4. November 2015

Zweiter Morgenfrost

Der zweite Raureif brachte erneut frühwinterliche Stimmung in den Garten und eine Menge schöner Motive -  bei -4°C blieb kaum eine Freifläche ohne Eis und für alle Pflanzen mit etwas empfindlicherem Laub wie Staudenknöterich ist nun das Winterhalbjahr eingekehrt. Etliche andere sind von so niedrigen Temperaturen nicht beeindruckt und blühen trotz Vereisung unverdrossen weiter.

Für alle, die ihre Hände gerne in der Erde haben, brechen nun ungemütliche Zeiten an. Für mich gehört es im Jahrelauf dazu, im Herbst bei Eiseskälte Tulpenzwiebel in den Boden zu drücken, in Beeten, die so voll erscheinen, dass man jede einzelne weitere Zwiebel verflucht - und wo im Frühling die gesteckten 100 Stück dann maximal wie deren Zehntel wirken und man in Gedanken schon viele weitere Tulpen bestellt.

Einstweilen habe ich vom Geräusch der unablässig herabrieselnden Walnussblättern begleitet zumindest den Großteil der Blumenzwiebel versenkt. 50 Jan Reus und ebensoviele Kugellauch warten noch auf ihre Bestimmung.

Der Weg zwischen den Sommerstaudenbeeten hindurch liegt genau richtig für Aufnahmen mit morgendlichen Gegenlicht - dieses Mal kommt der Frost früh und nicht erst im Februar, sodass auch das Laub der Gehölze und Stauden optisch noch eine Rolle spielt.

Calamagrostis brachytricha war heuer oft im Trockenstress und hat sein Laub kaum je mehr richtig ausgerollt. Das hat ihm den ganzen Sommer über ein trauriges Aussehen verliehen, das sich erst jetzt wieder verflogen hat. Der Partner für diese Kombi ist eine Artemisie, nämlich A. ludiviciana 'Elfenbein', deren locker-luftiges Aussehen mit Raureif noch einmal einen Höhepunkt erlebt.

Schon richtig oft gezeigt, hat sich Molinia arundinacea 'Transparent' noch eine Erwähnung hier im Blog verdient - noch nie gab es Raureif, während die Stängel noch so schön strohgelb waren. Ich würde gleich ganze Wiesen davon pflanzen wollen...

Gillenia trifoliata, überall gelobt für seine lodernd gelbe Herbstfärbung, ist auch nach Überschreiten des Zenits für Überraschungen gut: Wer hätte gedacht, dass sein verdorrendes Laub so gewinnend Rostbraun welkt?

Eine Lieblingsstaude, die leider zu zart und unprächtig ist, um allseits beliebt zu sein: Scabiosa columbaria, eine niedliche Knautienverwandtschaft, die unermüdlich den ganzen Sommer über Blüten schiebt und einen kompakten Polster aus alten und neuen Blüten bildet. Ich habe im Schotterbeet gleich etliche mehr gepflanzt und hoffe auf bahnbrechende optische Erfolge (zumindest die Bienen dürften das dann so sehen).

Leucanthemella serotina, die weißblühende Großstaude des Herbstes zerfällt, das darf nicht verschwiegen werden, den Winter hindurch oft in ihre Einzelteile oder zumindest ihr Laub geht verloren, sodass am Ende dann nur mehr ein kahles Gerippe dasteht. So im ersten herbstlichen Raureif präsentiert sie sich aber gut und bildet einen schönen grafischen Gegenpol zur mit Eiskristallen wiedererweckten Blütenwolke des Baldrians.

Überhaupt, die Strukturen. Dass Gräser mit Blutweiderich schön aussehen, ist ja nun keine Offenbarung, aber dieser Anblick birgt sogar mitten im Herbst Spannung. Es ist daher durchaus lohnend, aufrechte Samenstände extra rund um Gräser zu Pflanzen, damit man im Winter etwas davon hat. Da darf es rundherum ruhig etwas chaotisch zugehen (ich zumindest sehe das erst jetzt beim Schreiben des Kommentars).

Eine Überraschung war auch die vereiste Erscheinung des Riesenschleierkrauts - schon den ganzen Sommer über war es mir positiv aufgefallen, da es ohne Pause Blüten schob und trotz der Hitze immer fit aussah. Gut, dass ich es nicht schon abgeschnitten habe, denn gefrostet wirkt es wie eine riesiger Haufen Zuckerwatte und damit im Grunde so wie zur Blütezeit auch.

Die feinen Härchen des Lampenputzergrases fangen die Feuchtigkeit der Luft besonders gut und frieren daher zu dichten Borsten. Das sieht aus der Nähe wunderschön aus...


... und ist auch aus der Entfernung eine Zier.


Mit einem schon bekannten Duo schließe ich die vielen Bilder ab. Falls jemand unter Nebeldecken hockt und neidisch hier herumklickt: Nach dem sonnig-funkelnden Morgenminuten zog sogleich der Nebel heran und blieb für den Rest des Tages. Davon gibts nun aber keine Bilder ;-).

Kommentare:

  1. Wie immer kann man sich an deinen Bildern nicht sattsehen. Nebel und Rauhreif durch den Frost zeigen so bizarre Strukturen deiner Pflanzen. Und alle kennst du so genau, ich bin schon immer froh, wenn ich die deutschen Namen der Familien weiß!
    Grüße von Frauke

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  2. Großartige Bilder! Ich habe gleich mal weiter geteilt… Viele Grüße, Barbara

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  3. Schlicht und einfach - ein Traum!!!! Danke fürs zeigen, denn sowas Schönes sieht man nicht alle Tage und selbst schaffe ich solche Gartenbilder nicht, nicht einmal in Ansätzen :-)

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  4. Wunderschöne Fotos sind das mal wieder. Ich bin begeistert von Deinen Staudenmeeren. Ich frage mich auch, ob sich denn die immer noch anhaltende Trockenheit im nächsten Jahr auf die Pflanzen auswirken wird. Bei uns ist auch der Herbst zu trocken. Im aktuellen Jahr zählen wir gerade 354,2 l/m² an 130 Regentagen. Hier gab es schon einige Meldungen die von versiechten Quellen sprachen und die Grundspiegel sind dramatisch gering. Da muss man schon fast auf einen schneereichen Winter hoffen, damit die Natur wieder ausgleichen kann.
    VLG Sabine

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  5. Das sind tolle Bilder, ganz märchenhaft mit viel Zauber!
    Viele wunderbare Gartengrüße
    Doris

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