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Diese Internetseite bündelt meine aktuellen und früheren Gartenaktivitäten. Von 2010 bis 2019 stand hier im Blog der Garten rund ums Haus meiner Eltern im Fokus - zahlreiche Beiträge behandelt vor allem die dortigen Schattenbeete und die die Anlage eines Kiesbeets. Dieser Garten existiert nach wie vor - ich wohne aber nun seit sieben Jahren ein Stück weit entfernt auf einer kleinen Landwirtschaft, wo langsam aber sicher ein neuer Garten entsteht. Diesen zeige ich ausführlich auf meiner Instagram-Seite. Daneben gibts es hier Infos über meine Bücher, Vorträge und Infomaterial verschiedenster Art. Stöbern Sie gern auch im Blogarchiv!

21. Februar 2015

Erste Arbeiten im Frühlingsgarten

So lange kam mir der Winter heuer gar nicht vor, aber vielleicht wird das ja noch. Die vergangene Woche stand jedenfalls ganz im Zeichen der Frühjahrsarbeiten. Zwar taute der Schnee aufgrund der kalten Nächte und zum Teil nebligen Tage nur sehr langsam, aber einige Gartenteile waren schon so frei, dass ein Rückschnitt möglich war.

Im Gegensatz zu früher muss ich immer eher mit dem Zurücknehmen der Stauden beginnen, weil die darunter angesiedelten Frühlingsblüher immer mehr werden. Und ich baue die Frühlingssituation weiter aus: Heuer sind schon einige Frühlingscyclamen eingezogen und es werden noch viel mehr werden.

Diese Schneeglöckchen verbreiten sich durch Aussaat und bilden sehr lockere Bestände mit einzeln stehenden Pflanzen

Ob Schneeglöckchen wirklich Biowärme produzieren ist, soweit ich weiß, noch umstritten. Ich glaube vielmehr die Theorie, dass die dunkleren Pflanzenteile einfach schneller Erwärmen und im Gegensatz zur weißen Umgebung, die alles Licht und damit Wärme abstrahlt, diese aufnimmt und deshalb Löcher in den Schnee schmilzt. Egal, warum - es ist schön anzusehen, wie die zarten Pflanzen aus dem Schnee auftauchen und völlig unversehrt aussehen.

Weite Bestände meiner Galanthus liegen noch tief unterm Schnee

Es empfiehlt sich absolut, Flächen mit vielen Geophyten wenn nicht im Herbst, dann zumindest an sonnigen, schneefreien Wintertagen zurückzunehmen und gleich zu mulchen. Somit spart man sich das Geturne im Frühling und kann entspannt auf das Erscheinen der Blüten warten. Weil ich zwar nicht dekoriere, aber gern fotografiere, habe ich die Schneeglöckchenflächen heuer mit dunklem Mulch vom Herbst bestreut, damit die Blüten mehr hervorleuchten.



Wie sehr sich eine Gartenszenerie wandeln kann, zeigt diese Collage. Das Bild links oben stammt vom letzten Sonntag, ich habe es im letzten Beitrag gezeigt. Ich habe dann am Dienstag begonnen, freigetaute Stellen langsam zu schneiden (rechts oben) und gestern am Nachmittag war es schließlich möglich, fast alle Staudenstängel anzuschneiden. Mit Hilfe habe ich es geschafft, das herrlich trockene Schnittmaterial gleich zu häckseln und im Anschluss auf die Beete aufzubringen - nun sind die Beete frühlingsfit, wie das letzte Bild rechts unten - aufgenommen schon nach Sonnenuntergang - zeigt.


Ein Starkstromhäcksler ist sinnvoll, wenn man größere Mengen an Schnittgut zu bewältigen hat

Es staunt mich immer wieder, wie wenig Material ein Haufen Schnittgut nach dem Häckseln wirklich ist. Die gewonnene Menge reicht immer gerade mal für die drei Beete, wobei dieses Mal sogar noch jede Menge Material vom Heckenschnitt und vom Zurücknehmen einiger Bäume dabei war.

Weil Mikroorganismen zum Zersetzen des Mulchmaterials Stickstoff benötigen, ist es sinnvoll, vor dem Mulchen mit Hornspänen oder anderen Düngern die Stickstoffmenge zu erhöhen, damit die Stauden nicht zu kurz kommen. Sobald der Mulch zersetzt ist, wird der Stickstoff ohnehin wieder zugänglich.


De Reinigungsteich ist völlig mit Schilf bewachsen

Eine Arbeit für die letzten frostigen Tage des Winters ist der Rückschnitt des Schilfs am Reinigungsteich - es ist um ein Vielfaches einfacher, die Stängel mit der Sense am Eis zu schneiden als sie mit der Teleskopschere einzeln u kappen und dann mühsam aus dem kalten Wasser fischen zu müssen.


An sonnigen Stellen tauchen die ersten Schneeglöckcken auf
Wo die Sonne hinkann, ist alles schon aufgetaut, aber eine richtige Schneeglöckchenblüte kann ich noch nicht herzeigen - sie sind alle erst am Austreiben und brauchen noch ein paar warme, sonnige Tage.


Cyclamen coum / Blütenstand von Matteuccia orientalis / eine frühe Christrose

Wer auf frühe Blütenteppiche steht, sollte an halbschattigen Stellen oder in den absonnigen Teilen von Staudenbeeten Frühlingscyclamen ansiedeln. Sie sind umkompliziert, säen sich gut aus und werden von Ameisen immer weiter verbreitet und blühen zuverlässig schon im Februar. Mein Traum wären große rosa Flächen... das dauert etwas, aber wenn man mit großen Pflanzen startet, ist es eine Sache von wenigen Jahren.


17. Februar 2015

Einmal noch Raureif...

... war uns der Winter vergönnt, bevor ich diese Woche die Beete schneide. Das Beet links im ersten Bild habe ich heute schon zurückgenommen, die anderen beiden müssen erst freitauen, damit ich weiß, wohin ich treten kann, ohne Frühlingsblüher zu zerquetschen - ein Problem, das ich immer dann habe, wenn in Wetterperioden mit tagsüber Sonnenschein die Nächte noch so kalt werden, dass der Schnee nur äußerst langsam jeden Tag ein paar Meter zurückkriecht.

Die Fotos sind jedenfalls ein guter Beweis, dass standfeste Stauden auch am Ende des Winters noch gut aussehen können und von Zerbröseln und Umfallen nichts zu sehen ist. Mit diesem Post seid ihr also von meinen Winterbildern erlöst und am morgen sind dann die Frühlingsblüher dran, die schon überall aus der Erde gucken :-) und von mir auch schon fleißig fotografiert wurden. Die Winterbilder hier wurden am Sonntag in der Früh von meinem Vater aufgenommen (danke :-) ! ).


Die Sommerstaudenbeete sind im Winter besonders schön, weil hier hohe und standfeste Stauden vertreten sind, die sich robsut gegen die Witterung erwiesen haben und deshalb auch noch im Februar als Zierde dienen können.

In den Schattenbeeten taut es lagebedingt als erstes (was etwas paradox ist, aber den Schattenblühern recht entgegenkommt). Hier ist weniger die Höhe das interessante Element als vielmehr die verschiedenen Blatttexturen, die auf den Beeten noch zu sehen sind. Schneebedingt sieht man natürlich nur wenige, aber Epimedium und Helleborus fallen auch hier schon auf.

Das neueste der Sommerstaudenbeete geht heuer in das fünfte Jahr. Dementsprechend groß sind die Stauden und dementsprechend schön ist der winterliche Reifeffekt.

Dieses Beet ist ein Jahr älter. Es hat ebenfalls einen Wasserdost als höchste Staude und es gibt kaum Pflanzen, die einem Beet so lange Zeit Struktur geben können! Das Eupatorium ist damit von Ende Mai, Anfang Juni bis zum Rückschnitt im Februar oder März tonangebend und damit eine wirklich verdiente Leitstaude.

Am Teich ist die Lichtstimmung im Winter besonders schön, weil die Sonne so tief steht, dass sie durch die Bäume an der Straße hindurchfallen muss. Daher gibt es dort nur angenehmes Streullicht, was die große zugefrorene Wasserfläche des Teichs in verschiedene Schattierungen taucht.

Kater Oskar mag am Winter das rutschige Eis am Teich am liebsten. Die mangelhaften Vertsteckmöglichkeiten ärgern ihn aber doch ein wenig... und die Sonne fehlt ihm wohl auch ;-)

Elfenblumen haben ganz festes, hartes Laub, das den Winter mit Schnee und Frost völlig unbeschadet übersteht und auch nach mehrmaligem Einfrieren und Auftauen noch schön anzusehen ist.

Im Kiesbeet am Haus fällt das Silberährengras, Calamagrostis bachytricha, nun langsam um. Hier wird es Zeit für einen Rückschnitt, der hier ausnahmsweise nicht als Mulch ausgebracht, sondern weggefahren und woanders aufgetragen wird. Kiesflächen sind bei uns tendeziell zu fett und profitieren vom Nährstoffabtrag.

Und als Abschluss noch einmal die raureifüberzogenen Blütendolden des Wasserdosts. Ich denke, er ist eine meiner Lieblingsstauden :-).

9. Februar 2015

Was dieses Jahr im Garten ansteht

Nicht erschrecken, die Bilder sind nicht von heuer - ich habe sie gefunden, als ich letztens (und vielleicht kennen das auch andere, die ab Mitte Jänner langsam Vorfreude auf den Garten bekommen) in den Fotos vom letzten Frühling herumgeklickt habe und innerhalb wenigen Minuten unendlich viele Ideen hatte, was denn nun eigentlich sofort gemacht werden sollte, wenn es denn bloß schon so weit wäre.

Denn genau daran scheitert es: Im Moment liegt Schnee, aber nicht Mengen winterlichen Ausmaßes, die man beglückt fotografieren und zufrieden durchstapfen könnte, sondern grad ein paar langweilige Zentimeter, die Gartenarbeit unmöglich machen und für ein schönes Landschaftsbild zu wenig sind. So graut der Garten langweilig vor sich hin und ich klicke mich durch die letzten zehn Jahre Frühlingsfotos, was die Sache nicht besser macht. So gab es nicht wenige Frühlinge, an denen ich um genau diese Zeit schon den Rückschnitt angehen konnte... was mich natürlich nicht gerade geduldiger stimmt.



Ich habe daher eingelenkt und mir eine kleine Liste erstellt; mit Dingen, die ich im Laufe des Gartensjahrs unbedingt erledigen möchte. Vielleicht erhöht sich so die Chance, dass das wirklich der Fall sein wird und für den Blog ist es ein wichtiger Beitrag ganz im Sinne meiner Ideen vom Beginn des letzten Jahres (ja, auch da habe ich herumgeklickt, diese Wintertage aber auch...), wo ich mir ganz vernünftig überlegt hatte, mehr Authentizität zu bloggen, was bedeuten sollte: Mehr gescheiterte Beete, mehr verunkrautete Flächen, mehr verlorene Gestaltungsideen, mehr Ecken, wo man sich denkt, aber hallo, das soll geplant sein?

Dieses Vorhaben ist, ich erinnere mich noch an die ersten euphorischen Ansätze, an den vielen schönen Motiven, die der Garten zu bieten hatte, gescheitert. Tatsächlich gibt es im Garten eine Menge Ecken, die kein Bild wert sind, nicht einmal ein paar digitale, zur Genüge vorhandene Bits und die ich daher nie, auch nicht in Ansätzen, fotografiert habe. Das ist schade, denn jetzt hätte ich sie brauchen können, aber ich filtere sie offenbar aus, sie üben keine Reiz aus, wenn ich mit dem Fotoapparat - es müssen wohl einige hundert Male gewesen sein letztes Jahr - vorbeitigere.

Daher wirkt das jetzt alles recht unrealistisch und ihr müsst meinen Worten glauben, wenn ich zu verbessern plane, was auf den Bildern irgendwo winzig zu sehen ist. Das Bild oben jedenfalls soll mich daran erinnern, dass ich große Horste von Schneeglöckchen unbedingt teilen sollte; noch öfter, als bisher und noch rascher als zuletzt und überhaupt, Galanthus wachsen prima und vermehren sich sehr viel schneller, wenn man das tut, weshalb das meine erste Tätigkeit sein wird, wenn der Schnee weg ist. Ein realistisches Ziel :-).



Weiters möchte ich - am besten noch im Winter, also bevor es so sprießt wie am Bild - die Hecke links deutlich auslichten. Wie man erkennt, ist das ein ziemliches Gewirr an Ästen unterschiedlichen Alters und auch wenn ich dort Schatten brauche, es wird im Sommer zu finster dort und außerdem gehört die Hecke verjüngt. Ich arbeite nun schon seit Jahren daran, aber heuer könnte ich es schaffen, endlich die gesamte Hecke verjüngt zu haben.



Dieses Beet - oder besser, die Begründung, warum mit diesem Beet etwas passieren muss - ist meinem inneren Bildfilter zum Opfer gefallen. Leichtsinnigerweise habe ich dort erste Anfänge von Giersch unbeachtet gelassen ("Der hat dort zu wenig Licht und wird vergehen. Ganz sicher.") und darauf vertraut, dass er von selbst verschwinden würde (darauf sollte man nun wirklich nicht vertrauen, aber es hätte ja sein können. So dunkel, wie es dort im Sommer ist, zwischen an den hohen Stauden... Das war dem Giersch jedenfalls sehr egal und er durchwandert nun schon mehrere m² des Beets und ich werde ihn nie mehr ganz entfernen können. Aber zumindest eindämmen, das werde ich versuchen.


Mit mehr Freude und mit produktiveren Arbeitsschritten verbunden ist mein nächster Plan: Ich möchte viele kleine Sämlinge, die irgendwo aufgehen und freudig begrüßt werden, vom grünen Schlund des Gartens retten und in kleinen Töpfen oder besser - Styroporboxen! - heranziehen zu kräftigen, robusten Stauden, die in meinen Beeten größere Überlebenschancen haben als ihre kleinen Alter Egos.

Was das Bild da oben nun damit zu tun hat? Wer genau schaut, sieht im linken vorderen Bildteil, am Rand des Beets und damit in Klingenreichweite des Rasenmähers, einige kleine Frühlingsplatterbsen aufgehen. Lathyrus vernus sind allerliebste Pflanzen und nachdem ich nun schon Jahre damit verbringe, hübsche Farbvarianten aufzukaufen, sollte ich wirklich mehr Sorge für die winzigen Sämlinge tragen, die ganz sicher in allen Farbschattierungen blühen würden - wenn sie denn je dazu kämen.

Der hiesige Supermarkt jedenfalls hat mit leichtem Befremden den ersten Schritt für mein Vorhaben unterstützt, indem er mir Isoboxen zur Verfügung stellte, in denen der Fisch angeliefert wird ("Könnte ich bitte... *erklär, blabla...*" - "Die haben aber Löcher!" - "Macht nichts." - "Die haben auch keine Deckel mehr." - "Macht nix, brauche ich nicht." - "Wieviele wollen Sie? Eine?" - "Alle, die Sie haben." - "Zwei?" - "Gibts nicht mehr?" - "Naja schon,....").



In der Literatur öfters verschwiegen und auch sonst nicht sehr bekannt - wenn die Winter nicht zu kalt sind und man düngt und öfter mal umpflanzt, können Epimedien sehr gut in Töpfen gehalten werden. Das ist gut für Leute wie mich, die kalkmeidende, asiatische Epimedien sammeln, die in herkömmlichen Staudenbeeten leicht untergehen, überwachsen werden oder den Schnecken zum Opfer fallen und die gleichzeitig einen vollschattigen Innenhof zur Verfügung haben, der asiatische Epimedien mit null Ahnung vor heimtükischen mitteleuropäischen Wintern samt ihren fiesen Warmphasen und ausgeprägten Spätfrostereignissen haben aufgrund des Lichtmangels schön einbremst.

Dort kann ich solche Epimedien  prima aufpäppeln und entweder im Topf lassen oder zur Gänze oder zum Teil auspflanzen, sobald sie groß genug sind. Man muss sie nur rechtzeitig retten und genau das möchte ich mit ein paar von ihnen heuer machen.


Das nächste Vorhaben ist so alt wie meine Gartenteile. Ich weiß nicht, ob ich es jemals werde zur Großteil umsetzen können, dabei wäre es so vernünftig: Pflanze pflanzintensive Stauden, die du eigentlich dort nicht haben willst, die aber trotzdem auftauchen, bezeiten um. Siedle sie aus, gib ihnen schöne Plätze, verschenke sie, rode sie, jäte sie, lege neue Beete für sie an... aber denke nicht, sie hätten Platz. Hoffe nicht, es ginge sich aus und warte vor allem nicht, bis sie so groß sind, dass etwas anderes schon ihretwegen verstorben ist. Greife rechtzeitig ein.

Findet jemand das störende Element am Bild oben? Richtig - jeden Menge Schattenstauden, eine Peltoboykinia, ein hübscher Polystichum setiferum 'Herrenhausen', ein wundervolles Epimedium, sehr hübsches dunkelblättriges Habichtskraut - und dazwischen ein sehr gewöhnlicher, aber natürlich netter Wiesenstorchschnabel, überhaupt, Storchschnabel. So eine schöne Pflanze. Was das Problem ist? Das Bild oben ist von Mai - und im September war das Geranium fünfzehnmal so groß. Ich hoffe, alles rundherum lebt noch. Und ich lerne daraus. Auch andersherum: Pflanze nie ein Geranium in den Schatten. Es wächst dort nicht. Außer natürlich, es ist von selbst dort aufgetaucht.



Hier gibt es nicht viel zu berichten. Der Acanthus hat meinen Filter überbrückt und ich habe ein Bild geschossen, von einem Beet, das voller Unkraut ist. Der Dreiklang Acanthus - Hemerocallis - Phlomis ist fast unsichtbar und was wie eine charmante Wiese aussieht, ist ein Chaos aus allem, was so von selber aufgeht. Dort werde ich schlicht renovieren müssen, dann wird es wieder ein schönes Beet.


Und mein bislang letztes Vorhaben für heuer ist ein Plan, den ich wohl leichter umsetzen kann: Verwende mehr Astern! Astern sind schön und jeden September und Oktober bemerke ich, dass alle mehr Aster haben als mein Garten, überall wachsen sie, die Bienen freuen sich und ich sammle Namen und Sortenbezeichnungen von schönen Exemplaren.

Pflanze sie schon im Frühling!

Und lege neue Beete an.

Aber dazu später im Jahr mehr.

Guten Start in den Frühling! Kommende Woche geht es los :-).

18. Januar 2015

Beispiele für wintergrüne Stauden (1) - oder: Wenig Neues Mitte Jänner

Wie versprochen mein Versuch, wintergrüne Stauden ansprechend zu präsentieren. Leider hat mir das Wetter in mehrerlei Hinsicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht nur, dass es einfach nicht richtig hell werden wollte, der Schnee hat auch ziemlich viel zerquetscht und etliches, das rund um Weihnachten noch hinreißen aussah, liegt jetzt der Länge nach da und sollte eigentlich besser abgeschnitten werden. Trotzdem: So sieht der Garten nunmal aus und wer genau hinschaut, findet schon jede Menge Hinweise auf das neue Gartenjahr!

Cyclamen coum, die Frühlingszyklamen, stehen schon in den Startlöchern. Die eine oder andere Blüte schaut schon raus, viele, viele weitere warten unter den Bkättern und dem Mulch auf warme Tage. Weil die Cyclamen ihr Laub nach der Sommerruhe neu getrieben haben, sieht es den ganzen Winter über schön aus, ungerührt von Schnee und Wind. Die vielen kleinen Blättchen gehören zu Sämlingen, die ich demnächst pikieren werde, damit auch sie die Chance haben, zu einer schönen großen Pflanze zu werden.
Seggen, wie hier die robuste Carex morrowii ssp. foliosissima 'Icedance' sind für schattige Partien äußerst empfehlenswert, weil sie den ihnen zugedachten Platz schnell einnehmen und das ganze Jahr über halten. Kaum eine Pflanze sieht das ganze Jahr so adrett aus!
Eher unbekannt, weil weder mit großen Blüten noch besonders auffälligen Blättern ausgestattet ist Tellima grandiflora. Die Pflanze ist jedoch robust, deckt den Boden mit kurzen, liegenden Trieben und färbt im Winter hübsch auf Purpur um. Wenn ich dran denke, pflanze ich ein Exemplar an einen prominenteren Platz und vergesellschafte es mit schönen Partnern. Die Blüten im Frühling sind ganz zart und fein und bringen ein hübsches Flirren in die Schattenbeete.
Elfenblumen (Epimedium) sind fast alle im Winter grün oder bekommen rotes, gelbes oder fast schwarzes Laub. In größeren Mengen eingesetzt ermöglichen sie eine erstaunliche Fernwirkung.

In der Sonne ist es im Moment die Nieswurz, Helleborus foetidus, die Grün ins Welke bringt. Sie beginnt demnächst mit ihrer Blüte und wird damit die erste Nahrung des Gartenjahrs für viele Insekten bieten. Daneben auch noch grün ist eine Wolfsmilch, nämlich Euphorbia amygdaloides 'Purpurea', die auch im Winterhalbjahr ihre namensgebende Färbung behält.
Wer genau schaut, kann die einen oder anderen Schneeglöckchen sehen, die jetzt schon ihr Glück versuchen. Bei mir sind es eine kleine Gruppe sehr gut selbstversäender Galanthus, die jetzt schon blühen. Die üblichen anderen, die kleine Tuffs bilden, sind noch deutlicher weiter zurück, manche schauen erst mit den Blattspitzen aus dem Boden. Warum die hier schneller sind, weiß ich nicht - aber ich habe mich gefreut, als ich sie heute entdeckt habe.



Der Blick über die Schattenbeete zeigt: Grün ist noch vieles und von leer kann keine Rede sein. Hier sind es vor allem Helleborus mit ihrem unverwüstlichen Laub, das stets bis zum Frühling ansehnlich aussieht, daneben ein Teppich aus Schaumblüte (Tiarella cordifolia) und im Hintergrund eine größere Gruppe Vinca major, dem großen Immergrün. Es hat nicht nur schön grüne, aufrechte Triebe und einen gesegneten Ausbreitungsdrang, sondern auch wunderschön samtig-violette Blüten, die im Spätfrühling erscheinen. Deshalb darf es bleiben - und gerne größere Flächen bedecken. Vor sanften Schattenzwergen sollte man es aber fernhalten :-)

Viel Freude in den letzten Winterwochen! Genießt die Zeit, denn wenn es so weitergeht, werden wir bald mit der üblichen Frühingsarbeit loslegen können (und ich hoffe so sehr, ich täusche mich und schneit noch ein...).

10. Januar 2015

Eindrücke vom (kurzen) Winter

Nicht mehr ganz aktuell, aber wer weiß, ob sie das diesen Winter jemals wieder werden, sind die Bilder vom Anfang des Jahres. Wir hatten fast 40cm Pulverschnee, der so fein und unklebrig gefallen ist, dass keine Stauden geknickt, sondern sich wie eine Decke zwischen sie gelegt hat. In Verbindung mit der Sonne hat das ganz zauberhafte Effekte ergeben, die von Papa in aller Frühe eingefangen werden konnten (vielen Dank dafür!). Sie sind ein weiterer Stein in meiner Sammlung der Argumente, die für einen Rückschnitt erst im Frühling sprechen.

Klarerweise habe auch ich im Herbst einen Rückschnittdurchgang duchgeführt und all das zurückgenommen, das schlapp und hässlich in den Beeten herumgelegen ist. Zurück blieben alle stabilen, straff aufrechten Stauden, die auch als Strukturgeber taugen und ohne Probleme bis zum Frühling durchhalten.


Dieses tolle Gras ist einfach so im Beet aufgetaucht. Ich konnte mir seine Herkunft nie ganz erklären, bis ein kundiger Besucher diesen Sommer auf mein Achselzucken zum Namen die klärende Frage stellte: Ob ich denn irgendwo Schilf hätte? Na klar habe ich, im Teich - und wenn Schilf keinen Teich hat, bleibt es klein und gedrungen, wächst ganz geziemt und bildet im Beet das ganze Jahr über einen Blickfang. Gut, dass es sich ausgesät hat - auf die Idee, Schilf in Beeten zu verwenden, wäre ich nämlich im Leben nicht gekommen.

Reste von Helenium, Agastachen, Phlox und Artemisia abrotanum - hohe Stauden sind ein halbes Jahr lang für den 3D-Effekt im Garten verantwortlich. Die paar Sämlinge, die dafür auch auftauchen, verkrafte ich - und topfe sie, verschenke oder verpflanze sie an Stellen im Garten, wo noch keine Agastachen wachsen.

Wer würde denn bei so einem Anblick noch ein leeres Beet haben wollen? Leucanthemellas verlieren ihre Blüten nicht, sondern diese verwelken zu kleinen Mini-Abbildern ihrer selbst, die wie kleine braune Winterblüten in der Sonne leuchten. Dazu die Knöpfe der Monarden und im Hintergrund die Blütenstände der Molinias, die wie kleine Perlenschnüre im Licht glitzern.

Molinia arundinacea 'Transparent' wird immer eine goldbraune Herbstfärbung nachgesagt - wohl wahr, sie bleibt sogar bis in den Frühling hinein bestehen, was in einer farbarmen Umgebung wie Tiefschnee natürlich besonders schön wirkt.

Agastachen, Reste von Phlox und die kleinen schwarzen Blütenknöpfe von Kalimeris incisa 'Madiva' - Sommerastern sind wahre Helden im Staudenbeet, ohne jegliche Pflege, Rückschnitt, Anbinden oder sonstiges zieren sie von der Blüte im Juni bis zum Rückschnitt im Spätwinter; welche Staude kann das schon 9 Monate von sich behaupten?


Nochmal das Schilf, weil es gar so schön ist :-)

Und als Abschluss Deschampsia flexuosa (vermutlich), dessen Blattschopf sich als Hügel unterm Schnee abzeichnet.

3. Januar 2015

Wintergrüne Stauden

Stauden, deren Blattwerk so robust ist, dass es den Winter über nicht erfriert, welkt und verschwindet, stellen eine kleine Besonderheit dar - denn eigentlich definieren sich Stauden dadurch, dass eben gerade diese oberirdischen Teile abfrieren und sie jeden Frühling von Neuem loswachsen müssen. So tun das auch die meisten: Sie treiben im Frühling aus und welken vor dem Winter - manche schon sehr früh, gleich nach der Blüte im Frühling, andere im Laufe des Sommers und einige erst sehr spät, am Beginn der neuen Vegetationsperiode. Diese betreiben mit ihrem Laub auch in der kalten Jahreszeit Photosynthese und viele von ihnen - aber nicht alle! - nützen diesen Vorteil für eine frühe Blüte.

Für die Verwendung im Garten sind diese Pflanzen natürlich sehr interessant, denn sie ermöglichen uns, auch in der vegetationsarmen Winterzeit - die in vielen Regionen Mitteleuropas von November bis März reicht und damit fast ein halbes Jahr einnimmt - zu gestalten und keine leeren Beete betrachten zu müssen.


Im Schatten wachsen Elfenblumen (Epimedium) zusammen mit Leberblümchen (Hepatica transsilvanica).

 Naturgemäß wachsen die meisten wintergrünen Stauden im Schatten. Das ist kein Zufall, sondern Folge von geschickter Anpassung: Denn nichts ist für eine wintergrüne Stauden problematischer als Sonne, die ihre Blätter zur Verdunstung von Feuchtigkeit zwingt. Dadurch müssen die Pflanzen auch im Winter Wasser aus dem Untergrund ziehen, was bei gefrorenem Boden unmöglich ist; die Pflanzen vertrocknen. Im Schatten, selbst wenn Laubbäume im Winter lichtdurchlässiger sind, ist diese Gefahr geringer, auch wegen des Falllaubs, das einen Teil der Blätter überdeckt.

Wintergrüne Stauden in der Sonne sind meist graulaubig und haben Blätter mit fester Struktur, die nicht so leicht welken, z.B. Polsternelken (Dianthus), manche Schwertlilien (Iris), Wolfsmilcharten (Euphorbien) oder etliche Steingartenstauden und alpine Gewächse. Ausnahmen sind Bergenien, die bei Wintersonne mit Frost  aber auch mal schlapp daliegen (und sich dann wieder erholen) und einige kurzlebige Stauden wie Lichtnelken (Silene dioica), die es einfach riskieren, manche Winter nicht zu überleben, da ihr Fortbestand durch Samen im Boden ohnehin gesichert ist.


Schlangenbart (Ophiopogon) mit Cyclamen und Segge (Carex), die Hosta daneben ist schon eingezogen.


Robuste wintergrüne Stauden für den Schatten sind folgende
  • etliche Gräser, besonders aus der Gattung Carex (z.B. 'Snowline', oder C. pendula), auch Luzula sylvatica
  • viele Farne (Polystichum setiferum, Asplenium scolopendrium, Dryopteris erythrosora,...)
  • Elfenblumen (Epimedium), teilweise verfärben sie auch Richtung Gelb oder Rot
  • Immergrün (Vinca minor, Vinca major)
  • Christrosen (Helleborus)
  • Schaumblüte (Tiarella, besonders, weil sie den Boden decken), sowie deren Verwandtschaft Heuchera und Heucherella, auch Mitella und Tellima
  • Milzkraut (Chrysosplenium macrophyllum, C. davidianum, C. alternifolium)
  • Buntnessel (Lamium und auch Lamiastrum, letzteres wuchert aber)
  • Leberblümchen (Hepatica nobilis ist etwas klein, aber H. transsilvanica hat auch Fernwirkung)
  • Cyclamen (C. coum, C. hederifolium, C. purpurascens)
  • Aronstab (Arum italicum), kann in Lehmboden riesig werden!
  • Haselwurz (Asarum europaeum), deckt den Boden
  • Disporum pernyi, D. cantoniense
  • Geranium macrorrhizum
  • Ophiopogon (Schlangenbart, schwarzes Laub) 

Manche Storchschnäbel, wie hier Geranium psilostemon 'Madelon' bilden bodennahe Blätter, die in milden Wintern oder unter Schnee grün bleiben können. Für flächige Effekte sind sie aber nicht geeignet, da sie bei Frost schnell zermatschen.

Wenn man mit wintergrünen Blättern plant, sollte man, wie auch sonst im Beet, mit Gegensätzen spielen und großes Laub zu kleinem gesellen, feine Blätter mit großen Partnern kombinieren und einige Stauden flächig verwenden, da so der Effekt verstärkt wird.

Wichtig ist auch, den wintergrünen Stauden Platz zuzugestehen, da die meisten auch im restlichen Jahr sichtbar sind und daher ergänzende Stauden nicht wie etwa bei Zwiebelpflanzen als zweite Schicht darübergepflanzt werden können. Nur Cyclamen können als Unterpflanzung verwendet werden, da sie im Spätfrühling einziehen und erst im Spätsommer wieder erscheinen.




Die grünen Pflanze auf dem Bild, das ich im Dezember schon einmal im Blog gezeigt habe, sind unten angeführt. Man muss allerdings bedenken, dass es in diesem Jahr erst um Weihnachten das erste Mal Frost gab und daher einige Stauden grün blieben, die sonst schon welk wären (besonders das Kaukausvergissmeinnicht, Brunnera).
  • Brunnera macrophylla
  • Symphytum grandiflorus
  • Helleborus (Hybriden)
  • Tiarella cordifolia
  • Pentaglottis sempervirens
  • Chrysosplenium alternifolium
  • Asplenium scolopendrium
  • Vinca minor
  • Vinca major
  • Carex 'Snowline'
  • Geranium macorrhizum
  • Polystichum setiferum 'Herrenhausen'
  • Disporum cantoniense 'Aureovariegata'
  • vereinzelte Phlox

Carex, Helleborus foetidus und Polystichum setiferum bieten für Cyclamen und Hepatica schon Anfang März einen herrlich grünen Hintergrund.

Wer sehr haltbare wintergrüne Stauden wie Farne, Helleborus und Carex kombiniert, kann für Frühlingsblüher wie Leberblümchen einen fast unwirklich grünen Rahmen bieten und muss weder im Herbst, noch im Winter oder im Vorfrühling auf nackte, leere Beete blicken!

Wann man sich dann vom alten grünen Laub trennt, ist jedem selbst überlassen. Bei Farnen kann man es auch dranlassen, manchmal sieht es jahrelang (!) schön aus. Bei Helleborus empfiehlt sich wegen Pilzerkrankungen ein Rückschnitt im Spätwinter - jedenfalls bevor die neuen Blüten erscheinen, da es sonst schwierig wird, die alten Blätter ohne Unfälle herauszuschneiden (ich schreibe aus leidvoller Köpf-Erfahrung). Genauso sollte man es bei Elfenblumen halten: Rückschnitt spätestens Anfang März, wobei gegen Spätfröste und bei vorwitzigen Austrieben eine dicke Schicht aus trockenem Laub die Schutzfunktion der eigenen Blätter ersetzen kann. Einfach abrasieren kann ins Auge gehen, besonders bei empfindlichen asiatischen Frühaustreibern!

Wintergrüne Gräser sollten möglichst nicht zurückschnitten werden. Sie vertragen das nur schlecht und sehen in manchen Fällen das ganze restliche Jahr zerrupft aus. Auch beim Immergrün und bei Heucheras und Verwandten ist kein Eingriff notwendig. Auch Leberblümchen benötigen den Schnitt nicht, aber manchmal kann der Blattschopf so groß sein, dass die Blüten darunter kaum zu sehen sind, dann darf man natürlich nachhelfen.

Wenn es das Wetter zulässt, werde ich in der nächsten Zeit Beispiele für praktische und robuste Kombinationen fotografieren :-).