27. Mai 2015

Wenn der Garten nicht nur uns gefällt

Man zeigt ja in Blogs gemeinhin eher die guten Dinge, die gelungenen Projekte, die sich-doch-besser-als-gedachte entwickelnde Pflanze, das neue Beet, für das man ewig gegraben und siebzehnmal herumgepflanzt hat, eine Blütenkombination, die man stundenlang anschauen möchte und auch sonst vorwiegend das Schöne, Erfreuliche.

Mit dieser Tradition möchte ich heute unfreiwillig brechen und der Anlass ist ein *bitte-hier-alle-widerlichen-Schimpfwörter-die-ihr-kennt* Reh. Es hat den kleinen Zweitgarten, der in einer Streuobstwiese liegt, schon öfter besucht und vor allem Geranium abgefressen, aber dieses Mal hat es drei Viertel aller Pflanzen in einer Nacht weggeknuspert. Offenbar haben wir den gleichen Staudengeschmack, denn alles, was ich mehrfach verwende, wie Phlox und Geranium, mag das Vieh besonders.

Persicaria amplexicaulis 'Firetail' ist zum Glück sehr robust, denn nicht viele Pflanzen würden so eine Radikalabfressung überhaupt überstehen. Das ist letztes Mal schon einmal passiert, daher weiß ich, dass diese robuste Staude damit umgehen kann.

Da der Garten sehr klein ist, etwa 200m² und der gesamte Obstgarten rundherum "geborgte Landschaft" ist und die Stimmung ganz wesentlich beeinflusst, haben wir keinen Zaun errichtet, nur um den Gemüsegarten. Man könnte sowas natürlich verhindern. Aber bisher war keine so systematische Zerstörung zu beobachten und leider habe ich kaum Vorher-Bilder, weil ich auf die Blüte der Storchschnäbel warten wollte.

Im Vordergrund wären eigentlich üppige Phloxe, das schöne rote Laub der Astilbe und links wäre ein Wasserdost, der allerdings ständig niedergefegt wird (als ob der Bock nicht anderswo kein Gestrüpp hätte).

Damit das alles nicht völlig sinnlos passiert ist - außer einem Reh eine große Freude zu machen - hier die Liste aller gefressenen und verschonten Stauden. Wer an Waldrändern gärtnert könnte sich hier Anregungen holen. Was mir seltsam vorkommt, ist die Liebe zu einheimischen Wildstauden - das ist zwar einerseits verständlich, andererseits müssten dann alle heimischen Vorkommen vernichtet sein, was aber nicht der Fall ist. Vielleicht schmecken sie einfach besser, wenn sie in Gärten stehen oder das Reh bevorzugt trockene Beine, denn es hat sich auf den Wegen im Garten bewegt und sich entlang davon delektiert.


Sedum 'Matrona' wird sich vermutlich nicht mehr regnerieren - außer vielleicht mit kleinen Blüten aus den Achseln, ich bin gespannt!

Valeriana alliariifolia ist ein hübscher Baldrian für den halbschatten, mit großen, herzförmigen Blättern. Das scheint auch dem Reh gut zu gefallen. Die Blüten hat es noch nicht erwischt, weil sie erst austreiben, aber ich vermute, auch sie werden nicht lange überleben.

Ganz besonders gerne mag das Reh Geranium. Es wartet, bis die Knospen fast aufgeblüht sind und dann frisst es entweder nur die Blüten  oder, wie bei Geranum x oxonianum und G. psilostemon, die ganze Pflanze ab.



Gefressene Stauden:
  • Astilbe chinensis 'Purpurlanze' (komplett)
  • Aster novia-angliae (Triebspitzen)
  • Astrantia major (Blütenknospen)
  • Bistorta amplexicaulis (die aufgeblühten Blüten)
  • Deinanthe caerulea (teilweise)
  • Filipendula venusta 'Rosea' (bis auf die ältesten Blätter alles)
  • Geranium, alle bis auf G. macrorrhizum (vollständig, Blüten, Knospen, Laub), damit insgesamt 15 Pflanzen
  • Lysimachia ciliata 'Firecracker' (Triebspitzen)
  • Peltoboykinia watanabei (teilweise)
  • Persicaria amplexicaulis (alles bis auf die Stängel, sehr gewissenhaft, auch bei den Sämlingen)
  • Phlox (Triebspitzen und große Blätter)
  • Pulsatilla vulgaris (schon im Frühling die Knospen) 
  • Sedum 'Matrona' (Knospen)
  • Valeriana alliariifolia (komplett)


Schattenbereiche mit Farnen mag es ganz offenbar nicht (vorne rechts fehlen Geranium)



Verschonte Stauden:
  • Alchemilla mollis
  • Allium purpureum
  • Dicentra spectabilis
  • Eupatorium purpureum (aber daran hat sich das nette Tier den Bast gefegt, also auch Totalschaden)
  • Euphorbia polychroma, E. dulcis 'Chamäleon
  • Farne (Adiantum pedatum, Dryopteris goldiana, Osmunda regalis,  Matteuccia struthioperis)
  • Foeniculum vulgare 'Rubrum'
  • Geranium macrorrhizum
  • Galega x hartlandii 'Alba'
  • Gillenia trifoliata 
  • Gräser: Carex, Hakonechloa, Miscanthus, Panicum, Pennisetum
  • Hemerocallis (aber dann, wenn die Blüten kommen... wer weiß)
  • Hosta
  • Iris sibirica, Iris-Hybriden
  • Knautia macedonica
  • Lunaria rediviva
  • Nepeta kubanica
  • Rodgersia podophylla
  • Polygonatum 'Weihenstephan'
  • Pulmonaria offcinalis
  • Sanguisorba-Hybriden
  • Saruma henryi

Also werde ich mich auf diese Stauden konzentrieren müssen...

Abwehrmaßnahmen wie aufgehängte Dinge, die funkeln, oder Duftspray oder Schaum, der abschreckend riechen soll oder auch Tierhaare funktionieren nicht, das habe ich in den letzten Jahren schon probiert - die Rehe hier sind an Menschen gewöhnt und lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen.

Es würde nur ein Zaun helfen und das ist mir für die kleine Fläche zu viel Aufwand und würde mich optisch stören. Ich kann nur froh sein, dass ich im großen Hauptgarten keine Rehe habe, so kann ich die besonders gefährdeten Pflanzen aussiedeln.

Kommentare:

  1. Oh Gott was für eine Schande!
    Ich kann deinen Unmut sehr gut verstehen und würde wahrscheinlich vor Ärger aus der Haut fahren :(. Eine Bekannte von mir hatte auch ständig Ärger mit dem Rotwild (die gingen aber mit Vorliebe auf die Rosenknospen los). Nun haben sie einen Weidedrahtzaun aufgestellt....der fällt bei Betrachtung des Gartens kaum ins Auge und erledigt seine Dienste wunderbar.
    GlG
    LiSa

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  2. Ach du liebe Güte, das ist ja mehr als ärgerlich! Aber selbst wenn du deine Staudenzusammenstellungen änderst, wer sagt dir denn dass nicht auch das Reh seinen Geschmack ändert? Da bin ich richtig froh dass wir mitten in der Stadt wohnen, da gibt es wenigstens keine Rehe sondern nur neugierige Nachbarn. Aber die lassen wenigstens meine Stauden in Ruhe, ganz im Gegensatz zu deinen unerwünschtem Gartenbesucher!

    LG Lis

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  3. Liebe Katrin,
    nimm's mir bitte, bitte nicht übel - ich habe eben herzhaft über Dein Rehproblem-Post gelacht. Denn es treibt Dich wohl offensichtlich genauso zur Verzweifelung wie bei uns die Schnecken und die daraus folgenden Probleme. Und mir scheint, wir lassen uns trotzdem davon beide nicht unterkriegen und versuchen uns mit der Situation zu arrangieren. Wahrscheinlich wäre das aber ganz anders, wenn es nur die einzige kleine Fläche wäre, an der wir uns erfreuen könnten …
    LG Silke

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  4. Hallo Katrin,
    Deine Listen sind sehr hilfreich für viele Grundstücksbesitzer hier in Mecklenburg. Sie haben recht große Grundstücke und deshalb oft keinen Zaun.
    Gerade habe ich mein Problem mit den Katzen gepostet. Es ist vergleichsweise harmlos.
    Ich wünsch Dir einen schönen Spätfrühling.
    LG, Jochen

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  5. Ach du Schreck, Katrin, das ist ja furchtbar! Da würde ich heulen. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen (hier sind viele Gärten betroffen), dass verschiedene Rehe einen verschiedenen Geschmack haben. Nicht immer trifft deine Erfahrung zu, woanders mögen sie andere Pflanzen. Neues Reh, neuer Geschmack. Geranium haben sie bei mir auch immer gemetzelt , und Phlox. Aber das was du erlebt hast, ist unübertroffen.

    Viel Erfolg mit der Umsiedlung. Vielleicht überlegst du es dir mit dem Zaun ja doch nochmal.

    Sigrun

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  6. wie schade um Deine schönen Stauden Katrin, aber Du hast einen super spannenden Beitrag daraus gemacht! Vielen Dank dafür!
    Viele Grüsse von Renate

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  7. es gibt zwei möglichkeiten..einen schlichten wildschutzzaun etwa 2m hoch, den kannst du auch aus 2 übereinandergelegten schafdrahtzäunen bauen, hat den vorteil dass igel noch gut durchkommt, aber der fuchs dich auch verschont.wenn du später rundum rosen.. himbeeren und co pflanzt ,fällt er nicht auf. wir haben bei unserem bauernhof einen doppelreihigen stromzaun, den wir abstellen, sobald uns die enkel besuchen. den sieht man kaum..aber nicht jeder mag sowas und im wohngebiet nicht erlaubt. es gibt noch zäune ,mit denen man schafen über nacht einpfercht, aber die sind wegen kunststofffarben leider sehr störend. als in den letzten jahren die rehe so zutraulich wurden, im garten schon lagerten und viele rosen, merkwürdigerweise nicht alle abknabberten und dann auch obstbäume..da reichte es mir.. nun keine probleme mehr. andere möglichkeit ,du machst dir einen dornigen zaun oder hecke rundum, so wie es in england früher üblich war.. http://freemaninpowys.blogspot.de/2011/11/my-life-as-hedge.html...ich wünsche dir,dass du wieder freude beim betreten deiner rabatten hast. liebe grüße wiebke

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  8. Schade, eigentlich sind Rehe ja liebenswerte Tiere, aber im Garten haben sie nichts verloren. Dabei gibt es außerhalb doch wirklcih genug zu fressen ;-). Das ist wirklich ärgerlich. Ich würde sicherlich über einen Zaun (z.B. einen Staketenzaun o.ä.) nachdenken, die ganze Arbeit, die schönen Stauden... LG Birthe

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  9. "Da der Garten sehr klein ist, etwa 200m²..." MMMhhh, was für ein Luxus! Mein gesamter Garten, inklusive Trockenmauer, Waldgarten, Gemüsegarten und Gewächshaus, hat keine 200m². Wenn ich soviel Fläche zur Verfügung hätte, dass ich 200m² als "sehr klein" bezeichne, würde ich mit Freuden etwas an die Rehe abgeben!
    LG
    Anja

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