25. Juni 2014

Gartentage Seitenstetten - Deko, Rosen und ein bisschen Stauden

Voriges Wochenende fanden im Hof des Stifts Seitenstetten in Niederösterreich die alljährlichen Gartentage statt, die bisher meine Gartentagesaison jedes Jahr positiv abschließen und mich trotz voller Beete und Platzproblemen an allen Enden zum Kauf einiger schöner Pflanzen verleiten konnten. Heuer hingegen hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Das liegt nicht etwa daran, dass ich nun besonders wählerisch geworden wäre, sondern am sehr einseitigen Angebot, das nicht für alle Besucherinnen und Besucher gleichermaßen attraktiv war.

Die Rosen in den Beeten der Anlage waren zum Teil schon verblüht, aber einige konnten noch in voller Pracht bewundert werden.

So lag der Fokus heuer eindeutig auf Rosen und Deko, wobei erstere nicht in besonders seltenen Sorten oder außergewöhnlichen Präsentationen angeboten wurden, sondern schlicht als Containerware, zum Teil in sehr kleinen Töpfen, an etlichen Ständen feilgeboten wurden. Begleitpflanzen wie Clematis suchte man dagegen vergeblich, da Clematis Herian heuer nicht am Markt waren und sonst kein einziger Anbieter auch nur eine Clematis anbot (wir hätten für eine Bekannte eine mitnehmen sollen und haben daher zu dritt sehr genau geschaut, uns ist zumindest keine einzige Clematis aufgefallen).


Geschmäcker sind natürlich verschieden... daher nur ein paar Eindrücke, ganz ohne Kommentar

Der Deko - traditionell eine nicht ganz unwichtige Sparte auf den Gartentagen und bisher mit geschmackvollen Keramikarbeiten, dezent Figürlichem und ansonsten mit Handwerksarbeiten wie Korbflechtereien, Insektenhotelbastlern und Rankgerüsten abgedeckt, wurde heuer ein viel größerer Anteil am Markt zugestanden. In diesem Bereich scheiden sich wohl die Geister: Während einige völlig entzückt auf Äste drapierte Zwerge, phallusförmige Rosenkugeln, merkwürdige Wichtel und metallisch-glänzende Tiere vom Marktgelände schleppten, blieb ich enttäuscht zurück.

Für meinen Geschmack ist die Anzahl der Dekostände im Vergleich zu den Pflanzenanbietern viel zu stark gestiegen, dazu kamen verschiedenen Anbieter aus der gleichen Sparte, also gleich mehrere Keramikanbieter auf einmal und viele Stände, die so viel "Kruscht" im Angebot hatten, dass die kreativen, handwerklich anspruchsvollen und fantasievollen Dinge komplett untergingen.

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Tatsächlich fehlten neben Clematis Herian einige interessante Staudenanbieter, die in den letzten Jahren öfters mit von der Partie gewesen waren, etwa die Gärtnerei am Nassachtal, Planwerk vom Chiemsee und einige weitere. Positiv aufgefallen ist mir, dass es an etlichen Ständen Kräuter zu kaufen gab, teilweise in ungewöhnlich vielen Sorten und in guter Qualität - so konnte ich einige Sorten Strauchbasilikum erwerben.

Ruhiger Platz - vermutlich waren alle gerade am Einkaufen

Ein Teil der Anlagen, die sich innerhalb der Klostermauern befinden und von verschiedenen Personen betreut werden (auch das örtliche Gymnasium gestaltet einen Gartenbereich), waren wunderschön wie immer. Das Weidengeflecht beeindruckt mich jedes Jahr und die Sessel laden, obwohl mitten im Markt stehend, zum Verweilen ein. Die Farbzusammenstellung mit Orange- und Grüntönen wirkt sehr ansprechend und vor allem unkonventionell.


Die Rosenlaube mit dem Wucher-Anemonenbeet, das bestehen blieb.

Hinter den Rosenbögen im hinteren Teil der Anlage jedoch - ich habe leider kein eigenes Bild von der betreffenden Fläche gemacht - wurden einige sehr schöne Staudenbeete komplett neu angelegt. Da die Pflanzung offenbar erst vor Kurzem erfolgte, wirkte das alles noch recht mickrig. Es wäre interessant gewesen, warum diese gut eingewachsenen (und hervorragend gepflegten) Beetflächen mit Stachys byzanthina, Geranium psilostemon, Alchemilla, Campanula, Astrantia und Allium gerodet werden mussten.


Ein paar Stauden gab es ja doch...

Für mich stellt sich auf jeden Fall die Frage, ob ich kommendes Jahr wieder hinfahren werde oder Seitenstetten als einen an die Deko verlorenen Gartenmarkt abhake und stattdessen in Freising oder schon in Berlin etwas mehr zulange. Weiters ist fraglich, ob man Staudeninteressierten, die bei Gartenbesichtigungen nach Adressen fragen, diese Gartentage noch empfehlen oder sie vielmehr direkt zu einschlägig bekannten Staudengärtnereien wie Sarastro schicken sollte, wo man neben dem Angebot auch Schaubeete geboten bekommt.

Marmeladen und Aufstriche zum Kosten - interessant ja, aber...

Ein weiterer Trend war ebenfalls erkennbar - das offenbar stark erhöhte Interesse an Marmeladen, Säften, Chutneys und anderen kulinarischen Erzeugnissen, die, in vielen Fällen mit Verkostungsmöglichkeit, an etlichen Ständen angeboten wurden. Dass diese Entwicklung der allerorts erkennbaren Sehnsucht nach Land, nach von Omas eingemachten Früchten und massentauglicher Hinwendung zur Natur geschuldet ist, wie sie in mit Gartenzeitschriften thematisch eng verbandelten Zeitschriften in jüngster Zeit immer öfter zu finden ist, vermute ich zumindest.

Als jemand, der selber einkocht, bin ich sehr anfällig für solche Angebote... andererseits sollte hinterfragt werden, ob Gartenmärkte die richtige Plattform für solche Entwicklungen sind und ob solche Veranstaltungen nicht langsam aber sicher von anderen Themenbereichen vereinnahmt werden und am Ende statt anspruchsvollem Pflanzenangebot eine Haus&Garten-Messe übrigbleibt, wo Dekokissen neben glasäugigen Wackelkopfreihern und Rosensirup zu den Highlights zählen. Das wäre schade und sollte dann nicht mehr unter dem Deckmantel eines "Gartenmarkts" daherkommen - damit jemand, der eigentlich Pflanzen kaufen möchte, sich gar nicht erst enttäuschen lassen muss.

Noch ist es aber nicht so weit gekommen und ich würde für Österreich hoffen, dass die Gartentage in Seitenstetten auch in Zukunft für Pflanzenfreunde ein lohnendes Ziel bleiben.

Kommentare:

  1. Ich finde eine gute Durchmischung mit Erzeugnissen durchaus geeignet für Gartenmärkte. Es spricht eben das breitere Publikum an. Allerdings sollten die Pflanzen immer stärker vertreten sein. Eine reine Dekoparade missfällt mir auch immer. Genau wie für dich ist für mich da nie was dabei. Stehenbleiben würde ich wohl nur bei den Bienenhotels und den Weidenkörben. Der Rest ist meist Firlefanz.
    Ich weiss jetzt gar nicht mehr, ob ich dir schon einen Kommentar zu eurem Fernsehbeitrag geschrieben habe. Ich fand ihn jedenfalls wunderbar! Wie schön das Gesicht und die Stimme hinter deinem tollen Blog kennenzulernen.
    Lg Carmen

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  2. diesen Gartenmarkt kennich nun nicht, aber genau dies ist der Grund warum ich diese verkaufsveranstaltungen wenig besuche, es wird soviel in Richtung Land like und unmengen von Deko angeboten, aber die eigentlichen Pflanzen, die den garten ja prägen, bleiben im Hintertreffen.
    Dafür zahle ich auch noch oft hohen Eintritt und Parkgebühren, habe lange Wege und Gedränge!!
    Da lobe ich mir die hiesigen Staudengärtnereinen wie kräuter Simons in Nordfriesland mit ihren kräutertagen, oder In die Staudengärnterei in Krumwisch / Kreis Rendsburg Eckernförde , die noch selbst vermehren und wunderschöne Anlagen haben, oder auch in Kronshagen oder Gettorf und ...da zu stöbern macht Freude.
    Bei mir kommen nur Dinge zu Gebrauchszwecken in den Garten, wie eine Zink-Wanne für Regenwasser oder eine alte Bootsleiter, schneckensicher für die Kräutertöpfe, oder die lange Schaukel für die Enkel,
    das Auge braucht auch Ruhe und die Pflanzen sollen wirken.
    Grüße von Frauke
    Ps auch für mich wr es schön, dich als Persönlichkeit zu erleben

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  3. Wenn es auf einem Gartenmarkt nur noch Deko und Standard-Angebot gibt, kann ich Deine Enttäuschung verstehen!! Ich war heuer von der Gartenmesse in Salzburg ziemlich enttäuscht, sie wurde zwar groß beworben, aber das Angebot war ziemlich mickrig.

    lg kathrin

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  4. Hallo Katrin,
    kann dich gut verstehen. Manche Gartenmärkte kann man sich schenken. Ich frage mich auch oft warum Schmuck etc auf diesen Messen verkauft wird. Besonders schlimm ist es immer bei den Märkten die in den Wintermonaten stattfinden. Natürlich ist es keine gute Gartenmarktzeit, warum nimmt man dann aber nicht einfach ein besseren Termin, anstatt die Messen mit zuviel Dekoständen oder ähnlichem aufzuhübschen.
    Liebe Grüße
    Dagmar

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  5. Hallo, Katrin, danke für Deinen bericht. Ich konnte heuer kurzfristig nicht fahren, und wollte mir doch ein bild der entwicklung machen (ich wusste, dass Herian nicht kommt, die staudenspezialisten bleiben ja schon länger nach und nach aus).

    Ich persönlich ziehe auch bei g a r t e n tagen pflanzen als schwerpunkt deko und slow food vor. Ich merke aber, dass vielen diese aspekte bei gartentagen wichtig sind.

    liebe grüsse
    Brigitte

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  6. Hallo Katrin,
    ich kann deine Enttäuschung verstehen. Leider scjeint es mittlerweile überall ein Trend zu sein, dass Gartendeko die Pflanzen verdrängt. Nichts gegen ein paar hübsche Dekoteile im Garten, aber ich finde, es schade, wenn die Dekoration im Garten so üppig ausfällt, dass sie die Pflanzen zu Nebendarstellern degradiert. Mal sehen, wie sich die Lage weiter entwickelt!
    Liebe Grüße
    Katharina
    Nordischeromantik.blogspot.de

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  7. Das ist ja interessant, Katrin! Ich habe Seitenstetten heuer gesundheitsbedingt verpasst - und anscheinend nicht groß was versäumt. Es wird immer schwieriger, wie mir scheint, bei Gatentagen auch ein reihhaltiges Pflanzensortiment vorzufinden. Das ist sehr schade, denn darum solle es ja eigentlich gehen. Alles andere ist ein zusätzlicher Bonus, aber nicht der Grund, solche Veranstaltungen zu besuchen.
    Naja, ich werde mir wohl kommendes Jahr auch gut überlegen, ob wir noch den Weg auf uns nehmen und vorher die Ausstellerliste genau anschauen, ob es sich auch lohnt!
    Liebe Grüße, Margit

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