Dieser Garten in der Sendung Natur im Garten (---> klick)

22. Juli 2014

Die Staudengärtnerei von Sylvia Göbel

Bei meinem Aufenthalt im Raum Rostock war ich mit dem Zug unterwegs, weshalb ich gar nicht daran gedacht hatte, eine Gärtnerei zu besuchen - zu ärgerlich wäre es, wenn ich tolle Pflanzen entdecken, nicht aber mitnehmen könnte. Deshalb machte ich um die Pflanzenquartiere der Gärtnerei von Sylvia Göbel in Schönfeld-Mühle erstmal einen großen Bogen und widmete mich ganz den herrlichen Schaubeeten, die auf dem 5000m² großen Areal angelegt wurden.

Bei dieser Nachtkerze hab ich den Namen vergessen - obwohl nachgefragt - und nicht mehr ganz sicher, eventuell ist es O. fructicosa (wird geändert, wenn ichs rausgefunden habe) - sie ist nur im Verblühen so schön Apricot

Besonders beeindruckt haben mich die zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten, die in den Beeten gezeigt werden. Um möglichst viele präsentieren zu können, hat die Gärtnerin farblich und auch thematisch unterschiedliche Beete angelegt: So gibt es ein langes, schmales Beet mit hohen Präriestauden im Oudolf-Stil, feurig-warme Zusammenstellungen mit Gelb und Rot, niedrige Beete in Violetttönen und etliche gemischte Border.

Inula magnifica 'Sonnenstrahl' mit Onopordum acanthium / Filipendula rubra 'Venusta' mit Sanguisorba / Rote Melde mit Helenium und Gras (wie herrlich passt das denn!)

Dabei werden als Partner neben rot- und silberlaubigen Stauden auch viele Gräser verwendet, die zwischen den Stauden Verbindungspunkte bieten und zudem alle Beete thematisch verbinden, da die Staudenverwendung, auch bei unterschiedlicher Farbgestaltung, in ähnlichem Stil angelegt sind. Der Umgang mit Ein- und Zweijährigen hat mir auch sehr gut gefallen: Rote Melde zu Helenium ist eine ganz großartige Kombi, die ich so noch nie gesehen habe und in einem eigenen Gartenraum wurde Platz für Staudenriesen wie die Eselsdistel und Alant geschaffen, die ganz wunderbar harmonieren.

Salvia verticilliata, vermutlich 'Purple Rain' mit Artemisia ludoviciana 'Silver Queen', Monarden und Allium sphaerocephalon

Für sonnige und trockene Stellen bietet sich der Quirlblättrige Salbei zusammen mit Artemisien und Gräsern an, dazu passen noch Anthemis und Dost - ihr merkt, ich würde gerne schon wieder irgendwo was ausprobieren.

Dill, Hemerocallis, Deschampsia, Astrantia und eine Königskerze (?)
Stipa pulcherrima forma nudicostata

Dieser Beetteil ganz in Gelb wirkt durch die Verwendung des weizengelben Deschampsias luftig und locker. Die schönste Pflanze war für ich aber das Reiher-Federgras,  das ich leider bei mir noch nie etablieren konnte - dabei wäre es im Kiesbeet wirklich eine Pracht!


Festuca mairei, Salvia verticilliata, Artemisia / und mittendrin auch Stockrosen / Monarda, Verbena hastata und Pseudolysimachion longifolium

 
Eine weitere feurige Kombination: Crocosmia 'Luzifer' mit Persicaria amplexicaulis, Helenium, Filipendula rubra 'Venusta' und im Hintergrund Molinia; später schließen Anemonen an und führen die Kombination in Richtung Rosa

Veronicastrum virginicum 'Fascination' mit Monarden, Sanguisorba und Filipendula ulmaria 'Plena'

Auch ohne Farben sind schöne Zusammenstellungen möglich: Thalictrum polygamum, Deschampsia (?) und eine Mohnkapsel / Heliathus salicifolius im Vordergrund und dahinter Engelwurz

Achnatherum calamagrostis mit Onopordum acanthium und roter Melde
 
Nochmal das Achnatherum im Detail / Salvia nemorosa, Nepeta 'Bramdean' und Allium sphaerocephalon

Ein Blick aufs rosa Beet / die gesamte Pflanzengruppe mit der schönen Nachtkerze vom ersten Bild

Monarden mit Persicaria, Miscanthus 'Morninglight', Panicum, Verbena hastata, Filipendula rubra 'Venusta' und Stachys monnieri in Rosa

Crocosmia 'Lucifer' umgeben von rosa Malva moschata, Phlox, Sanguisorba und Veronicastrum virginicum

Die Gärtnerei ist mit einer Buchenhecke begrenzt, vor der sich schmale Border, wie dieses in warmen Farben, gut abheben. Auch den beiden großen Staudenknöterichpflanzen (Aconogonon 'Johanniswolke') bietet sie einen ruhigen Rahmen.

Blick über die Beete, im Vordergrund Helianthus salicifolius / am Rand des Beets mit der Melde habe ich Laserkraut, Laserpitum siler, entdeckt - eine Pflanze, die ich hier von den Trockenwiesen kenne

Blick über die Pflanzungen hinweg

Ich habe mich sehr gefreut, diese schöne Gärtnerei kennenlernen zu können und hätte mich gefreut, mit einem Auto unterwegs gewesen zu sein, denn es hätte einige schöne Stauden gegeben, die ich gerne eingepackt hätte! Wer in der Nähe von Schwerin unterwegs ist, sollte sich diese schönen Schaubeete nicht entgehen lassen!

14. Juli 2014

Staudenwiesen im naturalistischen Gartenstil | Der Staudengarten Gross Potrems

Grade noch habe ich das Buch vorgestellt, in dem Jochen Wegner seinen Garten und das dahinterliegende Konzept präsentiert, da konnte ich diese Pflanzungen vergangene Woche schon mit eigenen Augen betrachten. Wer einen Garten besucht, der aus Büchern oder dem Internet schon bekannt erscheint, läuft immer Gefahr, enttäuscht zu werden. Manchmal stellt man sich einen Garten größer vor als er ist, oder malerischer in die Umgebung eingebettet und manchmal lügen natürlich auch die Bilder. Umso größer war meine Freude darüber, dass der Staudengarten in Gross Potrems die Stimmung von wogenden Wiesen und üppigen Staudenfluren nicht nur auf Bildern verspricht, sondern auch in der Wirklichkeit umsetzen kann - weshalb ich jetzt aus unendlich vielen Bildern ein paar aussuchen musste und das hier nun ein Monsterbeitrag wird.

Campanula, Stachys, Aconogonon, Cephalaria gigantea, Veronicastrum

Zum Garten muss man wissen, dass Jochen Wegner seit Jahrzehnten an seinem Garten feilt, unermüdlich Wildstauden aus allen Erdteilen zuerst im Internet sucht, dann aussät oder kauft und sie sogar in einem eigenen Beet testet, ehe sie in den wilden Garten entlassen werden, wo sie sich behaupten und bewähren müssen - zwischen anderen Stauden und auch gegen Spontanvegetation. Diese ist es nämlich, die, vor allem mit Gräsern, in diesem Garten nicht nur exisitieren darf, sondern ganz wesentlich zum natürlichen Eindruck der Pflanzungen beiträgt.

Lilium pardalinum, Nepeta kubanica, Ligularia

Damit Gras zwischen Stauden nicht zum Problem wird, müssen die Pflanzen jedoch gesund sein - und das klappt nur, wenn sie dem Standort entsprechend verwendet werden. Findet man diese Standorte und lässt man den Pflanzen anfänglich Platz, dann ertragen sie leichte Konkurrenz, genauso, wie das in Wiesen, Magerrasen oder in Sumpfwiesen der Fall wäre und es ist nicht notwendig, jedem Gräslein hinterherzujäten, sondern darf dort und da Sämlinge und Stauden, die den Wiesencharakter betonen, sich etablieren lassen.

Lockere Gräser lassen den Blick über den ganzen Garten schweifen

Im Wildstaudengarten gibt es zum Glück etliche Standorte, die vielfältigen Bewuchs erlauben: Trockene Bereiche am Haus, sonnige Flächen mit Sandboden, halbschattige Areale im Schatten und feuchte Böden rund um den Teich. Als verbindendes Element dient die freie Sicht, die in vielen Gärten ja absichtlich unterbrochen wird, um mit Gartenräumen Größe zu suggerieren. Hier wird die freie Fläche und der Blick über eine Fläche mit feingliedrigem Bewuchs dazu genutzt, das Gefühl einer Wiese zu vermitteln.

Blick über die Pflanzungen, unterbrochen nur von Gräsern

Zieht man diese Überlegungen konsequent durch, hat das auch Auswirkungen auf die Anordnung der Pflanzen. Höhenstaffelung, Gruppenpflanzungen und Einfassungen würden hier den Charakter stören und dürfen nur vorsichtig verwendet werden. Da wir das Vorbeigehen an hohen Stauden nicht gewöhnt sind und wohl als unangenehm empfinden würden, muss eine, dafür aber sanfte Art der Staffelung verwendet werden werden - wobei sich hier höhere Gräser besonders eignen, sowohl Raumeffekt als auch flirrende Leichtigkeit in die Beete zu transportieren.

Deschampsia, Helenium und Oenothera (und ein Fitzelchen Verbena hastata)

Dass manche Besucherinnen und Besucher hier gerne zu jäten beginnen würden, darauf weist Jochen Wegner schon in den ersten Sätzen zu seinem Garten hin. Ich denke, es müssten schon sehr blinde Personen sein, die diesen Reflex verspüren, denn dieser Garten ist so eindeutig kein gelecktes Beet-Ensemble und stattdessen üppige, sich sanft im Wind wiegende Natur, dass man das auch erkennen sollte, wenn man Staudenwiesen noch nie in natura gesehen hat.

Links Polygonum (oder Persicaria oder Aconogonon ;-)) weyrichii, Iris sibirica und weitere Stauden feuchterer Lebensräume

Der naturalistische Gartenstil, dem sich Jochen Wegner mit seiner Art des Gärtnerns verschrieben hat, ist keine neue Strömung. Noch bevor "Naturgärten" mit Bienenfutterpflanzen und Insektenhotels zu gesellschaftstauglichen Konzepten erhoben wurden, machten sich Staudenverwender Gedanken darüber, wie wir Menschen die Natur, von der wir uns ja laufend entfremdet hatten, wieder in unsere unmittelbare Nähe bringen konnten. Interessanterweise sind dabei Wiesen nicht nur die am ehesten umsetzbare Form, sondern auch die, die uns Menschen am stärksten anspricht. Auf der Homepage des Wildstaudengartens gibt es dazu einiges an zusammengetragener Literatur und wer sich noch weiter vertiefen möchte, dem lege ich Jochens Buch ans Herz.

Kalimeris, Echanicea, im Hintergrund Heliopsis

Eine Staudenwiese kann dabei ganz bunt sein, oder nur aus wenigen Arten bestehen - auf jeden Fall aber wiederholen sich die Pflanzen, sie sind nicht in gleichen Abständen zueinander angeordnet und sie werden meistens in Drifts angeordnet, in länglichen Gruppen, die im Betrachter das Gefühl von Zufälligkeit und natürlicher Ansiedlung entstehen lassen. Klappt das, dann ist diese Illusion gut gelungen - und die oft sehr detaillierte Planung von Erfolg gekrönt.

Ligularia przewalskii und Sanguisorba, ich vermute mal. officialis 'Pink Tanna'.

Weil ich den naturalistischen Gartenstil zwar außerordentlich schätze, aber meine Art der Gartengestaltung doch (noch?) zu sehr im kompositorischen Bereich der Gestaltung verhaftet ist, war ich im Garten auf der Suche nach Kombinationen, die sich auch in herkömmlichen Beeten verwenden lassen. Von den vielen Funden, die ich dabei gemacht habe, hat mich die Verpartnerung von Ligularia przewalskii und einem rosa Sanguisorba, dessen Namen ich leider vergessen habe; vermutlich ist es S. officinalis 'Pink Tanna', besonders beeindruckt.

Iris sibirica, Eupatorium purpureum, Deschampsia cespitosa und eine grünblättrigen Funkie - hier treffen große Blätter auf feines Laub, eher plumpe Blüten auf flirrende Wolken und später noch Dolden auf feines Gras; alles in allem also eine sehr haltbare, über das ganze Jahr hinweg ansprechende Gruppe.

Veronica longifolia vor Darmera peltata, links im Hintergrund rosa Filipendula, der Trick sind hier die aufstrebenen Kerzen, die im Kontrast zu den großen, horizontalen Blättern stehen. Kerzen sind generell gut geeignet, in ruhigen, harmonischen Pflanzungen wie einer Wiese für Aufsehen zu sorgen, weil sie aus der Umgebung aufragen.

Echinops ritro mit Verbascum chaixii - beides Wildstauden, aber die Kombi könnte im edelsten Blau-Weiß-Beet eines formalen Gartens ebenso bestehen, so kraftvoll ist sie. Zu ihren Füßen, man sieht grad noch ihre "Ohren", steht die Spornblume, Centranthus ruber und links schließt eine Stockrose an. Alle vier kommen mit Trockenheit und Hitze gut zurecht und könnten an Hausmauern oder Mauerkronen gehalten werden.

Der Blick über den Teich wird sich bald wandeln, hier ist es im Gegensatz zum restlichen Garten recht einheitlich grün und dort, wo das Schildblatt steht, könnten so viele schöne Wildstauden, die jetzt im Sommer blühen, einen neuen Platz finden. Aber warum sollte es jemanden mit Staudenwiesen anders gehen als uns! :-)

Wie jeder schöne Garten sind auch die Staudenwiesen nie fertig, denn Gärten beeindrucken - und hier liegt der Unterschied zu Staudenfluren in der Natur - nur dann, wenn sie die Illusion von Natur perfekt beherrschen. Und würde man sie sich selbst überlassen, würden sich einige wenige Pflanzen durchsetzen und die Wirkung wäre dahin. Insofern ist auch eine Staudenwiese ein Beet, eine sorgsam kombinierte Border - auch wenn ich hier mit Jochen durchaus diskutiert habe ;-). Unbestreitbar ist, dass sein Garten viel weniger Arbeit verlangt als eine gestaffelte Border. So schneidet er die Beete alle im Spätwinter maschinell zurück und verbrennt den Schnitt; Rückschnitte während der Vegetationsperiode, auch wenn sie wie im Fall der Rittersporne eine Nachblüte provozieren würden, werden mit Absicht unterlassen.

Blick über den Teich zurück zu den Pflanzungen auf trockenem Boden

Den "Wieseneffekt" fotografisch festzuhalten, ist mir nicht im erwünschten Ausmaß gelungen. Tatsächlich wiegen sich die Gräser ständig im Wind und verschmelzen, da sie in vielen Beeten verwendet werden, zu einem wogenden Teppich, der einzelne Staudengestalten, je nachdem, wo man gerade steht, besonders hervortreten lässt. Daher kann man stundenlang durch den Garten wandern und findet doch immer wieder  neue Ansichten, was auch am Lichteinfall liegt, der sich durch die vielen Nachbarbäume und das Haus ständig wandelt und den Fokus auf neue Stauden legt.

Echinacea vor Nepeta und Lychnis calcedonica / Lilium pardalinum mit der Julisilberkerze (Actaea/Cimicifuga racemosa var. cordifolia) vor Ligularien / Ligularia przewalskii, Sanguisorba und Persicaria amplexicaule

Samenstände und trockene Stängel, wie hier vom Geißbart, dürfen stehenbleiben und bilden jetzt im Juli, wo alles noch grünt und blüht, einen reizvollen Gegenpart; reihen sich aber gleichzeitig vom Charakter her in die Formen- und Farbenpalette der Gräser ein und passen so aus einigen Perspektiven ganz hervorragend.

Die Gespräche im Garten über den Garten und über unsere Absichten und die Art, einen Garten zu gestalten und auch, wie er genutzt wird, waren für mich interessant und inspirierend. Einige habe ich schon notiert, um im Winter Stoff für Debatten und kontroverse Blogposts zu haben! Was ich an mir schon festgestellt habe, ist mangelnde Konsquenz in der Gestaltungsrichtung. So hat Jochen festgestellt, dass er im April im Garten viel mir Umpflanzarbeiten und Aussaaten beschäftigt ist und für die Betrachtung winziger Blüten und niedlicher Schattenstauden keine Zeit hat. Deshalb baut er den Frühlingsaspekt kontinulierlich zurück, um den den so gewonnenen Platz für Sommerstauden nutzen zu können. Hepatice gegen Geranium? Brunnera gegen Hosta? Alleine der Gedanke überfordert mich, aber die klare Wirkung seiner Beete gibt ihm Recht.

Die riesigen Ligularien entlang des Steinwegs, der am efeubewachsenen Haus entlangführt, haben mich schon seit Jahren auf Bilder fasziniert. In Echt sind sie dann noch eine Spur beeindruckender, weil sie so riesig sind! Viel größer als ich jedenfalls. Und so begehrenswert, denn mit feuchtem Boden kann ich hier nicht dienen.

Worin ich ihm auch noch uneingeschränkt beipflichten muss und wer die Bilder aufmerksam betrachtet hat, der weiß, was jetzt kommt: Keine Deko im Garten, nicht ein einziges Element, nicht mal ein Stück Holz! - und keine Rosen. Also generell keine Gehölze in Beeten, weil das ja Wiesen sind, aber eben auch: Keine Rosen. Weil die einfach nicht passen. Und weil ein Garten auch ohne ihnen schön sein kann. Und wie.

Dieses Gras am Teich hat sich von selbst eingefunden und fügt sich harmonisch ins Gesamtbild der Anlage ein.

Ihr merkt schon, mir hat der Besuch sehr gefallen. Das liegt nicht nur am Garten, sondern auch an Gabi und Jochen Wegner, die mich so gastfreundlich empfangen und mir das Land gezeigt und vieles erklärt haben. Wer mal in die Richtung kommt, sollte natürlich alle Produkte probieren, die Gabi Wegner aus der Ernte ihres beeindruckenden Gemüse- und Obstgartens zaubert - dieser liegt auf einem anderen Grundstück und ich hatte meine Kamera nicht mit, was gut war, weil ich so beide Hände frei hatte zum Ernten, aber auch ärgerlich, weil ich euch hier jetzt nicht die riesigen Johannisbeeren und die Brombeerenplantage zeigen kann - aber ganz besonders empfehlen würde ich euch das Holunderblütengelee! Denkt dran :-)

Falls ich irgendwas falsch beschrieben oder eine Pflanze falsch benannt habe, bitte Bescheid geben!

5. Juli 2014

Um die Sonnenwende

So, es muss mal gesagt werden: Die Tage werden zwar schon wieder kürzer, aber der Sommer liegt vor uns und auch im Garten muss noch nicht von Rückschnitt, überschrittenen Blühhöhepunkten und Herbstaspekt geredet werden, denn die üppigste Zeit des Jahres in einem Staudengarten kommt definitiv erst auf uns zu. Wer sich im Garten von Üppigkeit beengt vorkommt, muss diese letzten Wochen noch genießen, ehe Blüten und Wachstum über unseren Köpfen zusammenschlagen. Nein, so schlimm ist es nicht, aber ich freue mich trotzdem schon auf den herrlichen Dschungel, der mein Garten bald sein wird.

Damit ich nicht den Abschluss verpasse, ein kurzer Überblick über die Beete. Wenn es klappt, gibt es in einer Woche Bilder aus dem Norden Deutschlands.

Und wer das mit meinem Buch schon mitgekriegt hat: Auch dazu wird es Posts geben, aber erst, wenn ich ein wenig mehr zeigen darf - und das, obwohl ich selber schon so hibbelig bin!

Im Kiesbeet geht es jetzt erst richtig los. Viele Stauden der trockenen Gartenbereiche haben ihre Blütezeit in den Sommer gelegt, wo die Luft flirrt und viele Insekten unterwegs sind. Den Mohn werde ich demnächst jäten müssen, aber sonst schaut es schon recht gut aus und das Kiesbeet kann im Großen und Ganzen sich selbst überlassen bleiben. Erst im August steht einer erster Rückschnitt an.

In den Sommerstaudenbeeten kommt es jetzt zu den ersten imposanten Blühereignissen. Ende Juni läutet die Blüte der Weidenröschen den Sommer ein. Ja, das ist eine Wucherstaude und ja, ich liebe sie trotzdem. Man muss nur darauf achten, dass sie nicht zu sehr ausufert; ihr schlanker Wuchs bedrängt Nachbarn aber kaum, vorausgesetzt, sie sind robust genug.

So sieht das Beet von 2011 von Südosten aus. Die Galega hat sich hineingesät, das passt eigentlich ganz gut und ich denke, davon profitiert das Beet. Den dunkelblättrigen Holunder werde ich in Kürze etwas stutzen, ebenso muss ich das Gras rechts eindämmen. Es ist irgendwas aus der Wiese, das im Beet so überdimensional groß und derart absichtlich aussieht, dass ich es gelassen habe. Das silbrige Laub gehört dem Beifuß und den weißen Vexiernelken.

Absichtsvoller geht es im Kiesbeet zu. Die wunderschöne Schafgarbe 'Coronation Gold' bildet mit Federgras und Anthemis im Hintergrund eine schöne Kombination, die ich mir auch großflächig vorstellen könnte. Erstmal hoffe ich auf Ausdauer aller beteiligten Pflanzen und einen schönen Winteraspekt.

Im neuen Garten klappt es gut - bis auf diese gefräßigen Rehe, die meinen vielen Persicaria-Pflanzen derart stark zusetzen, dass ich deren Wirkung in meinen Beeten - immerhin sind es fünf Pflanzen auf 200m² - für heuer eigentlich schon abschreiben kann. Wiese fressen diese miesen Viecher nicht einfach irgendwo rundherum etwas, wo sie doch Wald, Wiese und Felder genug hätten? Die Katzenminze mögen sie jedenfalls nicht, auch nicht Galegas, Vexiernelken und Sedum. Wohl aber Geranium, Mädesüß, Phlox und Goldruten...

30. Juni 2014

Buchtipp: Naturnahe Gartengestaltung mit Wildstauden (von Jochen Wegner)

Sätze mit "alle" und "jeder" sind ja immer gefährlich, aber ich traue mich trotzdem zu behaupten, dass alle, die im Internet auf der Suche nach Staudeninfos waren, schon einmal über die Seite "Wildstaudenzauber" von Jochen Wegner gestolpert sind und sich in den herrlichen Bildern von seinem üppig blühenden Garten oder seinen Reisen nach Nordamerika oder Asien - stets die Stauden im Blick - festgelesen haben.

Mir ist es schon vor etlichen Jahren so gegangen; eigentlich glaube ich, dass ich bereits wenige Wochen, nachdem ich um die Jahrtausendwende Internet bekommen habe, im damals noch übersichtlicheren Gartenseiten-Geflecht auf die Wildstauden gestoßen bin. Daher war meine Freude groß, als ich erfahren habe, dass Jochen ein Buch geschrieben hat, in dem er seine Erfahrungen mit Wildstauden, die er auf seiner Homepage und dem Blog schon länger teilt, in zusammengefasster Form zugänglich macht.


Dabei muss man wissen, dass sein über die Jahre gewachsener Garten keine bloße Sammlung von Wildpflanzen ist, sondern ein Arrangement aus züchterisch nicht veränderten und daher robusten Stauden, die standortgerecht verwendet werden. Wer nicht überlebt - sei es wegen des feuchten Bodens, kalter Winter, Enge im Beet oder sonstiger Faktoren, die im Garten herrschen -, wird auch nicht ersetzt. Stattdessen wird versucht, eine dichte und sich selbst erhaltende Staudenwiese zu schaffen, die nur im Frühling abgeschnitten werden muss. Die Kunst - in meinen Augen! - liegt nun darin, die Pflanzen so anzuordnen, dass sie einander unterstützen und ohne viel Pflegeaufwand gedeihen können.

Der Stil, den Jochen Wegner dabei entwickelt hat, wird von ihm selber als "naturalistischer Gartenstil" bezeichnet. Eine schöne Beschreibung dazu, sie wird auch im Link zitiert, hat Piet Oudolf gefunden. Er meint, Gärten dieses Stils würden nicht die Natur kopieren, sondern mit passender Staudenverwendung das Gefühl heraufbeschwören, man sei in der Natur selbst, man liefe über Wiesen und betrete eine Waldlichtung. Es ist also weniger das Imitieren von tatsächlichen Orten, sondern vielmehr das Anschlagen gewisser Saiten, die im Betrachter dann Gemeinplätze wie Lichtungen, Wiesen, Üppigkeit und Unberührtheit entstehen lassen. Das klingt recht theoretisch und abgehoben, wer aber die Bilder betrachtet - und das Buch ist voll von herrlichen Bildern! - erkennt zurecht, dass hier jemand am Werk gewesen sein muss, der die Natur und ihren Bewuchs am ursprünglichen Standort sehr genau kennt und daher zielgerichtet gestalten kann.

Das Buch zeigt nun im Jahreslauf, wie sich der Garten entwickelt, welche Stauden Schwerpunkte und Akzente setzen und verschweigt auch Probleme nicht, wie etwa Schneckenfraß an Ligularien. Beginnend mit den dichten Teppichen aus Frühblühern geht es weiter zur Irisblüte, dem Auftritt der Ligularien am Teich, der inmitten des Gartens liegt und widmet eigene Kapitel den Spätblühern, den Gräsern und dem Winteraspekt, der bei einem Staudengarten eine wesentliche Rolle spielt. Eingestreut sind zahlreiche Informationen zu den gezeigten Pflanzen und einige Bilder vom Naturstandort liefern Eindrücke, wie es die jeweilige Pflanze mögen könnte. Die vielen Fotos zeigen sowohl Pflanzen im Detail, als auch Beetausschnitte und Überblicke, wodurch ein klarer Eindruck von Garten und Stil transportiert wird.

Dabei kommen natürlich Ideen auf. Eigentlich möchte man sofort seine gefühlten 117 Micker-Sondernsorten sämtlicher Stauden rausreißen und eine Wiese aus bloß 10 Arten anlegen, robust und wüchsig, so sehr überzeugen einige Ansichten!

Ich empfehle das Buch allen, die naturnahe Pflanzungen und üppige Beete schätzen und die Ideen suchen, welche Stauden dauerhaft miteinander kombiniert werden können. Und ich werde schon ganz kribbelig vor Vorfreude, denn kommende Woche schon werde ich den Garten von Jochen Wegner selber erkunden können! Wünscht mir Morgennebel, wie im letzten Blog-Beitrag von Jochen!


Das Buch "Naturnahe Gartengestaltung mit Wildstauden" ist im Juni 2014 in der Schriftenreihe der GdS erschienen.  Es umfasst 144 Seiten mit 275 Fotos vom Verfasser  (ISBN 978-3-9808902-6-7).

Bestellungen richtet man an die Geschäftsstelle der GdS, info@gds-staudenfreunde.de. Dazu sollte man die Empfängeradresse angeben - die Lieferung erfolgt dann nach Eingang der Zahlung von 15 Euro auf das Konto der GdS: DE36 5455 0010 0001 8011 33,  Konto 1801133, BLZ 54550010, Sparkasse Vorderpfalz.