10. Februar 2013

Blüten übers ganze Jahr (2) - Die Schattenbeete

Im Schatten ist ein wirklich buntes, dauerhaftes Blühen nur sehr schwer möglich. Das liegt daran, dass ein überwiegender Großteil jener Pflanzen, die in zeitweise beschatteten Bereichen ihren Lebensraum haben, sich natürlich auch an diesen angepasst haben. Sie blühen daher im Spätwinter und im Frühling, solange die Bäume und Sträucher noch kein Laub tragen und ziehen danach entweder ein, oder bilden sehr großes Blattwerk aus, damit sie möglichst viele vom spärlichen Licht erfassen können, das im Sommerhalbjahr auf den Waldboden dringt.


Wer also einen Schattengarten sein Eigen nennt, kann den Frühling und Frühsommer bunt gestalten, den Hochsommer mit einem Schwerpunkt auf Blattstrukturen anlegen und im Herbst auf die Färbungen der Pflanzen achten. Man sollte also am besten keine Blüten das ganze Jahr über erwarten, das wäre nur mit größerem Aufwand möglich - ganzjährige Attraktivität solcher Bereiche ist aber natürlich schon möglich.

Zur Verdeutlichung und weil somit klarer wird, warum man auf den Bildern in manchen Fällen die gleichen Pflanzen sieht, hier ein kleiner Plan. Auf der linken Seite ist Süden, rechts Norden, am unteren Rand Osten und oben Westen.

Bild 1
Aufgenommen am 2.April und am 19. April

Als Beispiel für den farbigen Effekt, den man mit Frühblühern erreichen kann, hier zwei Vergleichsbilder vom letzten Frühjahr. Zwischen den beiden Fotos liegen nur 17 Tage. Man erkennt, dass der Frühling im Schatten sicher am schönsten ist. Hier ein kleiner Überblick über die auf den beiden Fotos zu sehenden Pflanzen.

  • Februar, März, Anfang April: Anemone nemorosa, Anemone ranuncoloides, Hepatica nobilis, Narcissus, Scilla bifolia, Corydalis cava, Corydalis solida, Chionodoxa luciliae, Leucojum vernum, Cardamine (in Sorten und Arten), Hellborus
  • Mitte April, Mai: Brunnera macrophylla in Sorten, Epimedium (verschiedene), Hylomecon japonicum, Lathyrus vernus (verschiedene), Pulmonaria, Fritillaria meleagris, Lunaria annua, Vinca minor, Paeonia mairei, Allium ursinum, Geranium macrorrhizum, Euphorbia dulcis 'Chamäleon'

Besonders gute Fernwirkung haben der Japanische Waldmohn (Hylomecon japonicum) in Gelb, Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera) in Blau und Lathyrus vernus in Rosa, Pink und Lila.

Bild 2
Aufgenommen am 19.April und am 7.Mai

Aus der zweiten Perspektive sieht man das Beet von Osten, dort wachsen vor allem Pflanzen, die auch im Sommer gut aussehen, weil man dort das ganze Jahr über vorbeigeht. Ich habe dort einerseits im Frühling viele kleinere, zarte Schattenpflanzen gesetzt (Dicentra cucullaria, verschiedene Trillium, Jeffersonia diphylla,...), aber der Hauptteil sind robuste Stauden mit gegensätzlichem Laubwerk (Heuchera, Brunnera, Hosta, Tafelblatt), ergänzt um einige Blühstauden, die aber meist nur bis Juni Farbe ins Beet bringen.

  • Februar, März, April: Anemone nemorosa, Hepatica nobilis, Narcissus, Scilla bifolia, Corydalis cava, Corydalis solida, Hellborus, Pulmonaria, Brunnera macrophylla, Hylomecon japonicum, Primula
  • Mai, Juni, Juli: Hosta, Brunnera, Tiarella, Omphalodes cappadocica, Trillium grandiflorum und flexipes, Saruma henryi, Hakonechloa macra, Astilboides tabularis, Fallopia japonica 'Variegata', Lunaria rediviva, Lamium orvala, Heuchera, Dicentra cucullaria, Symphytum, Geranium 'Prelude', Geranium gracile, Geranium maculatum 'Elisabeth Ann', Campanula latifolia 'Alba', Epimedium 'Amber Queen'

Dieses Foto wurde von etwas mehr rechts aufgenommen und zeigt die Pflanzung vom letzten Foto (Bild 2) am 6. Juni. Die Hosta sind nun voll entfaltet.

Ein Problem des fortschreitenden Jahres im Schattenbeet ist, dass viele Stauden ihren Höhepunkt im Frühling oder Frühsommer haben. Einen späteren Zeitpunkt haben kaum mehr Stauden. Ausnahmen bilden Hosta - ihre Blüten tauchen, je nach Sorte, oft erst im August auf und lockern Schattenpflanzungen deutlich auf. Ebenso könnte man Astilben verwenden (ihnen ist es bei mir meist zu trocken) oder die Wachsglocke, von der ich leider kein Foto parat haben. Wirkliche Traumpflanzen für den Schatten sind Wiesenrauten. Die weiße Thalictrum delavayi 'Album' erhellt selbst dunkelste Winkel und blüht im Hochsommer mit einer Wolke aus weißen Blütchen mit gelben Staubgefäßen. Sie neigt sich zum Licht; daher sollte man sie stäben, wenn man auf ein aufrechtes Erscheinungsbild Wert legt.

Roscoea sind Knollenpflanzen und blühen im Hochsommer / Thalictrum delavayi 'Album' wird bis zu 1,5m hoch und hat wunderschönes, fein geschlitztes Laub. Die lila Art ist ebenfalls schön, leuchtet aber im Schatten nicht so sehr.


  • Sommerblüher für den Schatten: Hosta, Astilbe, Rodgersia, Heuchera, Kirengeshoma palmata, Thalictrum rochebrunianum, Thalictrum delavayi, Actae (verschiedene), Collinsonia canadensis, Tricyrtis (Sorten), Deinanthe, Anemonopsis macrophylla, Cyclamen hederifolium, Cyclamen purpurascens

Tricytris / Collinsonia canadensis / Anemonopsis macrophylla

Jene Stauden, die im Frühsommer oder Herbst blühen, sind meist sehr zart und keine riesigen Blickfänge. Man muss daher mehr auf Blattstrukturen, Flächenpflanzungen und den Kontrast der Strukturen untereinander vertrauen.

Das Beet von Bild 2 am 9. August und am 2.November

Im Hochsommer und im Herbst sind viele der Stauden schon wieder eingezogen und bereiten sich unterirdisch auf den Frühling vor. Einige andere Stauden haben sich ausgesät und welken ab diesem Zeitpunkt, andere halten länger aus und bekommen sogar noch eine schöne Herbstfärbung (Hosta, Hakonechloa). Im Gegensatz zu den sonnigen Beeten, bei denen der Sommer am buntesten ist, sind Schattenbeete im Sommer meist ruhig. Wenn man Schnecken hat, werden zudem die Hostas unschön. Da Schattenstauden bis auf wenige Ausnahmen aber nicht sehr hoch werden, ist meist im Herbst kein Rückschnitt mehr nötig. Man kann Schattenbeete daher von Frühling bis zum Ende des Winters völlig sich selbst überlassen. Bis auf gelegentliches Düngen und regelmäßiges Mulchen fällt keine Arbeit an.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Vorstellung deines Schattenbeetes! Da ich recht viel Schatten habe, war dieser Post sehr hilfreich für mich! LG Lotta.

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  2. Auch diesen Post finde ich total genial!!! Auch bei mir ist das Schattenbeet (direkt an der Terasse) mein Stiefkind..... ich hoffe, ich komme dieses Jahr dazu dort mal was zu ändern!!
    Deine Ideen werde ich mich Sicherheit in die Planung mit einbeziehen!!

    Liebe Grüße
    Britta

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  3. Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung und die Fotos. Nachdem ich bisher einen mediteranen Garten hatte, fange ich nun wieder neu an in Nordfriesland. Die besten Sonnenplätze sind dem Gemüse vorbehalten und so werde ich für Stauden nur Schattenplätze haben. Ich freue mich schon so darauf. Ich liebe Schattenbeete. Und bei dir kann ich immer ganz viel lernen. Danke!

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  4. Es müssen ja nicht immer Blüten sein! Ich finde Blattschmuckstauden auch sehr schön! Bevor Blühstauden im Schatten nur vor sich hin mickern, würde ich auf jeden Fall Blattschmuckstauden bevorzugen!
    Viele Grüße von
    Margi

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  5. Mein Schattenbeet ist leider auch ein Trockenbeet mit saurem Boden, weil es sich unter einer großen alten Tanne befindet. Hier wächst wirklich nicht allzu viel. Immerhin kann ich es mit entsprechendem Gießaufwand mit Hosta, Farnen und Heuchera bepflanzen, gegen den Rand hin dann auch sehr gut mit Rhododendren. Jetzt im Frühling werden dort einige Wildsorten von Krokussen, Tulpen und anderen Zwiebelpflanzen blühen. An einer Seite steht unsere Gerätehütte. Dort habe ich ein Rankgitter angebracht, an dem sich eine weißblühende Clematis bis in die Tanne hinein rankt. Im letzten Jahr habe ich ausgegrabene Alchemillabrocken in einer Ecke abgelegt und vergesen. Die sind zu meiner großen Verblüffung angewachsen. Also irgendwas geht immer und sogar mehr als man denkt.
    Lieben Gruß
    Elke

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  6. Meine Schattenbeete sind im Frühling auch am schönsten. Auch der Frühsommer ist mit Aruncus, Campanula u. a. recht blühend. Seit einiger Zeit versuche ich ihnen auch in der 2. Jahreshälfte höhere blühende Stauden zu verordnen. Gut macht sich Eupatorium rugosum, Artemisia lactiflora und der späte Eisenhut. Chelone obliqua hatte ich auch versucht, ist aber zu trocken bei uns. In den Appalachen habe ich den Schlangenkopf im Wald gesehen, aber dort ziehen oft sehr feuchte Nebelfelder durch. Dort wuchs auch im tiefsten Schatten die Aster divaricatus. Es gibt noch mehr sogenannte Waldastern, die ich jetzt im Schattenbeet für die 2. Jahreshälfte teste. Aster ageratifolius machte sich sehr gut mit ihren hellblauen Blütenwolken (http://www.wildstaudenzauber.de/Stauden/aster_ageratoides.htm).

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  7. Mein Garten ist ja auch in vielen Bereichen schattig, ich finde das sehr schön, man muss nur auf die richtige Pflanzenauswahl achten. Die Wiesenraute habe ich auch mittlerweile in 2 Sorten. Mit den Astilben habe ich auch in meinem Garten keine so gute Erfahrungen gemacht, bei uns ists wohl auch zu trocken.
    Liebe Grüße
    Dagmar

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