6. Juni 2017

Anfang Juni im niederösterreichischen Weinviertel

Der kleine Österreichurlaub an einem der langen Wochenenden im Frühsommer ist mittlerweile zu einer kleinen Tradition geworden und so hat es uns dieses Mal in für mich noch unbekanntes Gebiet verschlagen, nämlich in den äußersten Nordosten Österreichs, ins nördliche Weinviertel.

Wer in Österreich in einer Gebirgsrandlange wohnt und gärtnert wie ich, wird vor allem von den klimatischen Bedingungen überrascht sein: Meistens bewegt sich die Jahresniederschlagssumme um 300mm (auf der Karte die Grenzbereiche nördlich von Wien) herum, was weniger als einem Drittel des Regens entspricht, mit dem mein Garten auskommen muss. Die Folge sind bereits jetzt Anfang Juni verdorrte Rasenflächen und eine gänzliche andere Flora und Fauna - und natürlich Weinanbau.

Jetzt im Frühling sind die meisten Orte noch nicht sehr stark besucht, in vielen Kellergassen huschen nur Ziesel herum und weil die Landwirtschaft, auch wenn sie sehr idyllisch aussieht, intensiv betrieben wird, begegnet man in den Siedlungen öfter einmal Feldhasen, Igeln oder vielen, vielen Vögeln.

Im Folgenden möchte ich euch einfach ein paar Eindrücke zeigen, natürlich immer mit botanischem Schwerpunkt! Bei weiteren Fragen bitte Mailen oder einen Kommentar hinterlassen.


Eine der schönsten Kellergassen der Region und vermutlich auch darüber hinaus befindet sich am Galgenberg bei Wildendürnbach.





Wir sind quer durchs Waldviertel angereist und haben einen Zwischenstopp am Ottensteiner Stausee eingelegt, der mit den Gneisgestein am Ufer ganz deutlich an Skandinavien erinnert. Und auch wenn der Kamp angeblich kalt ist: Der Stausee ist es ganz sicher nicht, wer in der Nähe ist: Ruderboot ausleihen, eigene Insel oder Buch ansteuern und sich auf den warmen Steinen in die Sonne legen! / Das zweite Bild zeigt eine kleine Kellergasse irgendwo unterwegs, leider ist nur mehr eine kleine Insel inmitten von Agrarwüste.
Rund um den Truppenübungsplatz Allentsteig, in dem neuerdings sogar ein Wolfsrudel lebt, finden sich unglaublich reiche Vorkommen von Lupinen. Das mag manche nicht weiter beeindrucken, für mich, die ich auf Kalk gärtnere und lebe und den Kampf für Lupinen und gegen Schnecken schon vor Jahren aufgegeben habe, ist so etwas ein kleines Wunder.

Unser Quartier befand sind in Staatz-Kautendorf, eines jener Dörfer, in denen aus der ziemlich flachen Umgebung eine Kalkklippe aufragt, die natürlich im Mittelalter als Platz für eine Burg genutzt wurde. Zur blauen Stunde spazierten wir auf die Burgruine von Staatz, die einen herrlichen Rundblick bietet.

Blick nach Nordwesten, Richtung Sonnenuntergang.

Die Reste des Gebäudes sind rund um die Uhr zugänglich und bieten einen herrlichen Rundblick auf das sanfthügelige Weinviertel.

Die am Beginn des Posts gezeigte Kellergasse, die einen Hügel - den Galgenberg - fast ganz umgibt, liegt bei Wildendürnbach. Im Spätsommer werden dort Weinfeste gefeiert, aber bis dahin liegen die Keller verlassen auf dem warmen Hügel. Wer sich langsam anpirscht, kann jede Menge Ziesel beobachten. / Oben auf dem Hügel befindet sich der oberste Teil des alten Kirchenturms, der beim Neubau vor 30 Jahren von der Feuerwehr dorthin verfrachtet wurde. / Die Kellergasse ist wunderschön einheitlich und in gutem Zustand.

Aber jetzt zu dem, was mich dort am meisten begeistert hat... Sind Ziesel nicht unheimlich niedlich? Ich bin ja leicht von Tieren zu begeistern, aber Ziesel zu beobachten gehört zu meinen liebsten Beschäftigungen im Osten von Österreich. Leider bin ich noch nie einer zahmen Kolonie begegnet, alle meine Zieselsichtungen erfolgten aus weiter Ferne und ergaben Bilder, auf denen man braune Schatten durchs Gras huschen ahnt. Dieses Mal hatte ich aber Glück: Ein unvorsichtiges Jungtier war so in die Suche nach Grassamen vertieft, dass es immer weiter in meine Richtung gelangte. Erst ganz kurz nach dem rechten Bild erschrak es schließlich und sauste in sein weitläufiges Gangsystem. Glück gehabt, wir alle beide :-).

Die Aussicht vom Galgenberg reicht schon bis ins benachbarte Tschechien nach Mikulov.


Auch wenn die Landschaft idyllisch aussieht und die Grüntöne beim Fotografieren Spaß machen: Naturbelassene Flächen gibt es hier kaum, die Wälder sind meist abgezäunt und innerhalb des Gatters werden Wildschweine gehalten, die Felder grenzen fast ohne Rain aneinander und die wenigen natürlichen Flächen sind auf die Hügelkuppen zurückgedrängt: Die dort wachsende Trockenrasengesellschaft ist aber äußerst sehenswert! Wir waren etwa am Schweinsbarther Berg, in dessen Umkreis etliche Trockenhänge als geschützt ausgewiesen sind. An einen Stellen kommt sogar der Tatarische Meerkohl vor (Crambe tatarica), aber dafür waren wir zu spät, ich konnte nur mehr die beeindruckend großen Samenstände bewundern.

Für mich völlig unbekannt war bis dato der Acker-Wachtelweizen, Melampyrum arvense, ein Halbschmarotzer, der einjährig ist und nur in Verbindung mit bestimmten Gras- oder auch Getreidearten gedeiht. Er gehört wie der verwandte Klappertopf zu den Sommerwurzgewächsen, die allesamt auf Wirtspflanzen leben. In Magerwiesen zuhause, trägt er zur weiteren Abmagerung der Wiesen bei, allerdings kenne ich diese leuchtend pinkfarbige Art aus den nördlichen Kalkalpen und den Trockenrasen im Alpenvorland definitiv nicht, obwohl die Art Kalk wohl mag. / Der weißblühende Lein ist Linum tenuifolium und er würde auch in meinem Magerbeet zuhause gut passen!
Im Waldviertel waren die Kirschen schon reif und überall verstreut in der Landschaft, an Wanderwegen, am Fuße von Hügeln und in Hecken findet man große, saftige Kirschen an Bäumen mit gesundem, grünem Laub - etwas, das ich von Daheim schon seit Jahren nicht mehr kenne, hier sind alle Kirschen wegen der vielen Feuchtigkeit mit Pilzen befallen, von wildwachsenden Esskirschbäumen, die teilweise als Überreste alter Obstbaumgärten als letzte noch sichtbar sind oder von Vögeln weiterverbreitet wurden, kann ich hier nur träumen! Und wer genau schaut, sieht auf meiner Hand auch eine Wildbiene, leider konnte ich sie nicht bestimmen, weil sie so schnell wieder weg war.

Der Kirchturm von Ottenthal / Ein Teil der großen Windparks Richtung Wien.

Eine unserer letzten botanisch interessanten Stops waren die Leiser Berge, die gleichzeitig von Süden her die erste Kalk-Erhebung darstellen. Rund um die Buschberghütte, die gleichzeitig Österreichs niedrigstgelegene vom Alpenverein betriebene Hütte ist, sie liegt nämlich nur auf 480m Seehöhe, führen ausgedehnte Pfade durch Wiesen, Hecken und Waldstücke und man könnte stundenlang zu den nahegelegenen Dörfern wandern.

In den Wiesen blüht neben dem schon bekannten Ackerwachtelweizen der Natternkopf und Carduus nutans, eine meiner liebsten Disteln, die ich immer noch nicht im Garten habe.

Noch ein paar Impressionen aus den Leiser Bergen, die weiße Pflanze könnte ein Galium sein, ich habe aber noch keine passende Art gefunden, falls also jemand eine Idee hat?

Einen Urlaub in diese Region kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen!

Kommentare:

  1. Was für herrliche Bilder!!!
    Viele Grüße von Margit

    AntwortenLöschen
  2. Wunderschöne Bilder. Das war bestimmt ein schöner Urlaub...
    LG Julia

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Katrin, vielen Dank für's Mitnehmen. Eine wirklich wundervolle Gegend! Unsere Kirschen leiden leider auch an Pilzkrankheiten, obwohl erst letztes Jahr gepflanzt. Die feuchten Wetterlagen halten meist einfach viel zu lange an.

    LG kathrin

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Katrin,
    das sind sehr schöne Eindrücke, die ich durch Deine wunderschönen Fotos gewonnen habe. Ziesel sind ja wirklich allerliebst, bisher kannte ich die gar nicht, hat mich ein wenig an Lemminge erinnert.
    Ich wünsche Dir einen schönen Mittwoch.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Katrin,
    eine schöne Landschaft, in der ich leider noch nie war.
    Danke fürs Zeigen und Erklären.
    Liebe Grüße
    Edith

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Katrin,
    als geborene Weinviertlerin lebe ich jetzt schon seit 40 Jahren im Waldviertel. Dein eindrucksvoller Bericht hat ein wenig Kindheits-Heimweh in mir geweckt!
    Zu den Zieseln möchte ich berichten, dass sie damals so zahlreich vorkamen, dass sie auf den Feldern ziemlichen Schaden anrichteten. Die Bauernkinder haben sie gejagt und wer ein Schwänzchen bei der Gemeinde ablieferte, bekam etliche Groschen dafür. Wieviel das genau war, weiß ich leider nicht mehr. Gut, dass die niedlichen Tiere jetzt geschützt sind.
    Liebe Grüße
    Susi

    AntwortenLöschen
  7. danke, liebe Katrin, für den ausflug in eine meiner lieblingsgegenden ;D

    AntwortenLöschen
  8. im Fischer (Raimund F., Blütenvielfalt im Pannonikum) werden folgende Galium/Asperula arten genannt:
    A. cynanchica, da stehen die blüten viel dichter als bei der von dir fotografierten pflanze. Laubblätter 4-6 in quirln.
    A. tinctoria, da stehen die blüten locker wie bei 'deiner'
    G. glaucum, spezifisch im Pannon.8-10 blätter im quirl.
    G. austriacum, leider ohne bild, aber da hilft die flora nhm. 6-8 blätter im quirl.

    Leider derzähle ich am bild die nlätter pro quirl nicht genau genug. um was auszuschliessen.

    lg brigitte

    AntwortenLöschen
  9. Hallo Katrin,
    vielen Dank, dass du uns an deinen schönen Uraubsfotos teilhaben lässt!
    Bei der gesuchten Pflanze seit ihr allerdings auf der falschen Fährte: Es ist ein Backenklee, Dorycnium.

    LG Gerhard

    AntwortenLöschen