9. August 2013

Der Garten nach der Trockenheit

16 Liter Regen in 45 Tagen, das ist genauso wenig, wie es klingt, besonders dann, wenn man nicht wässert oder zumindest nur sehr wenig eingreift. Eigentlich gieße ich meine Pflanzen nie, behaupte ich zumindest immer und beeile mich, bei den entsetzten Gesichtsausdrücken, die dann immer folgen, mit der Beteuerung, ich würde "schon dort und da gießen". Tatsächlich ist es so, dass ich etablierte Stauden, die nicht gerade frisch gepflanzt wurden, nur in seltenen Fällen gieße und meine Eltern, die beim Garten wohnen, über diese Haltung sehr verzweifeln.

Manche Stauden überraschen mit hoher Trockenheitstoleranz

Heuer haben sie die eine oder andere Pflanze gegossen und zwischen den Beeten sogar manchmal den Sprenkler laufen lassen... aber auch wenn es vorrübergehend hilft: Man kann kaum so viel gießen, dass es den Pflanzen wirklich etwas bringt. Ich habe, um den Blüheindruck der Beete zu wahren, die Phloxe mit Wasser versorgt, aber auch wirklich nur die. Alles andere musste auf Regen warten und für manche kam er zu spät.

Verwelktes wie es gefällt (Allium) und so, wie wir es eher nicht so lieben: Welke Astern

Im Herbst 2013 wird es nur wenig Asternblüten geben und das ist zwar etwas traurig, aber auch ziemlich interessant: Astern hatten bei mir noch nie Probleme und ich hätte auch nicht gedacht, dass sie wirklich gleich verwelken. Man muss jedoch sagen, dass sie schon von Anfang Juli an sehr unglücklich waren und an den Stellen, die nun gewelkt sind, auch kaum höher als 50cm wurden. Dass es auch Aster laevis 'Arcturus' erwischt hat, tut mir leid, aber ein paar Stängel kommen schon noch durch.

Thalictrum, Darmera und Rodgersia mit Trockenschaden

Wirklich schlimm hat es die Großblattstauden des Schattens erwischt. Während einige zäh und unermüdlich jeden Tag ihre Blätter auf den Boden legten um am Morgen wieder frisch erstarkt den Anschein zu erwecken, alles wäre in Ordnung, gaben einige so rasch auf, dass auch eilend herangetragene Wassergaben nichts mehr zu retten vermochten. So sind bei Thalictrum delavayi 'Album' Blüten und Blätter vertrocknet, bei einigen Rodgersia-Sorten ging das gesamte Blattwerk kaputt und verbrannte dort, wo es der Sonne am meisten ausgesetzt war. Darmera peltata hingegen senkte nur immer das Laub und ist nun, wo es wieder feuchter ist, fast makellos.


Völlig abgeschlossen mit dieser Saison hat Peltoboykinia watanabei und ich bin nicht sicher, ob es wirklich wieder austreibt. Das wäre schade, aber wenn es dauerhaft nicht funktioniert, dann kann ich es im Garten nicht kultivieren (auch wenn es eine der schönsten Blattschmuckstauden ist, die ich kenne und bei der ich mich immer wundere, warum sie so selten kultiviert wird; vielleicht habe ich einen Grund dafür entdeckt).


Eine bekannte Trockenheitsmimose ist Deinanthe caerulaea, die Scheinhortensie. Kaum ist es ein paar Tage trocken, welchen zuerst die Blüten (es ist kaum möglich, ab diesem Zeitpunkt mit Gießen noch etwas zu erreichen) und dann auch die Blätter. Da es nur selten Jahre ohne Spätfrost (heuer) und ohne Hitze (heuer definitiv nicht) gibt, ist es ein kleines Ereignis, wenn die Deinanthe ohne Schäden zur Blüten gelangt. Schaden tut ihr dieses schreckliche Aussehen nicht, sie wird kommendes Jahr erneut einen Versuch wagen.


Ziemlich ramponiert ist das Tafelblatt, Astilboides tabularis. Ansonsten von der Feuchtigkeit unserer Sommer profitierend, musste es heuer einige seiner herrlich großen Blätter stilllegen, die ungünstigerweise sehr viel Feuchtigkeit verdunsten und daher nicht mehr zu versorgen waren. Neu für mich ist der Ausfall von Boehmeria tricuspis, einer bislang äußerst robusten und seit 8 Jahren nicht im Wuchs zu beirrenden Pflanze. Die zweite Art Boehmeria platanifolia blieb unberührt, man sieht ihre saftig grünen Blätter im Hintergrund.

Aktuell regnet es und in den nächsten Tagen stehen einige Gartenarbeiten an. Mit etwas Schnitt wird der Garten bald wieder fit aussehen :-).

Kommentare:

  1. In meinen Gärten wird normalerweise auch nicht gegossen! Auch ich habe aber während der großen Hitze ein paar Mal den Schlauch genommen! Aber, wie Du schon schreibst, bringt das meist ziemlich wenig! Mein neuer Garten hat alles ziemlich gut überstanden! Im alten hat wohl auch einiges schlapp gemacht - muss aber erst mal demnächst nach dem Rechten sehen!!!
    Viele Grüße von Margit

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    1. Da gibt es je nach Boden große Unterschiede! Im neuen Garten gab es fast keine Probleme, nichts ist verstorben, obwohl neu gepflanzt, im alten hat es auch eingewachsene Stauden erwischt (Sandboden). Kann man nicht viel machen, leider.
      LG!

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  2. Wenn ich mir Deine Bilder so ansehe, dann bin ich unseren Schnecken gar nicht mehr böse, dass sie im Laufe der Jahre dafür gesorgt haben, dass wir kaum noch Spätsommerstauden haben ...
    Auch wenn das Wetter in den letzten Wochen unseren Garten sicherlich mit mehr Wasser versorgt hat, so reicht mir schon der Anblick des traurigen Schneefelberich-Feldes, des Storchschnabels Rozanne, der immer wieder schlapp macht, die kümmernde weiße Herbstanemone und das vertrocknete Farnfeld. Auch wenn all' diese Pflanzen im Halbschatten stehen, so hätte ich die Flächen zwischendurch immer mal wieder für längere Zeit unter Wasser setzen müssen, um sie zu erhalten. Vorzeigbar sind die Bereiche jetzt nicht mehr. Aber ich frage mich inzwischen immer häufiger ob diese ganze Wasserplantscherei der letzten Jahre wirklich sinnvoll war. Zumal ich es den Nacktschnecken und Zecken in solchen Zeiten dann richtig gemütlich machen würde ...
    Erstaunt bin ich allerdings, dass in den schattigeren Bereichen, wo nur wenig Regenwasser hinkam die Sträucher, Rosen und selbst einige Stauden noch recht gut aussehen. Man kann seine Blümchen wohl wirklich mit Wasser verwöhnen. Aber zeitweilig finde ich es verdammt schwer standhaft zu bleiben, wenn alles auch am Morgen nur noch traurig aussieht. Ich bin gespannt, ob sich der Schneefelberich jetzt noch erholt, oder ob ich ihn dann genau wie das Farnfeld einfach runterschneide, shreddere, die Brachflächen mulche und auf bessere Zeiten hoffe ...
    LG Silke

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    1. Morgen muss ich Bilder von den restlichen Staudenflächen machen, denn die meisten Spätsommerstauden haben die Dürre sehr gut überstanden und wachsen nun endlich weiter. Die Geraniums sind vielfach stark gewelkt, aber um die mache ich mir keine Sorgen, die kommen wieder und werden auch sicher heuer noch blühen, es ist ja erst Mitte August. Anemonen und Schneefelberich sind da heikler, schade, dass du größere Flächen davon hast.
      Bestimmt regnet es kommenden Sommer wieder die ganze Zeit, dann haben wir keine Tomaten, aber schöne Stauden ;-).
      LG!

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  3. oh Katrin,
    das sieht so traurig aus! Aber ich kann es sehr gut nachvollziehen, ich gieße auch kaum. Wenn dann manche Sträucher oder die Hortensien "alles hängen lassen" wird mal der Schlauch ein wenig hingelegt und im Vorgartenbeet, wo alle (auch Klienten) vorbeikommen und Sommerblüher gepflanzt sind, muss ich aufpassen, dass es halbwegs nett aussieht. Wahrscheinlich müssen wir uns darauf einstellen, dass solche Sommer öfter kommen können. Es ist traurig, wenn man sehenden Auges eingestsehen muss, dass manche Pflanzen es nicht schaffen werden...
    Angesichts der Fülle in deinem Garten kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass es zu großen "Löchern" kommen kann und es bleibt sicher auch spannend für dich, wie sich die Beete inhaltlich zusammenfinden im Laufe der Zeit. Was die Hitze und Trockenheit besser toleriert, wird sich ausbreiten...
    Ich bin jedenfalls immer neugierig auf deine Fotos und es tut auch mal gut zu lesen, dass es diesen Zugang zur Sache gibt, wie du es beschreibst!
    Jetzt nach dem Regen freut man sich besonders auf die Arbeit draußen, ich habe heute Berge von Paradeisern geerntet und eingekocht.
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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    1. Danke auch für deinen Beitrag, ich habe ja extra die Leichen fotografiert; im Schatten ist sowieso nicht mehr viel los und die wenigen Ausfälle in den großen Beeten werden verdeckt werden. Ein paar beleidigte Pflanzen fallen jetzt erst auf, so die Herbstmargerite Leucanthemella serotina, ein eigentlich wunderschöner Septemberblüher - ich weiß nicht, ob das heuer was wird. Im Zweitgarten in Lehm steht ein Ableger, der sieht mittlerweile viel fitter aus als die Mutterpflanze.

      Von zu viel Gießen halte ich nichts, man fühlt sich dann allen Pflanzen verpflichtet und schafft es doch nicht. Ja, es ist traurig, wenn Pflanzen welken, aber bei unserer Gartengröße ist es utopisch, noch etwas retten zu wollen, das geht nur bei ganz wenigen Pflanzen und heuer waren das eben die Phloxe, weil sie gerade geblüht haben.

      Tomaten reifen erst jetzt bei uns (die Berge sind auch manchmal ein Nachteil), aber es werden viele werden, sie lieben die Hitze.

      LG, Katrin

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