22. September 2012

Warum man den Herbst mögen sollte...

 ... und andere Gründe, als Gärtnerin oder Gärtner das Winterhalbjahr positiv zu begrüßen.

Gleich mal vorneweg: Heute war Herbstbeginn und es ist gut, dass nicht alle Menschen die gleichen Jahreszeiten am liebsten mögen und nicht alle bei der Vorstellung heißer Sommertage in Begeisterung geraten, genausowenig, wie alle sich über laue Sommernächte freuen oder warmen Mairegen als Prachtwetter bezeichnen.


Sehr auffällig ist in Gartenkreisen jedoch die Abneigung gegenüber dem Winterhalbjahr. Genaugenommen gilt bei vielen Gärtnerinnen und Gärtnern nur die knappe Zeitspanne zwischen der Himmelschlüsselblüte (und sogar das ist oft zu früh, denn da sind die Nächte noch kalt und der Boden matschig) und dem Hochsommer, knapp vor dem Fund der ersten Cyclame, als "gute" Jahreszeit. Schon der Phlox wird argwöhnisch betrachtet ("Ohje, jetzt wird es Sommer..."), aber ganz schlimm ist es bei den Astern.Vermutlich liegt darin die anhaltende Unpopularität der Gattung Kalimeris allein begründet: Weil der Großteil der Bevölkerung im Juni noch nicht an den Herbst erinnert werden will, den die meisten mit kalten Nebeln, vernichtendem Frost und sterbenden Blumen verbinden.


Dabei hat zweifellos jede Jahreszeit ihre Reize, etwa der Vorfrühling - feucht, klamm, aber die Luft oft schon erfüllt vom Geruch unterirdischen, lauerndem Wachsens - und es ist unklar, warum gerade diese Zeit wegen ihrer dezenten Reize (Winterlinge, Hepaticas,...) nicht als besonders ersehnenswert gelten sollte. Und wenn man nun genau überlegt, müsste nicht der Oktober - taunasse Morgen, der erste Reif auf den Wiesen, tiefblauer Himmel und der Garten voller summender Insekten - der schönste Monat des Jahres sein? Jede Pflanze hat ihr Wachstumsmaximum erreicht, allerortens fallen Samen und Früchte und man kann ohne Angst vor vertrocknenden Pflanzen umsetzen, gestalten und genießen.


Ich mag den Herbst gern. Aus gartengestalterischer Sicht ist er der Höhepunkt des Jahres, denn alle monumentalen Riesenstauden nebst Gräser, Leitstauden und sonstigem Beiwerk haben ihre maximale Höhe erreicht und der Garten befindet sich nun in einem Zustand fortgeschrittener Verwachsung, der, außer wir haben es übertrieben, ganz sicher zum Schönsten gehört, was ein Gartenjahr zu bieten hat: Gräserblüte, Astern und die zarten Pastelltöne der Verwelkung, verbunden vom Licht einer tiefstehenden Sonne - was will man denn noch mehr.


Tatsächlich ist es kaum je möglich, stimmungsvollere Bilder aufzunehmen; weder im Garten, noch in der Natur. Das liegt am tieferen Einfallswinkel der Sonne, der klarerweise auch im Frühling vorkommt. Dann aber ist noch zu wenig Grün in der Landschaft und man sieht zuviele störende Details, wie Nachbarhäuser, Strommasten, Straßenlaternen, Regentonnen und im Bild steckengelassene Spaten. Der Herbst bietet Kulissen, die so etwas locker wegstecken und, wenn doch am Bild zu sehen, so wenigstens üppig kaschieren und mit überbordender Biomasse sowohl Beetgrenzen als auch Pflanzlücken verwischen. Die Formen sind weicher im Herbst, runder und gleichzeitig wilder, ein Garten mag im Frühling kahl wirken, aber im Herbst wird er immer voll sein.

Außer natürlich, man greift zu früh ein. Der Vergänglichkeitsgedanke, seit ewig in unseren Kulturen verankert, treibt offenbar viele dazu, Analogien zwischen welken Blumen und sich selbst zu ziehen. Darunter leidet dann die Stimmung, weshalb man den Gedanken an den Herbst so lange wie möglich verdrängt. Vielleicht ist das der Grund, warum viele ihre Gärten vom Frühling weg frei von allen Welkem halten: Weil sie so länger die Illusion dauernden Wachstums und ungetrübter Knackigkeit erhalten können, die weder im Alltagsleben noch im Garten von Bestand ist; ein durchaus erfreulicher Gedanke, denn ohne Wachsen und Vergehen, Frühling und Herbst, würde keine Jahreszeit mehr ihre Einzigartigkeit haben.


Das Kollektiv jener Bevölkerungsteile, das den Herbst lieber leugnet und unter jedem fallenden Blatt nicht eine Bereicherung der Farbpalette, sondern eine Trübung des frischen Rasengrüns versteht, ist Zielgruppe einer sehr umfangreichen Produktpalette, deren einziger Zweck es ist, die unangenehmen Nebenwirkungen des Herbstes zu unterdrücken: Laubsauger und Laubnetze, verbunden von der sich immer noch sehr zäh verbreitenden Zwangsvorstellung, den Garten im Herbst aufräumen zu müssen.

Natürlich ist das etwas gemein formuliert. Es spricht aus meiner Sicht auch wirklich nichts dagegen, Gartenarbeiten im sonnigen und warmen Herbst zu erledigen, um nicht im kalten Vorfrühling mit nassen Knien durch den Garten robben zu müssen - ein Preis, den ich gerne bezahle, um auch im Winter den vollen 3D-Effekt meines Gartens erleben zu dürfen. Denn aufgeräumte Gärten sind etwa fünf Monate des Jahres zweidimensional; eine erdrückend lange Zeit, wenn man bedenkt, dass von Schlüsselblume bis erster Cyclame in einem durchschnittlichen Jahr sogar nur vier Monate ins Land ziehen.


Daher wäre es erfreulich, wenn Gräser und andere Stauden, die im Herbst und sogar im Winter noch schön aussehen, öfters in Gärten verwendet würden. Vielleicht merken dann noch mehr Menschen, dass ein Garten nicht nur im Frühsommer und Sommer genießenswert ist, sondern auch und gerade im Herbst. Dann würde sich die Gartensaison in den Köpfen der Menschen verlängern, der Herbst wäre nicht nur die Zeit wehmütigen Aufräumens, sondern ein Abschnitt im Jahr, auf den man sich freut und der mindestens ebenbürtig ist mit allen anderen schönen Monaten im Garten. Vielleicht würden dann auch mehr Leute lächeln, wenn sie an den Herbst denken - und die Zeit bis zum Frühling wäre dann viel leichter auszuhalten.

(die Fotos stammen aus den letzten Jahren, heuer ist es - leider - noch nicht so weit)

Kommentare:

  1. Deine herbstlichen Gartenbilder sind wundervoll! Ich liebe auch dieses warme Herbstlicht, das die Farben so schön leuchten lässt!!!
    Du wirst es mir nicht glauben, aber ich suche meine Stauden auch danach aus, wie sie den Winter über aussehen! Fette Henne z. B. ist ein wundervoller "Winterblüher"! Aber auch der zum Teil immergrüne Storchschnabel ist ganz oben auf meiner Favoritenliste!
    Gerne hätte ich auch das Brandkraut!!!! Aber damit hatte ich bisher leider noch kein Glück! Bei mir wird im Herbst eigentlich gar nichts abgeschnitten, außer z. B. Frauenmantel und Funkien, weil die Blätter im Winter sehr matschig werden! Alles andere darf bis zum Frühling "weiterwachsen"!!!!
    Viele Grüße von
    Margit

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    1. Brandkraut mag gerne trockene, sonnige Standorte. Vielleicht ist es ihm im Winter zu nass geworden? Ich suche Pflanzen auch nach dem Winteraspekt aus und ja, ein paar matschige Sachen schneide ich schon auch zurück.

      LG!

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  2. Ich mag den Herbst genauso wie den Frühling und den Sommer. Allerdings muss ich meinen Garten noch etwas mehr den Jahreszeiten angepasst gestalten.

    lg kathrin

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  3. Dear Katrin,

    congratulations on a wonderful post! these are exactly my sentiments regarding autumn plantings - they can be a wonderful finale of the planting season, with Pennisetum and, of course, C.brachytricha. I don't understand how anyone can live and garden without them :)
    I also loved your theory about Kalimeris being unpopular :) I've never thought about it from this perspective.. but you're probably right. I myself have discovered Kalimeris only a few years ago, and I love it - but exatly for the reason that it flowers so early. Much as I love asters, a lot of the varieties never flower here due to early autumn frosts.

    Kind regards from Litauen,
    Rasa

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    1. Dear Rasa,
      when do you usually have the first frost? I've problems with chrysanthemum to flower before winter and try to find out which ones are early enough. Gardning without grasses is a mystery for me too ;-).
      Best wishes to Litauen,
      Katrin

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    2. Dear Katrin,
      if we are lucky, then the first frosts come like last year, mid October. But it is not unusual to have them in the first decade of September :(
      Early autumn frosts is the main reason why I can't enjoy the variety of asters that are available these days - a lot of them are too late-flowering. Same with chrysanthemums. I've been waiting for 'Mary Stoker' to flower for some 5 years - useless, obviously, there is no point in growing it here. And I so love its colour :) oh well, not much to be done about that... Did you try 'Dernier Soleil'?, it does start flowering in September
      Regards from Litauen,
      Rasa

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  4. Deine Herbstbilder sind einfach traumhaft! Ich liebe den Herbst
    auch wegen der warmen Farben in der Natur am meisten :-)

    Liebe Grüße Urte

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  5. Oh, das hast Du sehr schön zusammengefasst! Ich kann mich noch nicht entscheiden, zu welcher Fraktion ich gehöre. Bei trifft einfach alles zusammen, Bedauern, totales Entzücken und wohlwollendes Gönnen der Ruhe. Der allerschönste Moment ist für mich dennoch das Frühjahr, wenn man gerade noch zweifelt, ob hier jemals wieder Leben einzieht (in Anblick der puren Erde) und dem Bestaunen der ersten frischen Triebe. Und schon weiß ich, es steht immer noch und immer wieder einfach alles zu eng...
    Liebe Grüße, Dagmar

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    1. Deine Frühlingsgedanken kommen mir sehr bekannt vor ;-) und natürlich gehört auch das zum Gartenjahr dazu (und das Ungeduldigwerden im Winter), aber ohne der langen kalten Jahreszeit wäre uns der Frühling nur halb so teuer!
      LG

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  6. Na, ich glaube aber doch, dass du ein bisschen übertreibst ("Sehr auffällig ist in Gartenkreisen jedoch die Abneigung gegenüber dem Winterhalbjahr.") Wenn jemand mit ganzem Herzen gärtnert, dann mag er/sie eigentlich doch immer das ganze Gartenjahr. Es sind eher die Nichtgärtner, denen der Bezug zur Natur abhanden gekommen ist, die ewig rumjammern, wenn der Sommer in den Herbst übergeht. Deine Fotos sind sehr stimmungsvoll und gefallen mir gut.
    Herzliche Grüße
    Elke

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    1. Dann kennst du vernünftigere Gärtnerinnen und Gärtner. Hier jammern alle rum, schon seit dem ersten welken Blatt im August (natürlich nicht ALLE, aber doch so viele, dass ich froh bin, mal Andersgesinnte zu treffen). Ich bin im Übrigen ganz deiner Meinung - und danke für das Kompliment.
      LG

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  7. Deine Gräser sehen wundervoll aus! Ich gehöre zu der Fraktion, die ihren Garten im Herbst nicht abräumt ( außer das Laub vom Walnussbaum ) , und muss mir dann so manchen Kommentar der Verwandtschaft anhören...wie bist wohl zu faul...etc. LG Lotta.

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    1. Über sowas stehen wir einfach drüber, oder? Hier denken das sicher auch einige.

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  8. Einer der schönsten Beiträge, die ich gelesen habe, danke dafür. Die Bilder sind einfach wunderschön. Ich habe viele meiner Sträucher danach ausgesucht, ob sie eine schöne Herbstfärbung haben. Auch wenn man sich nur kurze Zeit daran erfreuen kann, ist es das wert.

    Einen wirklich schönen Garten hast du, denn würde ich mir zu gerne mal anschauen.

    Mein Lieblingsmonat ist der September - wie ich gerade wieder feststelle!

    Viele Grüße,
    Michelle

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    1. Danke :-) - falls du mal nach Österreich kommst, dann melde dich vorher!

      Gehölze habe ich noch etwas zu wenige, weil mir Stauden wichtiger sind und dann meist schon der Platz fehlt. Aber da gäbe es einige sehr schöne Exemplare für den Herbst.

      LG

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  9. Bin eigentlich schon immer ein Herbstgartenfan und von Jahr zu Jahr ziehen bei mir mehr Gräser und Astern in den Garten ein. Auch wenn man sich jetzt nicht mehr so oft und so lange im Garten aufhalten wird wie im Sommer, so möchte ich den Blick aus dem Fenster auf üppige Staudenbeete jetzt erst recht nicht missen.

    LG Lis

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  10. Auch ich liebe den Herbst im Garten. Mich fasziniert immer wieder der Farbenwechsel bei den Pflanzen. Du hast es wunderschön beschrieben. Ein ganz wichtiger Grund, weshalb ich erst im Vorfrühling schneide: viele Tiere ernähren sich im Winter von getrocknete Blüten/Samen, hohle Stängel dienen als Unterschlupf,...
    Zudem stehen die meisten meiner Lieblingspflanzen im Herbst in voller Blüte. Und wenn erst die Fetthennen (sedum) im Winter ein Schneehäubchen tragen, siehts einfach zauberhaft aus.

    Ich mag deine Gartenfotos.
    Liebe Grüsse, Esti

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    1. Danke :-)

      Die vielen Tierchen, die in den welken Stauden überwintern, denke ich mir selber immer mit und es sind sehr viele, wenn man um diese Jahreszeit und dann wieder im Frühling mal genau schaut.

      LG

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  11. Ich liebe Astern und mein ganzer Garten ist voll von ihnen und mehr werden sicher noch kommen. Darum bin ich ganz gespannt, wenn es den endlich so weit ist.

    Ich liebe den Herbst mit seinen warmen Farben, meine Bäume suche ich u.a. nach ihrer Herbstfärbung aus.

    Ich lasse meine Stauden bis weit in den Winter stehen, erst wenn sie matschig werden, schneide ich sie weg.

    Liebe Grüsse Rosana

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  12. Wonderful pictures and a lovely post. I love all the seasons (even if for the moment I'm locked into one only) and how they completement each other, from the rush of spring to the mellowness of autumn and the stillness of winter (at least in Finland where I come from). The best gardens reflect them all, and celebrate the change. Many warm greetings from the tropics, Liisa.

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    1. Hi Liisa,
      thanks for your comment! Do you now miss the autumn like we've in the northern hemisphere? I'm looking forward for every new glance of gardening in Singapor you share with us!
      Greetings,
      Katrin

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  13. Ich liebe den Herbst! Er ist - neben dem Frühling - meine Lieblingsjahreszeit. Und weil ich ihn so liebe, habe ich bei der Gestaltung unseres Traumgartens versucht, alle Reize, die er zu bieten hat, mit einzuplanen. So habe ich z.B. alle Bäume und Sträucher nicht nur nach der Attraktivität ihrer Blüten ausgesucht, sondern auch nach der Ausprägung ihrer Herbstfärbung und nach ihrem herbstlichem Fruchtschmuck. Außerdem hab ich gleich zwei große Gartenteile angelegt, die m.E. dem Herbst ganz besonders huldigen: Heide- und Präriegarten.
    Ich mag sogar den vielen Regen, den der Herbst zuweilen zu bieten hat, denn er erlöst mich von der mühsamen Gießkannenschlepperei, schenkt mir kuschelige Ruhepausen auf dem Sofa und lässt mich dabei meinen Garten ruhigen Gewissens vom Fenster aus genießen ;o).

    Nichtsdestotrotz gibt es eine Jahreszeit, die ich überhaupt nicht mag, und das ist der ausklingende Spätwinter - matschig, farblos, und trist. Das einzige, was für ihn spricht ist m.E., dass er den größtmöglichen Kontrast zum anschließenden Frühlingserwachen bildet.

    Vielen Dank für die wunderschön leuchtenden Herbstimpressionen aus Deinem Garten.

    Herzliche Grüße,
    Iris

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  14. wunderschön deine Gräser und Staudenbeete!

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