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Diese Internetseite bündelt meine aktuellen und früheren Gartenaktivitäten. Von 2010 bis 2019 stand hier im Blog der Garten rund ums Haus meiner Eltern im Fokus - zahlreiche Beiträge behandelt vor allem die dortigen Schattenbeete und die die Anlage eines Kiesbeets. Dieser Garten existiert nach wie vor - ich wohne aber nun seit sieben Jahren ein Stück weit entfernt auf einer kleinen Landwirtschaft, wo langsam aber sicher ein neuer Garten entsteht. Diesen zeige ich ausführlich auf meiner Instagram-Seite. Daneben gibts es hier Infos über meine Bücher, Vorträge und Infomaterial verschiedenster Art. Stöbern Sie gern auch im Blogarchiv!

29. November 2014

An der Kippe zum Winter

Noch hat sich der Winter nicht entschieden. Wir wissen nicht, ob es ein mildes Exemplar wie in der vergangenen Saison werden wird oder doch eine wildere Ausgabe, schneereich gar oder klirrend kalt. Bisher hat er seine Klauen jedenfalls bei sich behalten und uns noch immer nicht - nicht bis zum 1.Adventsonntag! - mit Frost beehrt. Das ist für unsere Region besonders, da man ab Mitte Oktober mit Boden- oder Morgenfrösten rechnen muss und dies mit einem Schlag vielen Pflanzen das Laub rauben. Heuer bewegen wir uns in einer langen Phase matschigen Spätherbstes.

Linaria purpurea ist noch aktiv / Lamiastrum galeobdolon ist hübsch, aber invasiv / Boehmeria platanifolia welkt erst langsam

Die Folge sind noch immer vereinzelt blühende Pflanze, zaghafte Herbstfärbung und das Gefühl, als wäre es gerade erst November geworden und natürlich auch viele Nachteile, wie etwa massenhaft keimendes Zeugs auf den Beeten.

Auch die Farne sehen noch topfit aus und bieten in den Schattenbeeten schöne Kombinationen

Auch ein paar letzte Blüten finden sich, hier zeigt Meconopsis cambrica, der gelbe Scheinmohn noch einmal auf, außerdem hat sich eine Brunnera um ein paar Monate geirrt und Geranium nodosum zeigt noch eine letzte Blüte.

Der Pfauenradfarn, Adiantum pedatum, verwelkt beinahe weiß und leuchtet aus den Schattenbeeten deutlich heraus.


Die normale grüne Form des Japanwaldgrases wird viel zu selten verwendet. Die Pflanze ist wüchsig, robust und bekommt eine wunderschöne Herbstfärbung. Dahinter steht Hosta 'Touch of Class', die von all meinen Sorten die schönste Herbstfärbung bekommt und die stabilsten Blätter hat.

Der untere Bereich des Gartens wir nun langsam wieder zu meinem Lieblingsort. Nur noch ein paar Wochen, vielleicht gar nur mehr 12 oder so, dann blüht es dort wieder. Man glaubt es kaum, aber alle Pflanzen haben die Blüten schon ausgebildet und warten nun einfach, bis es warm wird. Nur mit Hilfe dieser Vorbereitung können sie im Frühling so schnell loslegen.


Salvia elegans blüht sehr spät und weil er nicht winterhart ist, erwischt ihn meistens der Frost. Heuer bereichert er den Garten schon seit Wochen mit seiner Blüte. Schade nur, dass man so selten dort ist, um ihn zu bewundern.


Ich wünsche euch allen einen schönen und - trotz des Wetters - möglichst stimmungsvollen ersten Advent!



6. November 2014

Und dazwischen liegt ein halbes Jahr

Gärten verändern sich im Laufe eines Jahres, sogar winzig kleine Flächen. Sie sind heller im Frühling und dunkler, wenn das Laub der Nachbarbäume die Sonne abschirmt und sie sind übersichtlich und aufgeräumt, wenn im Frühling die ersten Blattschöpfe erscheinen. Jetzt im Herbst wirken sie voll - mit welkem Laub, Stängeln in allen Farbnuancen und nehmen uns den Überblick, die Ordnung. Gleichzeitig bieten sie Raum, nicht nur für Tiere, sondern auch für uns, denn das Staudengerüst in einem Garten ist gleichzeitig für das Raumgefühl verantwortlich: Verborgene Ecken und Durchgänge entstehen erst, wenn Sichtachsen verdeckt werden.

Die drei Sommerstaudenbeete im April und Anfang November

Die Sommerstaudenbeete sind aufgrund der darin gepflanzten Hochstauden jener Gartenbereich, der sich im Jahreslauf am stärksten wandelt. Viele Stauden, die im April sichtbar sind, gehören zu den Zwiebelpflanzen (Allium, Tulpen) und verschwinden zur Gänze, eher die anderen Akteure in die Höhe wachsen. Die rosa Lichtnelken ziehen zwar nicht ein, aber ich schneide sie zurück und sie bleiben nur zu Teil erhalten, da es sich um kurzlebige Stauden handelt, die zwar durchaus ein paar Jahre alt werden können, dann aber auch einfach verschwinden - vergleichbar mit Akeleien. Sie wechseln also ständig die Plätze und spielen als Pflanzengerüst an sich nicht bis in den Herbst hinein eine Rolle.


Die Buchtbeete im unteren Bereich des Gartens

Hier wird besonders deutlich, wie Raumwirkung funktioniert: Die kleine Rasenfläche, die zwischen den beiden Buchtbeeten liegt (sie wurden 2002 angelegt und waren damals die ersten Beete, die in ihrer Mitte eine "Bucht" entstehen ließen), ist im Frühling gut einsehbar. Aktuell ist sie verborgen und man entdeckt sie erst, wenn man sich durch den Garten bewegt - die hohen Phloxe verdecken sie komplett.

Das Schilf im Teich engt den Blickwinkel zusätzlich ein und wirkt ebenfalls abschirmend. So ist der untere Gartenbereich in mehrere Räume geteilt, die nur zum Teil eingesehen werden können - wodurch der Garten nicht im Überblick erschlossen werden kann und uns damit größer vorkommt. Und zum Erkunden einlädt.


Die Beetbucht, wie man sie sieht, wenn man den Wegen folgt

Die gleiche Fläche, die im Bild zuvor im Laufe des Jahres verborgen wird, sieht man natürlich, sobald man sich auf dem Kiesdamm zwischen den beiden Teichen zum unteren Gartenteil bewegt. Von dieser Perspektive aus ändert sich die Ansicht wenig. Was deutlicher wird, ist die Veränderung der Pflanzen über das Jahr hinweg. Der Wollziest als ruhige Konstante ändert sich kaum, wohl aber die Pflanzen rundherum; sie hängen ins Bild, sind wuchtiger, umfangreicher, schränken den Platz ein und engen ein. Das kann natürlich unangenehm wirken, ich hingegen freue mich, wenn ich an Gräsern streife oder die Blüten des Knöterichs berühren muss, wenn ich vorbei will.

Ein weiterer Blick in den unteren Gartenbereich

Auch im Beet hinter dem Teichdeck sieht es ähnlich aus: Blumenzwiebeln sorgen im April für Farbe und erste Fülle, die späteren Akteure treiben zu dieser Zeit erst zaghaft aus oder sind überhaupt noch nicht zu sehen. Die riesige Hosta 'Sum and Substance' ist auf dem ersten Bild mit ihren spitzen Trieben schon zu sehen - ihre Größe kann man da aber erst erahnen. Nun im November ist sie bereits gekippt, aber ihr gelbes Laub ist noch immer ein Hingucker.

Die Beetbucht, die in den Bilder vorher schon thematisiert wurde, ist hier auch nur im Frühling zu sehen. Jetzt im Herbst ist der Blick verwehrt und wir müssen durch den Bogen, damit wir sie erkennen können.

Nach diesem Prinzip funktioniert unser ganzer Garten - Blickachsen werden unterbrochen, Durchblicke wachsen langsam zu und weite Flächen mit Frühlingsblühern weichen höhengestaffelten Beetsituationen mit dichtem Bewuchs. Daher ist es durchaus interessant, den Garten zu verschiedenen Jahreszeiten zu be

1. November 2014

November - und noch immer Gartenwetter

November - das klingt nach Nebel und feucht und kühl und kalt, aber das Wetter hatte keine Lust darauf und hat uns einen richtig schönen Spätherbsttag gegönnt. Ich konnte also endlich (fast...) alle Blumenzwiebel in die Erde bringen, dabei noch etliches jäten (ich glaube noch nie ist in einem Jahr so viel Unkraut gewachsen wie heuer, ich glaube auch nicht, dass ich jemals über dieses Thema groß hätte nachdenken müssen...) und einiges bestaunen. So haben viele Stauden schon dicke Knospen für den Frühling, die Zwiebelblüher stehen schon bereit für Februar und März und auch sonst ist eigentlich alles bereit für den Winter. Schön ist es aber trotzdem noch.

Ja, es sieht etwas wild aus, etliches hängt herum, einiges ist welk und wenn man Blumenzwiebeln eingraben will, muss man sich recht unbequem in das Gestrüpp quetschen. Das kommt davon, dass ich all das Staudenzeugs stehenlasse, damit ich im Frühling frischen Mulch für die Beete habe. Und weil es im Winter hübsch aussieht. Und wegen der Lebewesen, die in den Stängeln überwintern sowieso.

Weil wir noch keinen Frost hatten, blüht es an einigen Stellen noch sehr üppig. Das ist eine absolute Ausnahme; normalerweise liegt der Knöterich am ersten November vom Frost dahingerafft bereits schwarz-welk am Boden und bietet keinen sonderlich zeigenswerten Anblick mehr.


Die Schattenbeete sind nun der ordentlichste Bereich des Gartens, weil dort keine hohen Gewächse sind, die umkippen könnten. Die verschiedenen Blätter bilden interessante Strukturen und durch das immergrüne Laub von Helleborus und anderen einen schönen Kontrast zu den herbstfärbenden Stauden wie Hosta, Hakonechloa, Boehmeria und Polygonatum.


Das Schildblatt, Darmera peltata, hat bei mir noch nicht umgefärbt, es braucht dazu vielleicht Frost oder zumindest kalte Nächte, tiefer als auf 4°C gings aber heuer noch nicht runter. Die hohen Phloxe stehen trotz Sturm noch recht stramm. Zwischen diesen Stauden, weitgehend unsichtbar bis jetzt, haben die vielen Cyclamenpflanzen schon ausgetrieben, die ich im Frühling im Winzlingsstadium dorthin pikiert habe. Und auch die Schneeglöckchen sollten schon bereit sein. Ich freue mich an genau dieser Stelle besonders auf den Vorfrühling!

Die Sommerstaudenbeete bieten die meiste Blatt- und Pflanzenmasse. Dementsprechend schön ist der Anblick im Streiflicht. Die wirklich ganz schlimmen Umfaller habe ich schon rausgeschnitten, die nun sichtbaren Pflanzen dürfen zumindest bis zum Spätwinter bleiben.

Im Schatten sieht es herrlich aus: Brunnera, Hakonechloa, Tiarella und Funkien bilden mit Helleboren, Geranium und Silberlingen einen dichten Teppich, der kein Unkraut aufkommen lässt.

Die Hecke wird die Winterbaustellen, denn die im Frühling begonnene Erneuerung wird demnächst fortgesetzt werden. Wenns klappt, habe ich in zwei Jahren eine neue Hecke mit nur mehr wenig altem Holz. Eine Auf-Stock-Setzung wäre natürlich praktischer, aber die Schattenstauden wären davon nicht begeistert, ihretwegen gestalten wir den Übergang fließend.

Und mit dem bekannten Blick vom Apfelbaumbeet schließe ich ab. Bestimmt versteht ihr jetzt, warum ich Schattenbeete so sehr mag :-).

21. Oktober 2014

Letzte Blüten

Vom feuchten Spätsommer geht es mit einem kurzen Herbst eindeutig Richtung Winterhalbjahr. Weil es noch keinen Bodenfrost gab, blühen noch einige Pflanzen, aber aufgrund der Feuchtigkeit sind es nicht sehr viele und im Vergleich zu den letzten Jahren wird der heurige Herbst sicher nicht als farbenfrohe und bunte Ausgabe in die Geschichte eingehen. Das liegt vor allem am nassen Spätsommer - im August gab es an 26 der 31 Tage Niederschlag -, der viele Stauden kippen ließ und einen frühen Rückschnitt matschiger und ohnehin am Boden liegender Pflanzen erforderte. Die vergangenen windigen Tage und die Prognosen für die nächste Zeit lassen auch für die nähere Zukunft auf keinen goldenen Herbst hoffen, weshalb ich mich eigentlich schon mehr auf den Winter freue.

Eine Walzenwolfsmilch, deren Namen ich leider verloren habe. Sie trotzt nun schon mehreren Wintern und entwickelt sich zu einer immer schöneren Pflanze. Die Leucanthemellas in der Mitte sind wunderschöne Pflanzen für den Spätherbst. Ihr reines Weiß leuchtet weithin und sie sind - außer, wenn es sehr trocken ist - kaum im Wuchs zu bremsen. Im Gegensatz zu Margeriten ist ihre Mitte grünlich, was sie einen Tick weniger leuchten lässt. Meine Lieblingspflanze ist noch immer der Staudenknöterich. Seit Juni blühen meine Exemplare unermüdlich und locken noch immer verschiedenste Insekten an. Wenn es Ende der Woche wirklich friert, wird es aber mit der Pracht vorbei sein.

Empfehlenswert für alle, die in diesem Farbschema bleiben möchten, ist auch die Boltonia asteroides var. latisquama 'Snowbank', eine Asternverwandtschaft mit silbernem, sehr aufrechtem Wuchs und vielen kleinen weißen Blütchen. Für Fans morbider Farben empfiehlt sich Salvia 'Amber', wobei meine Pflanze heuer irgendeinen Pilz bekommen und fast ihr ganzes Laub verloren hat. Das Gras, das in meinem Staudenbeet von selbst erschienen ist, wurde von einem Bekannten als Schilf identifiziert. Aha, darauf wäre ich ja nie gekommen. An Land wächst es recht geziemt und darf daher bleiben.

Die Leucanthemelllas zusammen mit Resten von Sanguisorba und Helianthus salicifolius, das traditionell zur Blüte umgekippt ist. Leider wächst unter all diesen Pflanzen Giersch und mir steht eine längere Jätaktion bevor, vielleicht mal im Winter, wenn es das Wetter zulässt.

Das Kiesbeet ist um diese Jahreszeit noch immer einer schöner Anblick. Ich mag die verwelkten Brauntöne der Nachtkerzen und dazwischen die Farbtupfer von Färberkamille und Astern.

Sobald die Sonne auftaucht, leuchten die letzten Blätter der gelben Taglilie, die sich dort ausbreitet und auch das Stipa gigantea, das in unseren Wintern immer leidet, hat sich heuer gut entwickelt. Falls die Buchse doch noch mal den Zünsler kriegen - sie sind beeindruckend widerstandsfähig - freue ich mich, diesen Beetteil um weitere Kiesbeetpflanzen ergänzen zu können und vor allem den Iris wieder Licht zu verschaffen.

Der riesige rote Knöterich, den ich letztens schon vorgestellt habe, hat absolut überdimensionale Ausmaße erreicht -  ich habe ihn erst diesen Frühling gepflanzt! Falls er den Winter nicht schafft, werde ich wohl einen neuen pflanzen, bei dem Eindruck, den er vor allem gegen Ende es Jahres macht.

Lasst euch nicht wegwehen! Ich werde den vorläufigen Schlechtwettereinbruch abwarten und bin schon gespannt, was sich danach im Garten noch sehenswert präsentieren wird.

11. Oktober 2014

Weich und wollig, glatt und rau - Die unwiderstehliche Haptik der Pflanzen

Mit feinen Haaren besetzt und dick und mit warmem Widerstand, wie die noch nicht in die Länge gewachsenen Ohren von ganz jungen Kaninchen - so erscheint mir das Laub des Wollziests und an diese Eindrücke muss ich denken, wenn ich Stachys byzanthina lese - auch wenn der Name an Orient erinnern könnte, die Eindrücke meiner Fingerspitzen stehen darüber, sie lassen keinen anderen Gedanken zu als den an Hasenohren.

Begonia grandis var. evansiana

So geht es mir mit vielen Pflanzen. Bei Geranium streife ich über die frischen Blattbüschel, die dann etwas streng duften, bei Sedum denke ich an die glatten, bei unsanften Berührungen quietschenden Blätter, bei Pflanzen mit kerzenförmigen Blütenständen muss ich diese durch die offene Hand gleiten lassen um mich ihrer Form zu vergewissern und bei Schattenstauden faszinieren mich ihre festen, oft fast ledrigen Blätter, die von so robuster Konsistenz sein müssen, weil sie eine ganze Saison lang durchhalten müssen.

Stipa tenuissima
 
Viele Farne tragen festes Laub, ihre Unterseiten mit den Sporenkapseln aber sind weich und wie mit Wolle besetzt. Unzählige Stauden treiben Blütenknospen, die mit feinen Härchen bewachsen sind, die immer an Tiere erinnern; Akeleien etwa, weich wie die Stelle knapp oberhalb einer Katzennase, oder Knospen von Papaver orientale - mit festen, borstigen Haaren, wie der Rücken eines halbwüchsigen Ferkels. Die Samenkapseln von Paeonien hingegen, wie mit Filz bewachsen und fest, gleich dem ganz kurzen Fell am Nasenrücken eines Pferdes.

Epimedium stellulatum 'Wudang Star'

Diese Eindrücke habe ich unbewusst schon immer gesammelt, sie bei jeder neuen Pflanze durch mehrmaliges Betasten verinnerlicht und liebgewonnen wie den Duft einer Blüte oder den Anblick einer schönen Farbe. Wannimmer ich Pflanzen begegne, sehe ich sie nicht nur an, sondern berühre sie: Auch zarte Blüten, wie die der Elfenblumen, die sich wie ein Lufthauch anfühlen und beinahe nichts wiegen, ganz im Gegensatz zu wuchtigen, schweren Erscheinungen wie die von Iris oder Mohn, bis hin zu luftigen, raumerfüllenden Wolken wie den Samenständen von Gräsern, die man von den Fingerspitzen bis zu zum Ellbogen überstreifen kann und wie wenig Widerstand bieten, wenn sie im Wind wogen und stabiler sind, wenn sie aufrecht stehen wie die von Panicum oder glatt und fest zusammenlegbar sind wie die von Miscanthus und unterhalb der Faust, wenn man sie durch die geschlossene Hand streift, wieder ihre Form einnehmen.

Paonia

Außerdem können Blätter mit Wachsschichten belegt sein, mit mehliger Substanz überpudert oder von gesunder Straffheit durchströmt; andere sind schlaff, weitere zur Sonne ausgerichtet, andere an die Stängel gebogen. Ich würde sogar so weit gehen, dass sich der Charakter einer Pflanze, wie sie sich in einer Pflanzung präsentieren wird - also aufrecht, Blicke auf sich ziehend oder lagernd, sich einfügend oder aus den anderen Stauden erhebend - bis zu einem gewissen Ausmaß erfühlt, oder zumindest als ergänzender Hinweis und als Entscheidungshilfe als weiterer Eindruck herangezogen werden kann.

All diese Gedanken habe ich aber erst entwickelt, als ich diesen Sommer von Jochen Wegner belustigt darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ich andauernd Stauden anfassen würde. Die Blüten einer Deschampsia ertappt in den Händen haltend habe ich den ganzen Sommer auf meine Hände geachtet und was sie mit Pflanzen tun. Tatsächlich fingern sie ständig in Laub herum, stupsen Blüten an, streifen durch taunasses Laub, langen in reife Komposterde, fangen Würmer, berühren Maulwurfsgrillen, betasten Skabiosenblüten, genießen die feste Konsistenz von verheißungsvoll gut entwickelten Hepaticatriebknospen, prüfen die raue Rinde von Bäumen und ärgern sich und den anhängenden Körper, wenn sie in Brennnesseln fassen.

Palmenart im BOGA Berlin

Aber nicht nur ich, auch andere Gärtnerinnen und Gärtner haben solche Hände, die sich ständig in den Pflanzungen bewegen, Samenstände kneten, Gräser kämmen und kleine Austriebe prüfend zwischen Daumen und Zeigefinger halten und - ich freu' mich immer, wenn das passiert - bei Beratungsgesprächen die Pflanzen halten, mit ihnen gestikulieren, sie im Falle von duftenden Bestandteilen unter meine Nase halten und beim Verkauf noch einmal kurz anstreifen.

Pflanzen gerne zu berühren, ist für mich ein Zeichen, dass man sie mag, dass man sie schätzt, keine Distanz aufbaut und sich gerne mit ihnen umgibt. Und nicht zuletzt ist das alles auch einfach erklärbar, mit haptischen Typen und besserer Merkfähigkeit, wenn alle Sinne genutzt werden, und mit verschiedenen Kanälen, wobei die Haptik bei manchen besonders ausgeprägt ist, wohingegen bei anderen das bloße Anschauen reicht, damit eine Staude erkannt wird - völlig wissenschaftlich also.

Peltoboykinia watanabei

So zerlegt, ist mein Impuls eigentlich nicht mehr wirklich rätselhaft - bis auf den Umstand, dass die Haptik und damit die genaue Information zur textuellen Beschaffenheit von Pflanzen nichts ist, was zu normalen Beschreibungen dazugehört. Ich selber sage es auch nicht oft dazu, es ist so etwas wie eine Metaebene der Pflanzenbeschreibung, ein Eindruck, der mit einem Pflanzennamen mitschwingt, so wie die Hasenohren beim Stachys. Oder - und ich habe mich wirklich gefreut, als ich mal einen ausgegraben habe - die Hundszähne, die wie ein gefletsches Gebiss im Boden liegen. Es gibt noch mehr von diesen Pflanzen mit Haptiknamen... wenn man bloß darauf achtet.

29. September 2014

Und plötzlich wieder bunt...

Im September bin ich immer für einige Zeit vom Garten genervt. Die Sommerblüher sind verwelkt, umgefallen oder geschnitten und der Rest des Gartens ist weder ansprechend herbstlich verfärbt, noch blüht es üppig. Für im September wirklich schöne Beete fehlt mir die Konsequenz; ich lasse Sommerblüher meist sehr lange stehen und bei so feuchter Witterung wie heuer führt das nicht zu den erhofften weiteren Blüten sondern direkt ins umfallende, vergilbende, Pflanzen-erstickende Chaos. Es braucht dann ein wenig, bis sich die Herbstakteure so weit erholt, etabliert und in den Beeten breit gemacht haben, dass man wieder von "Beeten" und "Garten" sprechen kann.

Am Teich ist das Problem zum Glück nicht so ausgeprägt; im Gegenteil - die Gräser (Miscanthus, Molinia und ganz normales Schilf) machen ihn im Herbst zu einer der schönsten Stellen im Garten.

Die Sommerstaudenbeete sind jetzt etwas über dem Zenit. Das Beet rechts war sowieso ein Fall für die Umgestaltung, daher habe ich die sich immer mehr Richtung farblos versäenden Agastachen gerodet und ein paar neue Stauden gepflanzt (und nebenbei eine Scheibtruhe Gierschwurzeln entfernt...).

Ein Glücksgriff war heuer im Frühsommer Persicaria microcephala 'Red Dragon' - wer hätte zu hoffen gewagt, dass aus einer Pflanze aus dem 13cm-Topf solch ein farblich aufregendes Ungetüm wird? Jetzt hoffe ich gleich übermütig weiter und wünsche ihm eine gute Überwinterung, damit auch kommendes Jahr diese Ecke so überbordend purpur belegt ist.

Diese schöne Ton-in-Ton-Kombination ist ganz von selber entstanden: Phlox 'Katherine' in Nachblüte, dazu weiße Agastache foeniculum und Sämlinge von Aster laevis 'Arcturus', die ebenfalls dunkles Laub und fast schwarze Stängel, aber alle unterschiedliche Blüten tragen.

Die Oktober-Margerite ist eine selten gepflanzte und ganz offensichtlich unterschätzte Staude. Leucanthemella serotina, wie sie heißt, ist nämlich robust, bietet bis zur Blüte wunderschön zurückhaltend-grüne Stuktur im Hintergrund von Beeten und leuchtet jetzt inmitten langsamen Welkens in reinstem Weiß.

Die optisch deutlich sichtbare Lücke rechts der Leucanthemella dürfen kommenden Frühling violette Raublattastern auffüllen. Ich freue mich schon auf den herrlichen Kontrast, der sich dort entwickeln wird.

Silberkerzen sind dankbare Stauden. Sie blühen über Wochen hinweg, ihre Samenstände leuchten bis in den Frühling hinein im Gegenlicht und sie duften, dass man im gesamten Umkreis immer wieder erstaunt innehalten muss. Schön ist der Herbst :-).