8. Februar 2014

Ein Frühlingstag, dem Winter gestohlen

Nördlich der Alpen gab es heute ungewöhnlich warmes Wetter und ich habe es genutzt, um die Sommerstaudenbeete zurückzuschneiden. Das bislang fast schneelose Winter ließ die Samenstände und Stängel seit November erstrahlen und sogar Raureif war uns heuer vergönnt. Nun, da sogar die ersten Winterlinge durch das Laub ragten und auch die anderen Frühblüher bald folgen werden, bot sich das Wetter für einen Rückschnitt an - früher zwar als sonst, aber dafür mit der Garantie, wenig Schaden anzurichten.

Hamamelis / Blütenstand von Syneilesis palmata / Hamamelis

Sehr viele Blüten gibt es im Garten noch nicht zu sehen. Ein paar Helleborus niger blühen und die Hamamelis leuchten durch den Garten, nachdem sie vergangenes Jahr eine Ruhepause eingelegt haben. Der Samenstand in der Mitte ist von Syneilesis palmata, einer Schattenstaude mit stark geschlitztem Laub, die mit den Astern verwandt ist. Das würde man nie vermuten, erst am Samenstand wird es deutlich.

Die drei Staudenbeete sind zusammen etwa 140m² groß. Ihr Rückschnitt war verhältnismäßig schnell erledigt, ich habe eine Stunde alleine und zwei Stunden zu zweit daran geschnippelt. Das angefallene Material habe ich vorläufig gesammelt; es wird am Montag geschreddert und auf den Beeten verteilt. Vorher möchte ich noch etwas Hornspäne streuen und das Unkraut jäten, das diesen warmen Winter für rege Verbreitung genützt hat.


Die stabilen Stängel von Wasserdost und Vernonia eignen sich besonders gut zum Schreddern, aber auch das lose, kleine Material lasse ich durch die Maschine. So erhalte ich gleichförmigen Mulch, der durch die vielen Stängel locker bleibt und nicht verklebt. Dadurch haben auch kleine Blumenzwiebel keine Mühe, die Schicht zu durchdringen.

Der Haufen links im Vordergrund ist ein Teil des Bergs, der dabei anfällt. Allerdings täuscht der Umfang, da die Stängel locker aufeinandergeschichtet sind.


Vergleicht man die Bilder, dann fällt nicht nur der Rückschnitt auf, sondern auch, wie schnell der Schnee verschwunden ist. Kein Wunder, es hatte über 10°C und in der Sonne konnte man im T-Shirt arbeiten. Ich glaube übrigens nicht, dass jetzt dann schon der Frühling kommt. Viel wahrscheinlicher ist eine nasse, unfreundliche und vielleicht sogar kalte und schneereiche Wetterperiode bis weit in den März hinein. Falls das tatsächlich so wird, bin ich besonders froh, den Rückschnitt heute erledigt zu haben.

Austreibende Galanthus / Winterfärbung von Epimedium 'Jörg'
Das Schöne am Rückschnitt im Frühling ist, dass man ständig Austrieben begegnet. Besondere Freude bereitet mir der Schneeglöckchenbestand, den ich nun das dritte Jahr habe. Er besteht aus einem einzigen großen Tuff Galanthus, den ich von einer über 80-jährigen Gärtnerin, die bei unserem Gartenstammtisch dabei ist, erhalten habe. Ich habe ihn sorgfältig geteilt und die einzelnen Büschel eingepflanzt. Voriges Jahr waren es schon viel mehr Blüten als zuvor und heuer legen die Pflanzen so richtig los. Sie stehen unter einer Zierkirsche und ich freue nich das ganze Jahr auf den Moment, wo das Staudenbeet zurückgeschnitte daliegt und die Schneeglöckchen aus dem von dunklen Kirschenblättern bedeckten Boden sprießen sehe :-).

Das herrlich rote Laub daneben gehört einer Elfenblume, nämlich der Sorte 'Jörg'. Nicht alle Epimedien haben so schönes Blatt, aber manche sind es definitiv wert, nur deswegen gepflanzt zu werden.

Galanthus elwesii / noch leere Schattenbeete
Die riesigen Galanthus elwesii, die fast doppelt so groß werden wie die normalen Schneeglöckchen, treiben auch schon munter aus. Sie bestocken gut und sind, einmal aufgeblüht, ein richtiger Hingucker. Bis es soweit ist, wird es aber noch länger dauern. So wie es insgesamt noch lange dauern wird, bis der Frühling tatsächlich kommt. Je nachdem wo ihr lebt, kann das auch früher sein, aber ich muss mich sicher noch mindestens 5 Wochen gedulden, bis so richtig etwas weitergeht. Bis dahin darf es gerne noch schneien - ein Großteil der Frühlingsarbeit ist nun (fast) schon erledigt.

Ich habe die Gartenarbeit den Winter über nicht wirklich vermisst - aber der heutige, dem Winter gestohlene Tag, war schon eine schöne Abwechslung, so mitten im Februar.

Kommentare:

  1. Bei uns im Wiener Becken stehen manche der Schneeglöckchen kurz vor dem aufblühen, Primeln blühten schon Anfang Januar und gestern entdeckte ich im Laxenburger Schlosspark die ersten Bärlauchblätter. Die Amseln haben Frühlingspfeifen. Es ist so verrückt anders als letztes Jahr, man kann es fast nicht glauben, aber es schaut total nach Frühling aus hier! Ich hatte im Wald schon vor drei Wochen die erste Blüte von Hepatica entdeckt! Es bleibt jedenfalls spannend, bin neugierig, ob du recht behältst! Es macht jedenfalls Freude rauszugehen!

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  2. Ja, bei mir kribbelt es auch schon zumindest die Ranken der Steinsame wieder zu schneiden, eh sie auf die Idee kommen im Untergrund schon wieder auszuschlagen. Ebenso sollte das Schilf & Co aus dem Teich verschwinden, denn überall kommen grüne Spitzen …
    Aber ich befürchte ebenfalls, dass der Winter - oder zumindest heftigere Nachtfröste, noch so manches Mal die Frühlingsfreuden ausbremsen werden. Daher kommt das Shreddermaterial als Schutzschicht bei mir auch gleich wieder als gleichmäßige Abdeckung auf die Beete.
    LG Silke

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  3. Da warst du ja schon richtig fleißig. Ich werkle auch immer mal wieder für kürzere Zeit im Garten und freue mich an den Sonnenstrahlen. Wie Du so schön sagst empfinde ich das auch als "dem Winter gestohlene Zeit", die man einfach genießen sollte. Wenn es dann wieder kalt und winterlich werden sollte, nehmen wir das dann halt als gegeben hin und freuen und wieder auf kommende Frühlingstage.
    Einen schönen Sonntag wünscht Dir Marie

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  4. Hallo Katrin,

    eine Frage an Dich als passionierte Staudenhäckslerin: wie hälst Du es eigentlich mit den Samenständen? Entfernst Du die Samenstände vor dem Häckseln (was ja eine Heidenarbeit wäre) oder wie verhinderst Du, dass aus dem Staudenschnittmulch später Myriaden an Sämlingen hochkommen?

    LG
    Klaus

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    1. Ich sortiere sie nicht aus, weil das zu viel Arbeit wäre. Außerdem wird ein Großteil der Samen schon im Herbst reif und fällt aus. Tatsächlich habe ich kaum Probleme mit Sämlingen, was vermutlich am trockenen, eher sandigen Boden liegt und an meiner dichten Pflanzweise. Im Frühling sehe ich schon öfters Saat aufgehen, aber der wirds im Sommer zu dunkel. Aus dem Garten einer Freundin weiß ich aber, dass es auf Lehmboden, der generell fruchtbarer, weil - länger feucht - ist, viel komplizierter sein kann. Ich habe etwa erst einen Asternsämlinge gefunden, was ich richtig schade finde. Verbena hastata sät etwas mehr, aber als Unkraut, wie anderswo, muss ich sie noch nicht einstufen.

      Es kommt also auf den Boden drauf an. Auf Lehm klappt es vielleicht wirklich nicht.

      LG, Katrin

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  5. Danke für die lieben Wünsche allerseits. Ich habe heute den Schnitt gehäckselt und verteilt; er hat nur für eineinhalb Beete gereicht. Zum Glück habe ich noch Material von letztem Jahr. Das wird kommendes Wochenende auf die Beete gebracht. Zwischen den weißen Schneeglöckchen schaut dunkler Schredder ohnehin viel besser aus :-).

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