oder doch eine wildere Ausgabe, schneereich gar oder klirrend kalt. Bisher hat er seine Klauen jedenfalls bei sich behalten und uns noch immer nicht - nicht bis zum 1.Adventsonntag! - mit Frost beehrt. Das ist für unsere Region besonders, da man ab Mitte Oktober mit Boden- oder Morgenfrösten rechnen muss und dies mit einem Schlag vielen Pflanzen das Laub rauben. Heuer bewegen wir uns in einer langen Phase matschigen Spätherbstes.

Linaria purpurea ist noch aktiv / Lamiastrum galeobdolon ist hübsch, aber invasiv / Boehmeria platanifolia welkt erst langsam

Die Folge sind noch immer vereinzelt blühende Pflanze, zaghafte Herbstfärbung und das Gefühl, als wäre es gerade erst November geworden und natürlich auch viele Nachteile, wie etwa massenhaft keimendes Zeugs auf den Beeten.

Auch die Farne sehen noch topfit aus und bieten in den Schattenbeeten schöne Kombinationen

Auch ein paar letzte Blüten finden sich, hier zeigt Meconopsis cambrica, der gelbe Scheinmohn noch einmal auf, außerdem hat sich eine Brunnera um ein paar Monate geirrt und Geranium nodosum zeigt noch eine letzte Blüte.

Der Pfauenradfarn, Adiantum pedatum, verwelkt beinahe weiß und leuchtet aus den Schattenbeeten deutlich heraus.


Die normale grüne Form des Japanwaldgrases wird viel zu selten verwendet. Die Pflanze ist wüchsig, robust und bekommt eine wunderschöne Herbstfärbung. Dahinter steht Hosta 'Touch of Class', die von all meinen Sorten die schönste Herbstfärbung bekommt und die stabilsten Blätter hat.

Der untere Bereich des Gartens wir nun langsam wieder zu meinem Lieblingsort. Nur noch ein paar Wochen, vielleicht gar nur mehr 12 oder so, dann blüht es dort wieder. Man glaubt es kaum, aber alle Pflanzen haben die Blüten schon ausgebildet und warten nun einfach, bis es warm wird. Nur mit Hilfe dieser Vorbereitung können sie im Frühling so schnell loslegen.


Salvia elegans blüht sehr spät und weil er nicht winterhart ist, erwischt ihn meistens der Frost. Heuer bereichert er den Garten schon seit Wochen mit seiner Blüte. Schade nur, dass man so selten dort ist, um ihn zu bewundern.


Ich wünsche euch allen einen schönen und - trotz des Wetters - möglichst stimmungsvollen ersten Advent!



6. November 2014

Und dazwischen liegt ein halbes Jahr

Gärten verändern sich im Laufe eines Jahres, sogar winzig kleine Flächen. Sie sind heller im Frühling und dunkler, wenn das Laub der Nachbarbäume die Sonne abschirmt und sie sind übersichtlich und aufgeräumt, wenn im Frühling die ersten Blattschöpfe erscheinen. Jetzt im Herbst wirken sie voll - mit welkem Laub, Stängeln in allen Farbnuancen und nehmen uns den Überblick, die Ordnung. Gleichzeitig bieten sie Raum, nicht nur für Tiere, sondern auch für uns, denn das Staudengerüst in einem Garten ist gleichzeitig für das Raumgefühl verantwortlich: Verborgene Ecken und Durchgänge entstehen erst, wenn Sichtachsen verdeckt werden.

Die drei Sommerstaudenbeete im April und Anfang November

Die Sommerstaudenbeete sind aufgrund der darin gepflanzten Hochstauden jener Gartenbereich, der sich im Jahreslauf am stärksten wandelt. Viele Stauden, die im April sichtbar sind, gehören zu den Zwiebelpflanzen (Allium, Tulpen) und verschwinden zur Gänze, eher die anderen Akteure in die Höhe wachsen. Die rosa Lichtnelken ziehen zwar nicht ein, aber ich schneide sie zurück und sie bleiben nur zu Teil erhalten, da es sich um kurzlebige Stauden handelt, die zwar durchaus ein paar Jahre alt werden können, dann aber auch einfach verschwinden - vergleichbar mit Akeleien. Sie wechseln also ständig die Plätze und spielen als Pflanzengerüst an sich nicht bis in den Herbst hinein eine Rolle.


Die Buchtbeete im unteren Bereich des Gartens

Hier wird besonders deutlich, wie Raumwirkung funktioniert: Die kleine Rasenfläche, die zwischen den beiden Buchtbeeten liegt (sie wurden 2002 angelegt und waren damals die ersten Beete, die in ihrer Mitte eine "Bucht" entstehen ließen), ist im Frühling gut einsehbar. Aktuell ist sie verborgen und man entdeckt sie erst, wenn man sich durch den Garten bewegt - die hohen Phloxe verdecken sie komplett.

Das Schilf im Teich engt den Blickwinkel zusätzlich ein und wirkt ebenfalls abschirmend. So ist der untere Gartenbereich in mehrere Räume geteilt, die nur zum Teil eingesehen werden können - wodurch der Garten nicht im Überblick erschlossen werden kann und uns damit größer vorkommt. Und zum Erkunden einlädt.


Die Beetbucht, wie man sie sieht, wenn man den Wegen folgt

Die gleiche Fläche, die im Bild zuvor im Laufe des Jahres verborgen wird, sieht man natürlich, sobald man sich auf dem Kiesdamm zwischen den beiden Teichen zum unteren Gartenteil bewegt. Von dieser Perspektive aus ändert sich die Ansicht wenig. Was deutlicher wird, ist die Veränderung der Pflanzen über das Jahr hinweg. Der Wollziest als ruhige Konstante ändert sich kaum, wohl aber die Pflanzen rundherum; sie hängen ins Bild, sind wuchtiger, umfangreicher, schränken den Platz ein und engen ein. Das kann natürlich unangenehm wirken, ich hingegen freue mich, wenn ich an Gräsern streife oder die Blüten des Knöterichs berühren muss, wenn ich vorbei will.

Ein weiterer Blick in den unteren Gartenbereich

Auch im Beet hinter dem Teichdeck sieht es ähnlich aus: Blumenzwiebeln sorgen im April für Farbe und erste Fülle, die späteren Akteure treiben zu dieser Zeit erst zaghaft aus oder sind überhaupt noch nicht zu sehen. Die riesige Hosta 'Sum and Substance' ist auf dem ersten Bild mit ihren spitzen Trieben schon zu sehen - ihre Größe kann man da aber erst erahnen. Nun im November ist sie bereits gekippt, aber ihr gelbes Laub ist noch immer ein Hingucker.

Die Beetbucht, die in den Bilder vorher schon thematisiert wurde, ist hier auch nur im Frühling zu sehen. Jetzt im Herbst ist der Blick verwehrt und wir müssen durch den Bogen, damit wir sie erkennen können.

Nach diesem Prinzip funktioniert unser ganzer Garten - Blickachsen werden unterbrochen, Durchblicke wachsen langsam zu und weite Flächen mit Frühlingsblühern weichen höhengestaffelten Beetsituationen mit dichtem Bewuchs. Daher ist es durchaus interessant, den Garten zu verschiedenen Jahreszeiten zu be