2. November 2011

Duftende Stauden (1) - Schatten

Es wird langsam Winter und da wird es schwierig mit aktuellen Themen. Daher starte ich eine neue Serie: Duftende Stauden. Ich hoffe, ich kann ein paar unbekanntere Stauden vorstellen und euch für sie begeistern.

Ich beginne mit Absicht im Schatten, da man dort nicht unbedingt viele duftende Pflanzen vermuten würde. Dabei gibt es eine ganze Menge; man muss allerdings zwischen Pflanzen unterscheiden, deren Blätter duften - diese finden sich viel häufiger in sonnigen Lagen - und welchen, deren Blüten angenehmen Geruch verströmen. Bei den letzteren gibt es die sehr bekannten Maiglöckchen (Convallaria majalis) und einige mit ihnen verwandte Stauden, die schon weniger verbreitet sind.


Da jeder Mensch Düfte anders wahrnimmt, ist es nicht sehr zielführend, Düfte in Kategorien einzuteilen, aber den Geruch, den die Blüten von Lunaria rediviva, dem Ausdauernden Silberling, verströmen, ist der angenehmste und schönste Duft, der mir im Pflanzenreich je begegnet ist. Die mehrjährige Staude hat ähnliche Blüten wie der einjährige Silberling (Lunaria annua), ist sehr robust und kommt in den nördlichen Kalkalpen in feuchten Schluchtwäldern vor. Im Garten ist sie nicht so anspruchsvoll; sie wächst in Schatten und Halbschatten gleichermaßen gut, bildet große Büsche und kann nach der Blüte - sofern man auf den silbrigen Winterschmuck verzichten möchte - bodeneben abgeschnitten werden, ohne Schaden zu nehmen.


Die zweite Duftsensation im Schattenbeet ist Collinsonia canadensis, die im Deutschen Grießwurzel oder Steinwurz genannt wird, was auf die Verwendung ihrer Wurzel in der Homöopathie hinweist. Die Staude stammt aus Nordamerika und ist im Großen und Ganzen sehr unscheinbar. Sie hat große Blätter von dicker Substanz, ist standfest und bildet im Sommer Rispen von kleinen, gelben Blütchen. Die große Überraschung kommt erst im Hochsommer: Die verblühten Rispen, die mit winzig kleinen Härchen besetzt sind und fast klebrig wirken, duften bei Berührung intensivst nach Melisse. Sie ist wie die Lunaria nicht sehr anspruchsvoll und mag alle nicht zu trockenen Böden in halbschattiger bis schattiger Lage.


Selbstverständlich gibt es noch viele weitere duftende Pflanzen für den Schatten. Ich zähle euch einfach mal alle auf, die mir einfallen, aber ich entdecke jeden Frühling etliche weitere und bestimmt kann das noch lange so weitergehen - man schnuppert auch viel zu selten an allen Pflanzen, daher ist es oft schwer zu wissen, welche Pflanzen denn nun duften.
  • Corydalis malkensis - kaum erwähnt, aber dieser weiße Lerchensporn duftet ganz zart. In großen Beständen (auf dem linken Bild zu sehen, allerdings nicht in meinem Garten) wird das natürlich deutlicher, aber auch Einzelpflanzen nimmt man wahr.
  • Convallaria majalis, das Maiglöckchen, duftet bekannterweise. Das tun auch die vielen Sorten, wenngleich nicht so stark, wie etwa das auf dem mittleren Bild zu sehende 'Rosea'. Es gibt auch etliche Varietäten mit panaschiertem Laub.
  • Tellima grandiflora, die Falsche Alraunenwurzel, ist eine dankbare, mittelgroße Staude für alle möglichen halbschattigen Lagen. Sie hat runde, zierende Blätter und ganz feine, luftige Blütenstände, die, man würde es kaum für möglich halten, deutlich duften. Allerdings gibt es Varietäten, die das nicht tun. Daher: Schnuppern und einfach rausfinden (Bild rechts).
  • Speirantha convallarioides - eine Maiglöckchenverwandte mit ähnlichem Duft
  • Allium ursinum, der Bärlauch. Ob Duft oder nicht mehr, das ist Geschmackssache, jedenfalls nimmt diese Pflanze auf jeden Fall einen olfaktorisch Rang im Garten ein!
  • Actaea racemosa - die Silberkerze (früher Cimicifuga), verströmt im Hochsommer und Herbst einen herrlichen Duft im ganzen Garten. Sie sollte nirgends fehlen, zudem ist sie, ganz im Gegensatz zu den anderen Schattenduftern, die eher unscheinbar sind, eine ausgesprochen auffällige Staude.
  • Daphne mezereum, der Seidelbast, blüht ganz im Frühling, oft schon im Februar, und duftet, dass man - gerade nach dem Winter - eindeutig merkt, dass es nun warm wird. Eigentlich sollte man ein paar Daphnes haben und sie im Garten verteilen, damit es überall ein wenig duftet.

Kommentare:

  1. Hallo Katrin,
    jetzt bin ich aber verblüfft: Tellima habe ich reichlich im Garten, aber noch nie an den Blüten gerochen! Das muss ich unbedingt nächstes Jahr mal machen!
    VG
    Elke

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  2. Liebe Katrin, ich hätte heuer auch so gerne ein Schattenbeet angelegt bzw. habe es auch getan, aber unter den großen Solitärbäumen wächst einfach nichts. Es sind fast alle Pflanzen verkümmert, nur einige wenige konnte ich retten und an einen anderen Platz übersiedeln. Sollte ich mal andere Möglichkeiten haben, weiß ich ja, wo ich nachlesen kann :)

    lg kathrin

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  3. Hallo Katrin,
    wie Du sicher schon gemerkt hast, nehme ich mir ein Beispiel an dir. Ich möchte in meinem Block auch etwas mehr schreiben und Bilder zeigen. Deine Beiträge gefallen mir immer sehr gut, weil sie informativ sind.
    Du schwärmst so von Hesperis matronalis 'Alba' und zeigst einen gesunden Busch im ersten Bild. Ich hatte gerade beschlossen, sie nicht mehr zu pflanzen. Sie kippte rettungslos um und im Juli-Regen verfaulte auch noch ihr ganzer Wurzelstock (Näheres unter:http://www.wildstaudenzauber.de/Stauden/hesperis_matronalis.htm

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  4. Danke Kathrin, die Silberkerze hab ich mir fest vorgenommen für nächstes Jahr! Allerdings muss ich dann aufhören, überall Hostas zu verteilen, die fühlen sich bei mir sehr wohl und die großen, weißen Blüten duften auch ein wenig. Du kennst sicher den Sortennamen, ich noch nicht, weil ich Ableger von meinen Eltern bekommen habe. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man durch den Garten streift und eine Duftwolke herweht!
    Danke für diese Zusammenstellung und schöne herbstliche Grüße nach Oberösterreich
    Elisabeth

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  5. Düfte sind für mich auch sehr wichtig. Manchmal mache ich mich richtig auf die Suche was da denn duftet. Lunaria rediviva wächst bei mir auch gut.

    Wieder ein sehr informativer Beitrag. Danke dafür.

    Viele Grüße
    Sigrid

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  6. eine serie für mich :))))

    freue mich schon sehr auf die fortsetzung, Katrin.

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