18. Februar 2012

Warum wir eigentlich gärtnern

Die Frage, warum genau man einen Garten anlegt, gerne Pflanzen betreut oder die Natur gestaltet, wir jeder anders beantworten, denn es gibt tausende Beweggründe, warum man gerne Erde unter den Fingernägeln hat, im Frühling im Boden nach Austrieben bohrt oder monatelange Strapazen auf sich nimmt, um dann oft nur wenige Früchte zu ernten. Ich bin mir nicht sicher, wie viele Leute ich mit meinem Blog erreiche, aber es wäre mir eine Freude, wenn andere BloggerInnen ihre Gedanken dazu formulieren würden, denn ich finde es sehr interessant, verschiedene Ansichten zu dieser Frage zu lesen, die sich bestimmt viele von uns schon gestellt haben oder sogar gestellt bekommen haben.


Für manche Menschen erscheint es absurd, Freizeit und Geld für Pflanzen zu aufzuwenden. Es gäbe auch sicher Hobbies, die weniger nervenaufreibend sind, deren Ergebnisse weniger von nicht beeinflussbaren Bedingungen wie Wetter, Tieren und deren Fähigkeit, Schaden anzurichten und von unsicheren Faktoren allgemein (Boden, Mitmenschen, Unfälle, eigene Fehleinschätzungen) abhängen und die nicht verlangen, seinen Körper den Elementen und blutsaugenden Tieren auszusetzen. Aber gärtnernde Menschen sind meist von unbeirrt positiver Natur und müssen das selbstverständlich auch sein, denn wie sonst würden sie es psychisch durchhalten und ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass aus den winzigen Samen, die sie da streuen, auch wirklich einmal eine Pflanze werden wird und dass diese drei Blätter, die da aus dem Topf ragen, einer Pflanze gehören, die schon in wenigen Wochen siebzehnmal so groß sein kann?


 Ich habe für diesen Artikel sehr lange überlegt und bin mir nicht ganz sicher: Aber ich glaube, ich gärtnere deswegen so gerne, weil jeder Handgriff, jedes Pflanzen und jede Arbeit mit Leben zu tun hat und es für mich klar ist, dass aus meinem Wirken etwas erwächst. Im Garten ist kein Platz für Zweifel. Ich pflanze, und es wächst. Manchmal besser, manchmal schlechter, aber es wächst.

Wie das vonstatten geht, steht auf einem anderen Blatt und man sollte wohl eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen, denn einfache Rechnungen wie "pflanzen - gießen - warten - sich erfreuen" gehen nur sehr selten auf. Wer Überraschungen liebt, ist im Garten besonders gut dran, denn unvorhergesehene Ereignisse, im positiven wie im negativen Sinne, passieren laufend.

Erfreulicherweise gibt es vielerlei Möglichkeiten zur Verbesserung. Kaum etwas ist endgültig; es gibt immer eine Möglichkeit, Einfluss auf etwas zu nehmen, denn man kann düngen, umpflanzen, gießen, schneiden und vermehren. Ein einziges Blumenbeet, egal wie groß, beherbergt unzählige Möglichkeiten, was man damit anstellen kann. Und es gibt keineswegs einen Zwang, etwas zu unternehmen: Man kann es auch einfach anschauen und sich daran erfreuen.


Warum aber entdecken so viele Menschen die Gärten für sich? Warum ist es plötzlich für Angehörige sämtlicher Berufsgruppen, über soziale Grenzen, die sonst bei Hobbies sehr einengend wirken, hinweg so erfreulich, kleine Gewächse in die Erde zu stecken und über jedes neue Blatt selbstverloren zu lächeln?

Es mag viele Gründe dafür geben, aber ich glaube die Beliebtheit liegt vor allem daran, dass Gärtnern Freiheit bedeutet. Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, die mitunter so weitreichende Folgen haben können, dass sie einem jahrelang Freude oder Ärger bereiten. Entscheidungen, die man sowohl mit Wissen, als auch mit Intuition beantworten kann und vor allem: Entscheidungen, die laufend getroffen werden müssen, denn etwas so Lebendiges wie ein Garten fordert andauernd irgendetwas: Wasser, Rückschnitt, Umpflanzen, Fotografieren, neue-Pflanzen-kaufen, Pflanzen herzeigen, etwas Neues bauen, Rasen ausbessern oder etwas roden.

Diese vielen einzelnen Entscheidungen setzen sich schließlich zusammen zu etwas, das ganz uns selbst gehört, ein Raum, den es ohne uns nicht gäbe und meistens auch eine Zusammenstellung, die niemand sonst genau so entwickelt hätte. Gärten sind damit sehr persönlich, und Persönliches ist selten in einer Welt wo Geschmack und Stil in vielen Bereichen nur wenig Spielraum lassen.



Nochdazu lässt sich ein Garten verstecken. Man kann seinen Alltag völlig unauffällig leben, um im Garten dann farbliche Dissonanzen zu kombinieren, die einem Großteil der Menschen die Haare zu Berge stehen ließen - einem selbst aber gefallen. Denn nichts zwingt einem dazu, in seinem Garten Pflanzen zu verwenden, die man nicht mag oder Farben zu pflanzen, die einem nicht gefallen. Genauso, wie man niemandem aufzwingen kann, was ein Garten zu enthalten hat. Sicherlicht gibt es Grundsätze, die beachtet werden sollten - in meinem Garten ist die Wahl des richtigen Standorts für Stauden von großer Bedeutung. Aber auch hier sind die Möglichkeiten umfangreicher, als ich manchmal annehme und nur wer Neues ausprobiert, kann auch Neues schaffen. Das sollten wir auch dann nicht vergessen, wenn wir Gärten oder Anlagen sehen, die nicht unserem Geschmack entsprechen.

Ich wünsche euch ein schönes Frühjahr und freue mich über einen Gedankenaustausch zu diesem Thema!

Kommentare:

  1. Liebe Katrin,
    Tolles Thema! Du hast ja schon einiges selbst angesprochen und da bin ich ganz bei dir. Für mich ist es - glaube ich - dieser direkte Kontakt zum Wunder des Lebens (verkopfte Version) und das Glücksgefühl, wenn meine Hände Erde und Pflanzen fühlen und meine Nase und Augen mit Eindrücken gefüttert werden(sinnliche Version). Ich möchte dabei durchaus auf die ausgleichende und entstressende Wirkung des Jätens hinweisen. Ein bisschen Wildkräuter zupfen - und die Welt ist wieder in Ordnung. Auch so, nur bei den Bäumen zu sein, macht schon irgendwie froh und wenn ich mit den Augen den Boden absuchend dieses oder jenes erwünschte Pflänzchen entdecke, das keimt ohne mein aktives Zutun, dann ist das geradezu ein Fest...und das nicht nur in meinem Garten, auch anderswo.
    Es ist jedenfalls viel, viel mehr, als ich in Worte fassen kann, Freude, Entzücken manchmal, da ist das bisschen Frust ab und zu kein Thema.

    Tja, wer weiß, vielleicht kommt das Frühjahr doch schon bald und wir finden uns draußen wieder. Ein bisschen träumen ist auch schön..

    Liebe vorfrühlingliche Grüße
    Elisabeth

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    1. Danke für deine Überlegungen zum Thema. Ich finde mich da durchaus wieder :-)

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  2. weil es erlebte Schöpfung ist ,
    ich bin in einer anderen Welt und komme zur Ruhe
    die Bedingungen gibt die Natur vor, wie den Boden, das Wetter und Nützlinge wie Bienen Hummeln.. oder Schädlinge ,
    Ich kann Einfluss nehmen durch die Auswahl und das Sähen und Pflanzen, die Pflege und darf in Geduld und voller Vorfreude abwarten wie sich im Garten Flora und Fauna begegnen..
    Frauke

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    1. Die Tiere habe ich bei meiner Beschreibung leider vergessen, sie sind auch mir sehr wichtig und ich denke, ein Garten ohne Tiere darin würde mich traurig machen. Die Begegnungen zwischen Flora und Fauna ergeben natürlich auch Spannungsfelder, die ich gerne beobachte!

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  3. Für mich bedeutet gärtnern abschalten können vom Alltag. Gärtnern ist zudem etwas ganz konträres zu meiner Ausbildung, welche eher wenig mit "Handarbeit" zu tun hat. Außerdem kann man hier nicht alles beeinflussen und das finde ich gut.

    lg kathrin

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  4. Antworten
    1. Genau das Gegenteil einer Scheinwelt ist ein Garten!
      Ich habe den Garten um zu ernten , um mich mit Nahrung zu versorgen,
      es ist Realität pur in der Erde und mit Pflanzen zu werkeln,
      die Früchte zu ernten und zu lagern
      und er ist voller Blumen, die gerade für die Insekten unentbehrlich sind
      Jetzt im Winter lebt der Maulwurf jetzt dort ungestört im Gartenboden und er bedankt sich mit Schädlingsvernichtung
      die Vögel ernten die Wildfrüchte und die Saat der Staudenstengel
      Frauke

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    2. Es mag in einigen Fällen Eskapismus sein. In vieler Hinsicht ist es jedoch das Gegenteil davon, nämlich eine Annäherung an eine Realität durch Beobachten. Aus der Sicht des Beobachtenden ist das trotthafte vor sich hin leben Eskapismus, geradezu drogenhafter Eskapismus. Auf den, der seinen Garten managt wie sein Berufsleben, dem noch einen sentimentalen Überbau gibt und nicht in der Lage ist, die Beobachterposition einzunehmen, trifft der Vorwurf des Eskapismus allerdings zu.

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    3. Ich denke auch, dass Gärtnern schon hin und wieder als Eskapismus interpretiert werden kann, vor allem dann, wenn der Garten ein krasser Gegensatz zum sonstigen Leben ist. Aber es kommt auf die Perspektive an: Für mich ist ein Garten mehr Leben, als meine anderen Tätigkeiten, daher ist ein Garten ein "zurück ins Leben" und nicht "vom Leben davon".

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  5. Das ist ein toller Beitrag, Katrin. Hat mich berührt. Ich werde jetzt darüber nachdenken, warum ich gärtnere. Nicht, dass ich es nicht wüßte, aber wenn man länger nachdenkt, fallen einem mehr Gründe ein. Toleranz ist auch so ein Thema im Garten, einfach einen Garten auch bei anderen so annehmen, wie er ist, und nicht sagen: Grauenvoll, was für ein Garten!
    Nicht werten. Wie oft ist mir das bei einer Gartenbegehung bei offenen Türen passiert, dass ich Kommentare aufschnappte, die den Garten schlecht redeten. Toleranz, im ganzen Leben ein Thema.

    Sigrun

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  6. Es freut mich, wenn Blogger Beiträge posten, die zum Nachdenken einladen.Danke für deine Anregung!
    Du schreibst ja selbst, deine Frage muss letztlich jeder für sich beantworten , die Motivationslage einen Garten anzulegen und zu pflegen, wird individuell sehr unterschiedlich sein.
    Bernie wirft nur einen Begriff als Antwort in den Raum- Eskapismus- den ich bei kritischer Überlegung für mich durchaus bestätigen kann. Ich nutze den Garten tatsächlich als Fluchtpunkt aus der realen kalten Stadtwelt, in die ich täglich fahre um dort zu arbeiten. Ich sehe darin aber nichts Negatives, im Unterschied zu den vielen städtischen PC-Abhängigen, die täglich stundenlang in virtuellen Welten unterwegs sind, suche ich immerhin noch den Kontakt zur realen Welt, und wühle im Dreck, setze mich dem Sonnenlicht aus, beobachte ohne Kreischanfälle, wie Spinnen ihre Netze spinnen, falle nicht in Ohnmacht, wenn mir eine Ratte am Fließ begegnet.
    Vielleicht geht es ja anderen Menschen auch wie mir, die auf der Suche sind nach einem Stück Natur, das umsorgt und gepampert wird.
    Ich sehe aber auch, dass Gärten zunehmend der Selbstdarstellung dienen, als Statussymbol herhalten mit dem die Gartenbesitzer sich selbst inszenieren können und sich untereinander vergleichen, wer den größeren und schöneren hat...
    LG
    Sisah

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  7. Hallo Katrin,
    ich finde es sehr gut, dass Du so tiefschürfende Fragen aufwirfst. Leider melde ich mich erst jetzt, da ich soeben einen längeren Exkurs, der auch Deine Frage beinhaltet, abgeschlossen habe. Bitte geh zu meinem Blog: Naturalistischer Gartenstil, dann brauch ich hier nichts mehr zu schreiben.
    LG, Jochen

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    1. ...ich habe alles auf deiner Seite gelesen, nein, eigentlich verschlungen und ich finde es sehr spannend, wie du dich mit dem Thema auseinandersetzt! Das gibt viel Stoff für weitere gartenphilosophische Posts!

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  8. Liebe Katrin,
    weil ich es liebe! Weil mir Stadt und Job den ganzen Tag über diktieren, was ich zu tun habe. Deshalb flüchte ich abends in meinen Garten, rieche die Erde, gieße und höre den Amseln unterm Apfelbaum zu. Dann komme ich zur Ruhe, werde geerdet, verdränge den Lärm und atme auf...
    Liebe Grüße
    Dagmar

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  9. Hallo Katrin, diese Frage wird einem ja des öfteren gestellt, warum gärtnerst du und gibst dein ganzes Geld für Pflanzen aus?

    Für mich sind es eine ganze Reihe von Gründen.

    1. So unmittelbar mit der Schöpfung in Kontakt zu treten, jedes Jahr aufs neue im Frühling das Wunder zu erleben, dass aus der braunen Erde so viel Leben kommt.
    2. Es ist ein wunderbarer Ausgleich zu meinem beruflichen Alltag, in dem ich viel mit dem Leid und dem Sterben von Menschen befasst bin. Sobald ich in der Erde wühle sind meine Gedanken auf das Leben und die Hoffnung gerichtet.
    3.Die Gestaltung des Gartens als Refugium nur für mich und meine Familie! Niemand redet mir rein, ich höre nur auf meine Ideen, das ist einfach toll und jede Stunde im Garten ist wie ein kleiner Urlaub vom Alltag :-)
    Lieben Gruß von Heike

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  10. karola Schöneich21. Februar 2012 um 06:45

    "Gärtnern" ist für mich zum größten Teil "Wachsenlassen", so ordne ich ein wenig, füge hinzu oder setze um. Wald und Wiese bieten vieles, manches wurde irgendwann gepflanzt und vermehrt sich, um hier und dort von mir verteilt zu werden, aber ich kaufe auch "Schmuck" für die Blumenkästen und Töpfe.Mit den Händen in der Erde zu wühlen ist für mich Urlaub, Yoga, Meditation und Therapie.
    Frühlingerwartende, liebe Grüße Karola

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  11. Hallo Katrin,
    das ist eine gute Frage. Ich dachte gestern beim Rückschneiden der Stauden darüber nach. Warum macht es mir große Freude endlich mit dem Staudenrückschnitt zu beginnen und ein wenig im Garten zu werkeln, während sich andere z.B. lieber im Rosenmontagsrummel vergnügen...

    Ich denke mal, die Motivation hinter einem Garten ist so vielfältig wie die Gärten selbst. Für mich hat Gärtnern z.B. sehr viel mit Kreativität und Ästhetik zu tun und ist ein wunderbarer Ausgleich zu meiner stark kopflastigen beruflichen Tätigkeit, bei der ich den ganzen Tag am Computer sitze. Im Garten schaffen meine Hände und mein Kopf kann abschalten - Gärtnern ist da wie Meditieren. Außerdem liebe ich den engen Kontakt mit der Natur, den Umgang mit Erde, das bewusste Wahrnehmen des Lebenszyklus. Beim Gemüseanbau ist es jedes Jahr aufs Neue für mich ein Wunder wie diese kleinen Samen innerhalb kürzester Zeit zu Pflanzen heranwachsen und dann auch noch etwas Essbares liefern. Natürlich gibt es auch so manchen Frust, aber über die Jahre habe ich gelernt, gelassener zu werden. Alles in allem bedeutet der Garten für mich ganz einfach ein Stück Glück!

    Liebe Grüße von Bärbel

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  12. Hallo Katrin,
    warum gärtnere ich. Was für eine Frage? Die habe ich mir bisher nie gestellt. Bisher ging es in diesem Zusammenhang nur um spezielle Ausführungen. Aber warum gärtnere ich grundsätzlich. Dazu mmöchte ich erklären, dass ich erst gerne gärtnere seit dem wir einen eigenen Garten haben. In meinem Elternhaus habe ich die übertragenen Gartenarbeiten nur ungerne gemacht. Seit etwas über 30 Jahren versuchen wir unsere eigenen Vorstellungen zu verwirklichen und ich sehe wie sich diese verwirklichen oder auch nicht. So ist Natur nun mal. Also weitere Versuche. Als ich noch berufstätig war, schaffte der Garten ein weiteres Leben und half mir mich durch Konzentration auf was anderes Ablenkung. VG Manfred

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  13. @ alle

    Ich habe eure Antworten alle (!) mit großer Freude gelesen und ich bin begeistert, wie vielschichtig die Antworten sind.

    Besonders freut mich, dass einige sonst stille MitleserInnen ihre Gedanken ebenfalls mitgeteilt haben, ich danke euch dafür.

    Sigrun, Toleranz ist ganz sicher wichtig und gerade dann, wenn wir Gärten anschauen, denn Gärten sind doch sehr persönlich (und ja, mir gefällt bei Weitem nicht alles, aber das muss es ja nicht, weil mein Garten eben ganz anders aussehen kann). Sisah, einen Garten versorgen und zu betreuen, ist ein weiterer wichtiger Punkt, den ich so nicht geschrieben habe - das ist für viele sicher eine wichtige Motivation. Und mit Selbstdarstellung sagst du was... wobei das wohl auch auf mich (uns?) zutrifft, wenn wir im Internet Garten und Pflanzen präsentieren. Vielleicht ist es auch mit ein Grund, warum man gärtnert: Weil man gerne erschafft und herzeigt. Denn die meisten GärtnerInnen zeigen schon gerne her, was sie so pflanzen und betüddeln.

    Gartenfee, der Zugang zum "Entstehen an sich" ist wohl mit ein Grund, warum Gärtnern so beliebt geworden ist und weiter wird: Weil man nah dran ist am Wachsen, viel näher, als im sonstigen Leben, wo eher das Gegenteil der Fall ist.

    Alle anderen: Ich wünsche euch einen schönen Frühling (und einen baldigen!) und weiterhin gute Gründe, warum ihr dreckige Hände habt ;-),

    Katrin

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  14. Hallo liebe Katrin,

    mit vielen Gedanken über die Natur, der Sinnlichkeit, dem Ausschalten können, der Schöpfung, usw. stimme ich vollkommen überein, doch ich habe auch noch einen anderen Beweggrund.

    Der Garten wirkt für mich heilend. Er zeigt oft, wie sich der Garten mit seinen Bewohnern wandelt.
    Meine Eltern hatten einen klassischen 70er-Jahre-Stil-Garten. Alles klar, pflegeleicht, akkurat gemäht und immergrün und angepasst. Gemüse nach Bedarf angepflanzt. Kartoffeln und Erdbeeren wuchsen meist ohne viel Hilfe.

    Als meine Tochter starb, schnappte ich mir die Gartengeräte und fing an zu graben. Am Anfang war es das "überhaupt wieder ein Ziel" zu haben und die "Zeit um wieder zu sich zu finden", die mich antrieb.

    Weißt du, wenn du wütend auf den Tod bist, kannst du hacken und graben - du arbeitest und musst dich bei niemanden rechtfertigen. Du kannst nachdenken und dich an die schönen Zeiten erinnern. Wenn du traurig bist und weinst, wirst du in Ruhe gelassen und nicht mit neugierigen (oder sinnlosen) Fragen belästigt, denn du bist mit dem Gesicht zur Erde. Gleichzeitig siehst du immer mehr Tiere, die sich zutraulich zu dir gesellen und wirst dadurch getröstet. Du hast eine Aufgabe, denn ohne dich würden die Pflanzen eingehen. Du erkennst, wie aus der umgegrabenen Erde neues Leben entsteht und freust dich wieder.
    Aus dem ordentlichen 70er-Jahre-Stil-Garten ist nun ein kleiner bunter Duft- & Kräutergarten entstanden mit Gartenteich, Insektenhotel, Natursteinmauern, Wildblumenwiese für die Insekten, Kräuterspiralen, Gemüsegarten, Naschobststräuchern, Hoch- und Terrassenbeete, Wildstäuchern und einem großen Spielbereich für meine Kinder. Es herrscht reges Treiben, man spürt das Leben und findet trotzdem/deshalb darin Ruhe und Frieden.

    Liebe Grüße

    Carola

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    1. Liebe Carola,

      vielen Dank für deine sehr persönliche Beantwortung der Frage. Auch für mich ist Gärtnern Trost, wenn ich traurig oder wütend bin oder wenn ich einfach Zeit für mich ganz alleine brauche. Es ist schön zu wissen, dass dieser Trost auch bei sehr traurigen Ereignissen, wie dir widerfahren sind, helfen kann. Ich habe mir gleich mal deinen Blog angeschaut, du hast einen schönen und lebendigen Garten geschaffen, was man so erkennen kann.

      Ganz liebe Grüße,
      Katrin

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