22. Mai 2012

Der Garten Mitte Mai

Diese Bilder sind nun schon einige Tage alt, aber ich möchte sie trotzdem zeigen, da man gut sehen kann, wie schnell das Wachstum im Mai vorangeht. Beschleunigt durch die Wärme - das bisschen Kälte in der letzten Woche hat kaum etwas ausgemacht - sind viele Stauden viel schneller gewelkt als sonst.


Diese Bilder zeigen das Beet, das ich vor genau einem Jahr angelegt habe. Es ist typisch für meine Beete, dass erwünschte Farbkombinationen nur selten entstehen und Ungeplantes oft am Schönsten wird: Die Akeleien sind Sämlinge, die ich im Kiesbeet entfernt habe, ohne zu wissen, welche Farbe sie bekommen werden. Die Jakobsleitern haben ich zwar gepflanzt, aber im Glauben, die Pflanze sei nur blau (und bliebe viel kleiner... wer denkt denn, dass das Ding fast 1,2m Höhe erreichen kann?). Ganz von alleine aufgetaucht sind die rosa Silene dioicas, die ich frei durch die Beete vagabundieren lassen. Mein aktive Beitrag zu obiger Pflanzen ist liegt also alleine beim Lauch - und es sieht trotzdem ausgesprochen schön aus. Oder vielleicht gerade deswegen.


Silene dioica ist eine völlig unterschätzte Gartenpflanze. Sie wächst bei uns wild in Wiesen und bleibt an solchen Stellen meist viel kleiner. Gibt man ihr aber Raum, einen Platz, wo nicht gemäht wird und genug gute Erde, entwickelt sie sich zu einer großen, rosa Wolke, die jetzt im Mai, wenn in den Sommerbeeten noch nicht so viel los ist, für Hingucker sorgen kann. Wer Geduld hat, kann rundblütige Formen auslesen, weiße Pflanzen suchen oder kompakte Typen isolieren. In England und in den Niederlanden sind auch Sorten erhältlich, etwa die zwergige Silene dioica 'Minikin' oder die rotblättrige Silene dioica 'Inane'. Beiden säen sich nicht aus und müssen geteilt werden, damit sie erhalten bleiben, denn Silenen sind nicht sehr langlebig - dafür sät sich die Art selbst reichlich aus.


Die Schattenbeete sind jetzt im Mai gerade noch schön, ehe das große Welken und Einziehen beginnt. Im gezeigten Abschnitt freut mich Trillium flexipes besonders, da die Pflanze das gesamte vergangene Jahr ein Leben im Untergrund vorgezogen hat und ich, in Ermangelung des Wisses um den genauen Standort, auch nicht nachschauen konnte. Eine vorsorgliche Grabung hätte zuviel Schaden angerichtet; ich habe die Pflanze daher für verschwunden gehalten. Heuer tauchte sie dafür mit zwei Blüten und zwei Blattstängeln auf.

Für Flächen im Halbschatten bis Schatten, die sich selbst überlassen werden sollten, böte sich eine Kombination aus Omphalodes capadocica, Tiarella cordifolia, blauer Hosta und silbernen Brunneras an. Ich überlege, ob ich solch eine kühle Kombi irgendwo etablieren könnte, vermutlich wäre so eine Pflanzung aber nur in größerem Ausmaß wirklich beeindruckend.

Die Pflanzung rechts ist wieder ein Produkt des Zufalls, da sich die Flockenblumen ausgesät haben und die gelben Tulpen plötzlich dort aufgetaucht sind. Ich kann mich nicht erinnern, sie gepflanzt zu haben, aber es sieht so schön aus, dass man es glatt für Absicht halten könnte! Man sollte eben doch öfter auf den Zufall vertrauen, als wir Gartenmenschen es ohnehin schon machen.

Kommentare:

  1. Ich liiiiiebe deine Beete! Sie sind einfach wundervoll angelegt, und auch wenn der Zufall auch noch eine Rolle spielt ...DU steckst trotzdem hinter dieser Meisterleistung! LG Carmen

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  2. Hallo Katrin, welch eine Blütenpracht!

    Wie, Jakobsleiter kann sooo groß werden? Ich kenne sie auch nur in blau.

    Liebe Grüsse aus Norddeutschland

    Meggie

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  3. Guten Morgen Katrin,

    ich habe wieder mit Begeisterung deine Beete betrachtet, einfach herrlich diese Farbkompositionen.
    Ich denke, wenn sich Mensch und Natur gemeinsam um die Gestaltung kümmern, kommt das Beste dabei heraus.
    Ich denke immer noch an zwei spezielle Bilder von deinen Beeten, die ich immer nur bestaunt habe und mir dachte, so was tolles habe ich noch nicht gesehen. Du hast einfach ein Händchen für Beetgestaltung.
    Freue mich schon auf weitere Bilder von dir.

    LG Mio

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  4. Du hast einfach wunderbare Beete. Ich glaube ich jäte ausversehen den Zufall jeweils weg. Mach weiter so ich freue mich immer auf Deine Bilder, sie sind sehr inspirierend.
    Grüsse Pascale

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  5. Wunderschöne Beete! Und ganz am Anfang - das ist wirklich erst ein Jahr alt? Dann habe ich noch Hoffnung, dass es bei mir in 1-2 Jahren auch weniger karg und mehr wie bei dir aussehen kann.

    Wie sehen denn deine Storchschnäbel jetzt aus?

    LG aus dem Regenwurmgarten

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  6. Danke für eure lieben Kommentare! Ich glaube auch jedes Jahr aufs Neue nicht, dass meine Beete doch noch üppig werden. Vielleicht pflanze ich auch etwas dichter, als eigentlich angebracht wäre... aber ich mag es, wenn man keine Erde mehr sieht.

    Regenwurmgarten, meine Storchschnäbel möchte ich schon länger mal detailliert vorstellen... wenn morgen das Wetter passt, mache ich eine Fotoserie!

    LG, Katrin

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