6. November 2014

Und dazwischen liegt ein halbes Jahr

Gärten verändern sich im Laufe eines Jahres, sogar winzig kleine Flächen. Sie sind heller im Frühling und dunkler, wenn das Laub der Nachbarbäume die Sonne abschirmt und sie sind übersichtlich und aufgeräumt, wenn im Frühling die ersten Blattschöpfe erscheinen. Jetzt im Herbst wirken sie voll - mit welkem Laub, Stängeln in allen Farbnuancen und nehmen uns den Überblick, die Ordnung. Gleichzeitig bieten sie Raum, nicht nur für Tiere, sondern auch für uns, denn das Staudengerüst in einem Garten ist gleichzeitig für das Raumgefühl verantwortlich: Verborgene Ecken und Durchgänge entstehen erst, wenn Sichtachsen verdeckt werden.

Die drei Sommerstaudenbeete im April und Anfang November

Die Sommerstaudenbeete sind aufgrund der darin gepflanzten Hochstauden jener Gartenbereich, der sich im Jahreslauf am stärksten wandelt. Viele Stauden, die im April sichtbar sind, gehören zu den Zwiebelpflanzen (Allium, Tulpen) und verschwinden zur Gänze, eher die anderen Akteure in die Höhe wachsen. Die rosa Lichtnelken ziehen zwar nicht ein, aber ich schneide sie zurück und sie bleiben nur zu Teil erhalten, da es sich um kurzlebige Stauden handelt, die zwar durchaus ein paar Jahre alt werden können, dann aber auch einfach verschwinden - vergleichbar mit Akeleien. Sie wechseln also ständig die Plätze und spielen als Pflanzengerüst an sich nicht bis in den Herbst hinein eine Rolle.


Die Buchtbeete im unteren Bereich des Gartens

Hier wird besonders deutlich, wie Raumwirkung funktioniert: Die kleine Rasenfläche, die zwischen den beiden Buchtbeeten liegt (sie wurden 2002 angelegt und waren damals die ersten Beete, die in ihrer Mitte eine "Bucht" entstehen ließen), ist im Frühling gut einsehbar. Aktuell ist sie verborgen und man entdeckt sie erst, wenn man sich durch den Garten bewegt - die hohen Phloxe verdecken sie komplett.

Das Schilf im Teich engt den Blickwinkel zusätzlich ein und wirkt ebenfalls abschirmend. So ist der untere Gartenbereich in mehrere Räume geteilt, die nur zum Teil eingesehen werden können - wodurch der Garten nicht im Überblick erschlossen werden kann und uns damit größer vorkommt. Und zum Erkunden einlädt.


Die Beetbucht, wie man sie sieht, wenn man den Wegen folgt

Die gleiche Fläche, die im Bild zuvor im Laufe des Jahres verborgen wird, sieht man natürlich, sobald man sich auf dem Kiesdamm zwischen den beiden Teichen zum unteren Gartenteil bewegt. Von dieser Perspektive aus ändert sich die Ansicht wenig. Was deutlicher wird, ist die Veränderung der Pflanzen über das Jahr hinweg. Der Wollziest als ruhige Konstante ändert sich kaum, wohl aber die Pflanzen rundherum; sie hängen ins Bild, sind wuchtiger, umfangreicher, schränken den Platz ein und engen ein. Das kann natürlich unangenehm wirken, ich hingegen freue mich, wenn ich an Gräsern streife oder die Blüten des Knöterichs berühren muss, wenn ich vorbei will.

Ein weiterer Blick in den unteren Gartenbereich

Auch im Beet hinter dem Teichdeck sieht es ähnlich aus: Blumenzwiebeln sorgen im April für Farbe und erste Fülle, die späteren Akteure treiben zu dieser Zeit erst zaghaft aus oder sind überhaupt noch nicht zu sehen. Die riesige Hosta 'Sum and Substance' ist auf dem ersten Bild mit ihren spitzen Trieben schon zu sehen - ihre Größe kann man da aber erst erahnen. Nun im November ist sie bereits gekippt, aber ihr gelbes Laub ist noch immer ein Hingucker.

Die Beetbucht, die in den Bilder vorher schon thematisiert wurde, ist hier auch nur im Frühling zu sehen. Jetzt im Herbst ist der Blick verwehrt und wir müssen durch den Bogen, damit wir sie erkennen können.

Nach diesem Prinzip funktioniert unser ganzer Garten - Blickachsen werden unterbrochen, Durchblicke wachsen langsam zu und weite Flächen mit Frühlingsblühern weichen höhengestaffelten Beetsituationen mit dichtem Bewuchs. Daher ist es durchaus interessant, den Garten zu verschiedenen Jahreszeiten zu be

Kommentare:

  1. Das sind wirklich sehr interessante Ansichten!!! Ich bin immer wieder begeistert von Deinen tollen Staudenbeeten!!
    Viele Grüße von
    Margit

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  2. ... immer wieder staune ich, wie sich ein Garten entwickelt!
    Tolle Idee, die Fotos gegenüber zu stellen!
    Viele Grüße von Renate

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  3. Guten Morgen,
    ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und bleibe glatt hier. Mich erfreut es, wie du mit lebendigen Worten die Blicke deiner wachen Augen beschreibst. Danke für diese tollen Einblicke und Eindrücke.
    Bis bald Stine

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  4. Hallo,
    ...und wieder triffst Du genau ins Schwarze. So mache ich mir doch derzeit Gedanken, wie ich mehr Räume im Garten durch ein Brechen der Sichtachsen erreichen kann.
    Vielen Dank :-)
    Viele Grüße

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  5. Hallo Katrin, die Bilder sind wirklich toll geworden. Es ist schon immer wieder faszinierend wie sich der Garten doch wandelt. Blumenzwiebel sind schon alle gepflanzt?

    lg kathrin

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  6. Liebe Katrin,
    beeindruckende Gegenüberstellungen!
    Ich bin auch immer überrascht, wie "flach" und übersichtlich unser Garten nach dem Schnitt der Stauden aussieht. Und wie schnell er sich ab Mai dann zu einer teils gewollt uneinsichten "Wildnis" entwickelt. Ganz so aufregend wie bei dir ist es aber bei uns hier nicht!
    Die Sendung war übrigens viel zu kurz;-)
    Danke für deinen Kommentar zu meinem Blogpost kürzlich, hat mich gefreut, von dir zu lesen!
    Liebe Grüße, Margit

    PS: Wäre fein, wenn du meine Blogadresse in deiner Linkliste aktualisieren würdest: www.wachsenundwerden.at
    Danke!

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  7. Liebe Katrin,
    zwar merkt man die ständige Veränderung im Garten schon, aber so direkt nebeneinander... Schöne Bilder!
    Liebe Grüße
    Natalia

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